Hinhalten und taktieren - nichts Neues bei Schloss Reinhardsbrunn

Friedrichroda (Landkreis Gotha). Die Vertreterin des Besitzers wusste bei der Versammlung nichts Konkretes beizutragen und übte sich stattdessen in Ausflüchten.

Der romantische Schein trügt. Schloss Reinhardsbrunn ist eingezäunt und wegen seines desolaten Zustandes nicht begehbar. Foto: Dirk Bernkopf

Der romantische Schein trügt. Schloss Reinhardsbrunn ist eingezäunt und wegen seines desolaten Zustandes nicht begehbar. Foto: Dirk Bernkopf

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Es nieselt. Leute drängen im Dunkel in die "Forstklause" von Friedrichroda. In einer Gaststube, wo sonst Rouladen mit Klößen aufgetischt werden, staut es sich. Stühle müssen herangeholt werden, es wird dennoch nicht reichen. Einigen bleibt nur ein Stehplatz. Am Ende quetschen sich rund 100 Gäste, die meisten älter, an den Tischen. Was nicht verwundert: denn es geht um Schloss Reinhardsbrunn. Wieder einmal.

Wer indes bei der öffentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins für das Schloss auf Erhellung gehofft hatte, sah sich am Ende wieder enttäuscht. Es wurde im Gastraum reichlich aufgetischt. Keine Rouladen, sondern Ausflüchte, garniert mit plakativer Unwissenheit, serviert von einer Dame mittleren Alters. Die hatte sich in einer Eckes des Gastraumes platziert. In der Hoffnung, dort nicht bemerkt zu werden. Doch sie wurde von Christfried Bölter, dem Fördervereinsvorsitzenden, enttarnt und als Vertreterin des aktuellen Schlossbesitzers, der Firma BOB Consult, vorgestellt.

Maren Evangelou, ebenjene BOB-Vertreterin, stand von Anfang an auf verlorenem Posten. "Ich bin nicht auf solche Fragen vorbereitet, ich fühle mich überrumpelt", erklärte sie allen Ernstes. Stimmt. Denn sie hatte absolut nichts beizutragen, was zur Klärung der Situation hätte beitragen können. Der Konjunktiv mit "hätte", "wäre", "vielleicht" gehört offenbar zum Standardrepertoire bei BOB. Auch wenn er jetzt neuerdings im norddeutschen Dialekt vorgetragen wird.

Denn die BOB Consult sitzt jetzt angeblich in Hamburg. Zumindest nach eigener Aussage. Friedrichrodas Bürgermeister Thomas Klöppel (pl), inzwischen im Misstrauen ein geübter Mann, hat in der Alsterstadt nachforschen lassen. Bei der Adresse, die ihm von BOB benannt wurde, gibt es nichts. Keinen Briefkasten, keine Klingel, kein Firmenschild.

Maren Evangelou, die schon voriges Jahr nichts Konkretes hatte sagen können, wand sich wie ein Aal, konnte wieder auf keine der vielen drängenden Fragen etwas Konkretes antworten. Man erfuhr nicht, was der Besitzer vor hat mit der Wiege Thüringens. Der aktuelle, neue Besitzer sei betrogen worden, als er das Schloss gekauft habe, versicherte die BOB-Vertreterin. Das hörte man sich noch interessiert an. Hohngelächter aber, als sie fragte, was denn die Friedrichrodaer für Vorstellungen hätten für die Nutzung des Schlosses. Als ob es in deren Hand liegen würde.

"Eigentum verpflichtet." Der bekannte Ausspruch wurde immer wieder von Bürgermeister Thomas Klöppel, als auch von Bodo Ramelow, Linken-Fraktionschef im Thüringer Landtag, bemüht. Indes, für die BOB scheint das nicht zu gelten.

10-Millionen-Hypothek lastet auf dem Schloss

Im Gegenteil. Zu guter Letzt wurde gar die Berichterstattung dieser Zeitung dafür verantwortlich gemacht, dass man handlungsunfähig sei, wie Maren Evangelou allen Ernstes behauptete. Man habe deswegen bis vor Kurzem nicht einmal ein eigenes Bankkonto eröffnen können, da keiner wegen der Negativpresse mit BOB habe zusammenarbeiten wollen.

Und deswegen habe man auch die Frist zur Begleichung der Kosten von 30.000 Euro für die Notsicherung des Schlosses verstreichen lassen müssen. Sie halte überdies die ganze Veranstaltung für kontraproduktiv, so Evangelou. Einer Dame aus dem Publikum platzte da der Kragen: "Ich lasse mich doch hier nicht verklapsen." Sprach's und verließ wütend den Raum. "Geben sie das Schloss Thüringen zurück, dahin, wo es hingehört", rief eine aufgebrachte Friedrichrodaerin.

Das sei zwar eine gute Idee, aber so lange die dubiose 10-Millionen-Hypothek noch darauf liege, werde man keinen Finger rühren, da sei man parteiübergreifend genauso einig wie beim Bemühen, das Schloss nicht verfallen zu lassen, erklärte Linken-Fraktionschef Ramelow.

Er hatte sich im Auftrag von Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), die das Schloss vor Jahresfrist im Überschwang zur "Chefsache" erklärt hatte, intensiv in das Problem eingearbeitet. Ramelow musste aber die Hoffnung aus dem Publikum, dass das Land das Schloss übernehmen könnte, dämpfen. Dann müsste der Freistaat die eingetragene Hypothek nämlich windigen Leuten in den Rachen werfen.

Nach rund 90 Minuten war die Veranstaltung Geschichte. Die unzufriedenen Gesichter, die Aufgebrachtheit der Gäste, war indes die gleiche wie schon vor Jahresfrist.

Auch damals nur Ausflüchte und Hinhaltetaktik. "Wir werden aber nicht aufgeben und den Druck weiter erhöhen." Das Schlusswort des Fördervereinsvorsitzenden bekam den einzigen Applaus des Abends.

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