Gothaer Stadtschreiberin: Jungen Gästeführern auf der Spur

Gotha  Stadtschreiberin Birgit Ebbert entdeckt Lieblingsorte in Gotha

Birgit Ebbert ist Stadtschreiberin in Gotha.

Foto: Wieland Fischer

In dieser Woche hatte ich das Glück, Gotha mit jugendlichen Gästeführerinnen und Gästeführern zu entdecken. In der Stadtbücherei haben sich Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Ernestinum in zwei Tagen mit Ralph-Uwe Heinz ihre Lieblingsorte erarbeitet und diese beim Stadtrundgang präsentiert. Das Projekt wurde im fünften Jahr durchgeführt und hat mir gezeigt, welche Orte junge Gothaer in ihrer Stadt besonders mögen.

Begonnen haben wir den Rundgang in der Stadtbücherei, dem ehemaligen Winterpalais. Dies ist der Lieblingsort von Hannes, Jannik, Jesse und Veit, weil sie dort freies Wlan haben und chillen und surfen können. Dass sie dabei an einem Platz sind, an dem die legendäre englische Königin Victoria zu Gast war, haben sie erst im Rahmen des Projektes erfahren.

Jannik, der ein Praktikum in der Bücherei macht, liebt das Kino und hat sich mit deren Geschichte in Gotha beschäftigt. Dank seines Vortrags verstehe ich, was es mit den Abkürzungen „LiaC“ und „LiaL“ auf sich hat. Beide bezeichnen das frühere Kino unter dem heutigen Kulturhaus, das sich am Carolinenplatz -- Lichtspielhaus am Carolinenplatz – befand, ehe der Platz in Leninplatz und das Kino in LiaL umbenannt wurde. Weshalb es dieses Kino heute nicht mehr gibt, haben Antonia und Johanna verraten. 2014 wurde ihr Lieblingsort, das Cineplex, eröffnet.

Vom Kino führte uns der Weg, an versteckten Überresten der alten Stadtmauer vorbei, zum Kaufhaus Moses. Charlotte, Lena, Lina, Nelly und Sarah, die dort gerne bummeln und shoppen, haben uns erklärt, dass das Gebäude von Architekt Bruno Tamme eines der ersten Häuser im Bauhaus-Stil in Thüringen war. Da wir in der Fußgängerzone waren, haben wir uns das Haus angeschaut, in dem sich Thalia befindet, wo Alma, Linnea und Nelly gerne entspannen. Die drei haben herausgefunden, dass sich dort die Feinkost- und Kolonialwarenhandlung von Otto Böhm befand, was man an den Zeichen auf der Fassade des Sandsteingebäudes erkennen kann.

Hugo, Jonas, Joseph, Nils und Richard haben uns auf den Hauptmarkt geführt. Er gefällt ihnen, weil es dort kleine Läden gibt, Brunnen, Gelegenheiten zum Sitzen und weil der Platz einen weiten Blick ermöglicht. Da kann man die gruselige Geschichte schon vergessen, die sie uns aufgetischt haben. Von Ritter Grumbach und seinem Ende, der schaurigsten Hinrichtung des 16. Jahrhunderts, an die der Gedenkstein 18. April 1567 erinnert.

Es waren interessante Storys, die die jungen Gästeführer recherchiert haben. Wussten Sie zum Beispiel, dass an der Stelle, wo heute der Medimax ist, einmal ein Kloster war. Andreas, Emil, Jannis und Nils haben ausfindig gemacht, dass dort, wo sie als Technikfreaks gerne neue Computer, Handys und Spiele ausprobieren, vor 800 Jahren das Kreuzkloster der Zisterzienser-Nonnen stand.

Der Rundgang endete am Stadtbad, dem Lieblingsort von Antonia, Emily und Julie. Das Gebäude wurde 1909 von Stadtbaurat Goette im Stil des Historismus mit Details aus dem Jugendstil gebaut. Bis heute bildet das historische Schwimmbecken den Kern des Bades, das lange baufällig war und vor zehn Jahren reaktiviert wurde. Herzlichen Dank an die jungen Gästeführerinnen und Gästeführer, dass ich dabei sein und Gotha aus eurer Perspektive erleben durfte.

Und was ist Ihr Lieblingsort in Gotha? War er dabei? Wenn nicht, verraten Sie ihn mir.

Zu den Kommentaren