Katarina Witt zu Gast in Gotha

Gotha. Eiskunstlauf-Legende Katarina Witt war zu Gast im Hotel "Der Lindenhof". Der Behindertensportverband Gotha erhält eine Spende durch Stiftung.

Locker, informativ, unterhaltsam: So verlief das Gespräch von Hotelchef Olaf Seibicke mit Katarina Witt. Foto: Gerald Müller

Locker, informativ, unterhaltsam: So verlief das Gespräch von Hotelchef Olaf Seibicke mit Katarina Witt. Foto: Gerald Müller

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So werden Oberarme gekräftigt! Gleich mit drei Büchern stand Katrin Bauer in der langen Schlange im Lucas-Cranach-Saal vom Gothaer Best-Western-Hotel "Der Lindenhof". Mittendrin, vielleicht an Position 60 oder 70. Irgendwann war die Ohrdruferin am Ziel der abendlichen Träume, an einem kantigen Tisch. Sie sagte einige herzliche Worte zu Katarina Witt, bekam ein Lächeln zurück und vor allem die gewünschten Unterschriften.

Die ausgedehnte Autogrammstunde war die ersehnte Zugabe bei "Ein Abend mit...". Eine Veranstaltung, die vom Publikum als fungierendes Preisgericht wohl eine 6,0 nach altem Wertungssystem im Eiskunstlaufen hätte.

Die Höchstnote nach der abendlichen Pflicht (Essen) wäre vor allem für die glänzende Kür (Gesprächsrunde) gerechtfertigt gewesen. Die lebte von einer äußerst lockeren und gekonnten Moderation durch Olaf Seibicke und der so natürlichen Art von Katarina Witt. Zum 40. Mal hatte der Hotelchef einen prominenten Gast eingeladen: Stefanie Hertel, Anja Kling, Wolfgang Stumph, Frank Elstner oder Sky du Mont waren unter anderem schon da. Doch, so Seibicke, bei niemandem zuvor waren die Karten so schnell vergriffen wie diesmal.

"Sie ist authentisch, weltoffen, sprachgewandt - einfach toll", schwärmte Katrin Bauer. "Ich habe mit ihr in all den Jahren gelitten und gejubelt". Die Sekretärin bezeichnet sich als Fan und war glücklich, dass ihr Sohn sie begleitete und anschließend die Sympathie der Mutter für die zweimalige Olympiasiegerin nachvollziehen konnte.

Diese berichtete, dass Eiskunstlaufen ("die Silbe Kunst ist entscheidend") für sie der "schönste Sport" der Welt sei. "Klar, war es hart", in der Kindheit "sechs, sieben Stunden täglich" zu trainieren. "Doch ich habe damals nichts vermisst". Dickköpfig sei sie gewesen, "ich wollte immer gewinnen". Das gelang ihr schon als Siebenjährige gleich im ersten Wettkampf, später folgten die großen Siege bei Olympia, WM und EM. Unvergessen vor allem der "Carmen"-Zweikampf mit der Amerikanerin Debi Thomas ("wir waren keine Freundinnen, hatten aber ein gutes Verhältnis". )

Katarina Witt ist dankbar für das, was ihr der Sport gegeben hat. Nicht nur wegen der Erfolge, auch die Niederlagen hätten geformt. "Man lernt, dass das Scheitern zum Leben dazu gehört. Aber man lernt auch, dass es sich lohnt, nach dem Hinfallen wieder aufzustehen. Im Eiskunstlaufen ja ohnehin".

Um im Leistungssport ganz oben anzukommen ("uns fehlen derzeit auf dem Eis nationale Idole") müsse man nicht nur nervenstark wie sie sein, sondern auch egoistisch. Wo sie denn auf einer Ego-Skala von 1 bis 10 stand ? "Bei 11".

Emotionen mit Lachen und Weinen gezeigt

Katarina Witt, die gebürtige Sächsin, wusste, dass sie für viele ein Vorbild war. Und Millionen Menschen mit ihr gebangt haben. Deshalb wollte sie nicht allein für sich Edelmetall holen, sondern auch für die Familie, das Betreuer-Team und die Anhänger in der Heimat. "Ich habe auf dem Podest immer auch an diese Leute gedacht", sagt sie und muss im "Lindenhof" plötzlich weinen.

Doch wenige Sekunden später ist das Lachen zurück. Da berichtet sie, zwar nie geraucht, aber in der Jugend hin und wieder mal "eine Zigarre gepafft" zu haben. Und sie gesteht, keine gute Köchin zu sein. Wie denn der typische Geruch in Ihrer Küche ist, fragt Olaf Seibicke. "Angebrannt?" Die Antwort ist kurz und vielsagend. "Nicht mal das".

Katarina Witt scheint stets so zu sprechen, wie sie denkt. Eine Offenheit, die auch angreifbar macht. Das spürte sie nach der Wende ("zum Zeitpunkt des Mauerfalls war ich zu abendlichen Dreharbeiten für den Film Carmen on Ice in Sevilla und habe erst früh um 5 in den Nachrichten davon erfahren"). Weil sie als einst Bevorzugte auch das Positive im DDR-System betonte und dabei vor allem den Vorteil der Kinder- und Jugendsportschulen stets hervor hob.

Auch im geeinten Deutschland oder in den USA (dort spielte sie mit Robert De Niro und erlangte Starkult durch den ausverkauften Playboy mit ihr als Titelgeschichte) blieb der Ruhm. Nach der Show-Karriere - letztmals stand sie vor etwa sechs Jahren auf dem Eis - hat sie viel versucht: als Produzentin, Moderatorin, Schauspielerin, Autorin oder Kuratoriums-Vorsitzende der Münchner Olympia-Bewerbung. Nicht alles war dabei von Erfolg gekrönt.

Das Gold, das glänzt, hat Katarina Witt mittlerweile zu Hause in einem Trophäenschrank. Dort liegen die Medaillen, aber es stehen auch Pokale wie der Emmy, die Goldene Kamera, der Bambi oder die Goldene Henne in der Vitrine. "Ich laufe jeden Tag vorbei. Früher habe ich mich verweigert, auf Lorbeeren auszuruhen. Aber ich werde älter, da wird der Lorbeer wichtiger und er sorgt jetzt sogar für Stolz ", sagt die 49-Jährige, die dieses Jahr im Dezember einen runden Geburtstag hat, lächelnd.

Medaillen und Pokale im Trophäenschrank

Sonntagabend wollte sie wieder Tatort schauen, "eine Fernseh-Sendung, die ich kaum verpasse". Und Katrin Bauer wird sicherlich die drei Bücher "Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür", "Eine Traumkarriere auf dem Eis" und die Olympia-Ausgabe von 1988 zur Hand genommen haben.

Die Bücher sind seit Freitag-Nacht nicht schwerer geworden, aber für sie viel wertvoller.