Kreis Gotha: Der Mangel an Pflegepersonal verschärft sich weiter

Franziska Gräfenhan
| Lesedauer: 4 Minuten
Die angehenden Pflegekräfte (von links) Annemarie Ehmig, Julia Zimmermann und Lilly Mährle lernen im Rahmen ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft bei der Gothaer Bildungsgesellschaft (Gobi) unter anderem, wie sie einen Luftröhrenschnitt versorgt.

Die angehenden Pflegekräfte (von links) Annemarie Ehmig, Julia Zimmermann und Lilly Mährle lernen im Rahmen ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft bei der Gothaer Bildungsgesellschaft (Gobi) unter anderem, wie sie einen Luftröhrenschnitt versorgt.

Foto: Franziska Gräfenhan

Kreis Gotha.  Agentur für Arbeit Gotha zeigt Entwicklung des Arbeitsmarktes im Pflegebereich auf. So entwickelt sich der Bedarf an Fachkräften bis 2035:

Überstunden, Zusatzschichten, unterbrochene Urlaube und deutlich mehr Todesfälle. Die Pandemie hat auch im Kreis Gotha für die Mitarbeiter in der Pflegebranche außergewöhnliche Belastungen mit sich gebracht. Umso deutlicher zeigten die Entwicklungen aber auch, welchen systemerhaltenden Wert die Berufe im Gesundheits- und Sozialbereich für unsere Gesellschaft haben. Dieser wird in den kommenden weiter an Bedeutung gewinnen – ganz unabhängig von der Pandemie. Schon jetzt werden dringend Fachkräfte in dem Sektor gesucht.

„Der Mangel an Fachkräften im Gesundheitswesen ist nicht neu. Die Situation wird sich aber weiter verschärfen“, blickte Johannes Langenkamp voraus. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Gotha präsentierte am Dienstag die aktuellen Entwicklungen am Arbeitsmarkt. Langenkamp nahm bei diesem Anlass besonderen Bezug auf die Pflegebranche.

Bis 2035 fällt die Hälfte der Pflegefachkräfte im Kreis Gotha weg

„Altersbedingt werden bis 2035 mehr als die Hälfte der Mitarbeiter in der ambulanten und stationären Pflege ausscheiden“, sagte Langenkamp mit Blick auf die Ergebnisse einer regionalen Studie, die das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) 2019 veröffentlicht hatte. Demnach böten die altersbedingten Abgänge und die im Zuge des demografischen Wandels zu erwartenden neuen Bedarfe in Zukunft sehr sichere Berufsperspektiven im Pflegebereich.

Der Gesundheits- und Sozialbereich werden in Zukunft im Landkreis Gotha nach dem verarbeitenden Gewerbe zum zweitwichtigsten Sektor avancieren, so Langenkamp. Hochrechnungen zeigten, dass 2035 zwischen 1200 und 1650 zusätzliche Vollzeitkräfte in der ambulanten und stationären Pflege benötigt würden. „Es kommt nun darauf an, dass die Unternehmen der Branche sich dem anstehenden Wandel stellen und rechtzeitig mit der Ausbildung und Qualifizierung von Mitarbeitern beginnen“, so Langenkamp.

Hier böte die generalisierte Ausbildung in der Pflege eine Chance, die Beruf attraktiver zu gestalten. Dem pflichtete Kontanze Dietsch bei. Die Schulleiterin der Gothaer Bildungsgesellschaft (Gobi) mbH stellte in diesem Zusammenhang die generalisierte Ausbildung vor, die bei dem privaten Bildungsträger seit etwa einem Jahr angeboten wird. Dietsch hob hervor, dass mit Blick auf die Bewerbungen der Auszubildenden in den vergangenen Jahren ein steigendes Interesse an den Pflegeberufen zu erkennen sei. „Wir haben mittlerweile vier Klassen in der Pflegeausbildung. Noch vor einem Jahr waren es zwei und davor eine“, sagte Dietsch.

Arbeitsagentur verzeichnet leichte Zunahme der Arbeitssuchenden im Pflegebereich

Auch mit Blick auf die durch Corona deutlich erhöhten Belastungen in der Praxis, die die Ausbildung an die angehenden Fachkräfte stellte, habe die Schulleiterin keine negativen Folgen in Form einer erhöhten Zahl an Abbrüchen der Ausbildung gespürt. Vielmehr seien ihr zufolge die Wahrnehmbarkeit und die gesellschaftliche Wertschätzung des Berufes gestiegen.

Diesen Eindruck teilte Langenkamp. „Das Image der Pflegeberufe hat durch Corona nicht gelitten, sondern ist mehr denn je in den Fokus getreten“, sagte der Leiter der Agentur für Arbeit Gotha. Mit Blick auf die Berufsorientierung nach Schulabgang sei jeder fünfte bis sechste Schüler zumindest grundsätzlich an dem Gesundheitssektor interessiert – auch wenn davon letztlich nicht alle diesen Weg einschlügen. Ein Dilemma bestehe hier mit Blick auf die vergangenen zwei Jahre darin, dass durch die Corona-Pandemie keine berufsorientierenden Praktika im Pflegebereich mehr möglich seien, meinte Langenkamp.

Auch der Beschluss der Impfpflicht für Gesundheitsfachpersonal ab 15. März habe ihm zufolge kaum Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in diesem Bereich in Gotha gezeigt. „Wir spüren im Januar eine leichte Zunahme im niedrigen zweistelligen von Personen aus diesem Bereich, die sich arbeitssuchend melden. Aber es gab schon immer Stellenwechsel und Umorientierungen in dem Sektor“, sagte Langenkamp. Der Arbeitsmarktereport der Agentur für Arbeit in Gotha zeigt im Januar einen Anstieg von insgesamt 779 Arbeitslosen im Berufsbereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung. Das sind insgesamt 31 Arbeitslose mehr als noch im Dezember. Wie viele Personen genau ab 15. März von „arbeitssuchend“ in „arbeitslos“ übergingen, bleibe abzuwarten.