Können wir so wie Petrus ein echtes „Ja“ sagen?

Wort zum Sonntag von Wigbert Scholle, Pfarrer von St. Bonifatius Gotha

Pfarrer Wigbert Scholle von der katholischen Pfarrei St. Bonifatius Gotha.

Pfarrer Wigbert Scholle von der katholischen Pfarrei St. Bonifatius Gotha.

Foto: Wieland Fischer

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Manchmal kommt es auf ein einziges Wort an. Hat man es gehört, ist alles verständlich. Hat man es überhört, versteht man gar nichts mehr. Im Evangelium, das für diesen Sonntag vorgesehen ist und versucht, uns weiter in das Ostergeheimnis zu führen, gibt es solch ein Wort. Und es heißt „Kohlenfeuer“. Für uns heute etwas ganz Normales. Doch damals war das ganz anders. Kohlen konnten sich nur die Reichen leisten.

Die Armen verwendeten getrockneten Kuh- oder Schafmist. Nur macht das die Bedeutung des Wortes „Kohlenfeuer“ schon aus? Wohl kaum. Die Unterschiede zwischen arm und reich gab es schon immer und sind leider normal. Etwas anderes macht das Wort aber interessant. Im ganzen Neuen Testament kommt es nur zwei Mal vor! Und beide Male im Johannesevangelium. Und auch da trennen sie nur wenige Kapitel.

Das erste Mal hören wir von einem Kohlenfeuer im Zusammenhang der Gefangennahme Jesu und dem anschließenden Verhör im Haus des Hohepriesters. Dort heißt es: „Die Diener und die Knechte hatten ein Kohlenfeuer angezündet und standen dabei, um sich zu wärmen. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich (Johannes 18,18).“ Und wer die Geschichte kurz nachliest, erfährt, was an diesem Feuer geschah. Petrus verleugnet an diesem Kohlenfeuer Jesus drei Mal, ehe der Hahn kräht. Das zweite Mal kommt das Wort im Evangelium dieses Sonntags (Johannes 21,1-17) vor.

Der Auferstandene begegnet seinen Jüngern am See Genezareth. Dort wartet er an einem „Kohlenfeuer“ auf die Jünger, die er nach erfolglosem Fischfang noch einmal auf den See geschickt hatte. Und was passiert hier? Jesus fragt Petrus nach seiner Liebe. Wie oft? … Drei Mal! Also da das Kohlenfeuer, an dem Petrus Jesus drei Mal verleugnet. Hier das Kohlenfeuer, an dem Jesus Petrus drei Mal nach seiner Liebe fragt. Das ist kein Zufall!

Für mich sieht es so aus, als wolle Jesus dem Petrus sagen: Ich vergebe dir, dass du mich drei Mal verleugnet hast, und ich vertraue dir meine Kirche an. Aber es geht noch um mehr.

Auch den Wortlaut der Antworten muss man genau ansehen. Petrus gerät, nachdem er zwei Mal klar und ohne nachzudenken geantwortet hat: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe“, ins Stocken. Er wird traurig. Denn jetzt ist der sprichwörtliche Groschen gefallen, dämmert es ihm, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass er Jesus drei Mal verleugnet hat. Und dann dieses neue Vertrauen, das Jesus in ihn setzt. Kein Wunder also, dass nun die Antwort etwas zögerlicher ausfällt: „Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich liebe.“

Doch diese zögerliche Antwort ist die entscheidende. Sie ist nämlich nicht mehr so unüberlegt gegeben, wie die ersten beiden Antworten. In dieser Antwort steckt jetzt die ganze Lebensgeschichte des Petrus, mit all ihren Höhe- und auch mit all ihren Tiefpunkten, bis hin zu Verleugnung. Jetzt ist das „Ja“ echt. Bleibt nur noch die Frage, bei welchem „Ja“ wir sind.

Bei den ersten beiden, die noch unüberlegt gegeben sind, oder schon bei dem dritten, das zwar zögerlich, aber echt ist. Ich wünsche ihnen einen gesegneten Sonntag.

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