Kunstforum Gotha: Aquarelle mit Salz und Wodka

Gotha.  Neben Zeichnungen zeigt Elena Timtschenko im Kunstforum Aquarelle, die auf ungewöhnliche Art entstehen.

Neben Zeichnungen stellt Elena Timtschenko auch Aquarelle im Kunstforum Gotha aus. (Archiv-Foto)

Neben Zeichnungen stellt Elena Timtschenko auch Aquarelle im Kunstforum Gotha aus. (Archiv-Foto)

Foto: Bernd Seydel

Stunden, Tage, auch mal eine Woche lang sitzt Elena Timtschenko an ihren Zeichnungen – detailreiche Naturstudien, die gleichermaßen die Fragilität und die Genialität natürlicher Lebensräume einfangen. Dann muss jeder Strich sitzen – oder zumindest wie gewollt wirken. Hat sie einmal genug vom akkuraten Zeichnen, widmet sich die Künstlerin ihren Aquarellen, die nicht minder detailreich sind und doch mehr Freiheiten zulassen. Die Schau im Kunstforum gibt einen Einblick in die Welt der Kristalle.

Wo Rechtecke aufeinandertreffen und ihre Kanten in Regenbogenfarben aufblitzen erkennt das geübte Auge einen bestimmten Kristall: Wismut. Der Blick der Künstlerin verliert sich oft in dem Farbspektrum, bereits als Kind war sie von den Nuancen und Spiegelungen fasziniert – zum Leidwesen ihrer Familie. Als Kind brach sie einst die Schmucksteine aus den Ringen ihrer Großmutter. „Ich dachte, hinter den Steinen befinden sich Räume“, erinnert Timtschenko sich und wurde enttäuscht. Was sie fand war eine verspiegelte Oberfläche.

Spiritus wirkt wie Fettauf einer Leinwand

In den Aquarellen steckt nicht weniger Arbeit als in ihren Zeichnungen. Elena Timtschenko spritzt mit Farbe, kippt die Fläche, arbeitet Konturen heraus, die den Bildern eine Dreidimensionalität geben. Das tut sie so lang, bis für ihr Auge eine Harmonie entsteht.

Zu ihren Arbeitsmaterialien gehören zudem Salz und Wodka. Der Spiritus wirkt wie Fett auf einer Leinwand. Er schiebt die Farben auseinander, lässt Leerräume entstehen ohne Fettflecken zu hinterlassen. Die funkelnden Salzkristalle entziehen Feuchtigkeit, zerfallen und bilden neue Strukturen. „Manches passiert nicht mit meiner Hand, sondern von ganz allein“, sagt sie.

„Lebensräume“ von Elena Timtschenko ist noch bis 20. September dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr im Kunstforum Gotha zu sehen.