Landkreis Gotha: Samen für die Zukunft unserer Wälder

Fischbach.  Die Zapfenpflücker in der Saatgutberatungsstelle Darre Fischbach gewinnen den Samen für nächsten Generationen von Bäumen.

Diese Rüttelmaschine ist so alt wie die Darre in Fischbach. 1840 ging sie bereits in Betrieb. Sie funktioniert immer noch einwandfrei. Doch heute ist sie so ausgelegt, dass Mitarbeiter wie Maik Oertel keiner Staubbelästigung mehr ausgesetzt sind.

Diese Rüttelmaschine ist so alt wie die Darre in Fischbach. 1840 ging sie bereits in Betrieb. Sie funktioniert immer noch einwandfrei. Doch heute ist sie so ausgelegt, dass Mitarbeiter wie Maik Oertel keiner Staubbelästigung mehr ausgesetzt sind.

Foto: Klaus-Dieter Simmen

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Maik Oertel hat jede Menge Medienerfahrung. Kein Wunder, die Arbeit der Zapfenpflücker verheißt spannende Geschichten. Besonders gern erinnert er sich an den Dreh mit einem Arte-Team, wo der Kameramann mit ihm gemeinsam in den Baumwipfel kletterte. „Wir mussten eine riesige Kamera hinaufhieven. Und der Mann wollte gar nicht mehr mit Drehen aufhören. Immer entdeckte er ein neues Motiv. Der Film, der am Ende entstand, hat mir ausgesprochen gut gefallen.“

Oertel ist einer von vier Zapfenpflückern in der Saatgutberatungsstelle Darre Fischbach, die zum Forstwirtschaftlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum in Gotha (FFK) gehört. Und Zapfenpflücker stimmt nur bedingt, denn die Männer ernten auch bei Ahorn, Linde und Esche zum Beispiel am stehenden Stamm. Um an den Samen von Buchen und Wildobstsorten zu kommen, werden unter den Bäumen Netze ausgelegt und die Früchte durch vorsichtiges Schütteln gesammelt.

Insgesamt 28 Baumarten seien im Freistaat im Forstvermehrungsgutgesetz erfasst, sagt Ira Simon, die Leiterin der Fischbacher Darre. Saatgut all dieser Arten wird hier gewonnen. Hinzu kommen noch sieben seltene Baumarten, wie Bergulme, Speierling oder Elsbeere. Dabei können die Pflücker nicht nach Lust und Laune agieren. Den Zeitpunkt der Ernte bestimmt die Natur.

Flächen für die Ernte in ganz Thüringen

Wo die Pflücker in die Bäume steigen ist auch festgelegt. Über ganz Thüringen sind die Flächen verteilt, die zur Saatgutgewinnung freigegeben sind. Dementsprechend lang sind deshalb auch die Anfahrtwege der Zapfenpflücker. Dafür kenne er die besten Kantinen in ganz Thüringen, sagt Oertel, der seit 1987 im Team und dessen Vorarbeiter ist. Meist handelt es sich um Plantagen, auf denen die Bäume wachsen, die den Nachwuchs für Thüringens Wälder sichern. „Neben der Ernte obliegt den Zapfenpflückern auch die Pflege dieser Plantagen“, erklärt Ira Simon.

In vielen Unternehmen werden die Männer, die Zapfen in luftiger Höhe ernten, nach Menge entlohnt. Das sei nicht immer der Qualität zuträglich, weiß der Chefin der Darre. Ihre Leute bekommen Gehalt. „Deswegen können wir unser Credo halten, dass Qualität immer vor Quantität steht.“ Und die Güte bestimmt nicht allein das Saatgut. Ebenso wichtig ist die Verarbeitung der Darre, was von Dörren kommt.

Pflücken und umgehend verarbeiten, stellt die Mitarbeiter vor logistische Herausforderungen und bringt zwangsläufig Überstunden. Die Zapfen werden noch grün gepflückt. Bei reifen Früchten würden die Samen ausfallen. Sie enthalten viel Feuchtigkeit. Deshalb werden sie am gleichen Tag noch in der Darre ausgebreitet und die folgenden Tage zweimal täglich gewendet, damit sie nicht schimmeln.

In dieser Zeit müssen die Pflücker auch zum Wochenende ran. Nach der Trocknung gelangen sie in den Ofen, wo sie sich bei Temperaturen um 30 Grad öffnen und die Samen freigeben. Die folgende Reinigung garantiert reines Saatgut. Die meisten Samenkörner gehen von Fischbach aus direkt in die Forstbaumschule nach Breitenworbis.

„Bei der Verarbeitung wird das Saatgut streng nach Sorten und genauso streng nach Ernteregion getrennt. Selbst Douglasie aus unterschiedlichen Plantagen darf nicht miteinander vermischt werden“, erzählt Ira Simon. Deshalb werden mit leistungsfähigen Industriestaubsaugern alle Trockenplätze und Gerätschaften gründlich gereinigt, ehe Saatgut einer anderen Baumart bearbeitet wird.

Die Darre in Fischbach hat Geschichte. Johannes Noth hat sie 1840 gegründet. Eine Rüttelmaschine, die das Saatgut reinigt, stammt aus jenen Jahren und funktioniert noch hervorragend. Richard Noth ließ 1930 die Hordendarre einbauen, die immer noch in Betrieb ist. 1956 wurde der Betrieb verstaatlicht. Das Gothaer FFK übernahm ihn 2012. Seit dieser Zeit ist auch Ira Simon verantwortlich.

Waren es im vergangenen Jahr noch 12,5 Tonnen Saatgut Brutto in der Fischbacher Darre, wird es in diesem Jahr deutlich weniger sein. Zwei trockene Sommer in Folge haben die Fruchtbildung bei den Bäumen gebremst. Dennoch haben Maik Oertel, Axel Delle, Markus Trabert und Sebastian Arnold auch in diesem Jahr alle Hände voll zu tun.

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