Lütsche wird erst ab 2022 wegen Bauarbeiten komplett abgelassen

Frankenhain  Im Lütsche-Stausee bei Frankenhain sind ab 2022 Baden und Angeln nicht mehr möglich. Wegen Reparaturen an der Staumauer müssen Wasser und Fische aus dem See. Das passiert jedoch nicht zum ersten Mal.

Der Lütsche-Stausee bei Frankenhain ist auch bei den Urlaubern im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel.

Der Lütsche-Stausee bei Frankenhain ist auch bei den Urlaubern im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel.

Foto: Hans-Peter Stadermann

Dass der Lütsche-Stausee irgendwann in den nächsten Jahren abgelassen werden muss, das steht fest. Grund hierfür sind dringend notwendige Sanierungsarbeiten an der Staumauer.

Nur wann es so weit ist, dass kann man derzeit noch nicht genau sagen. „Vor 2022 wird das aber nicht passieren“, so Michael Graf, der Chef des Frankenhainer Angelvereins, dessen Mitglieder sich neben der Lütsche auch um den Bergsee „Langer Grund“ – den Vorstau der Lütsche – kümmern.

Nach den Angaben von Staumeister Jan Gleichmann läuft derzeit ein Verfahren über den Zuverlässigkeitsnachweis der Staumauer, veranlasst durch die Thüringer Fernwasserversorgung . Liegen hier die Ergebnisse vor, dann wird es auch eine Aussage geben, wann konkret die Arbeiten an der Staumauer beginnen werden und die Lütsche deshalb abgelassen wird. „Aber wie gesagt, vor dem Jahr 2022 passiert da nichts“, so Michael Graf.

Bereits 2015 war die Lütsche ohne Wasser

Mit dem Ablassen des Gewässers haben die Frankenhainer Erfahrung, denn im Jahr 2015 passierte das schon einmal. „Das ist dann für uns immer ein enormer Aufwand – sowohl finanziell als auch organisatorisch, denn das Abfischen vorher und das Unterbringen der Tiere muss ja alles von uns organisiert werden, sagen Graf und Volker und Marco Hofmann, die beide auch im Anfang des Jahres neu gewählten Vorstand sitzen. Sponsoren, die die Frankenhainer Angler da unterstützen, würden von denen quasi auf Händen getragen.

Ist es dann so weit, dann muss vorher der Fischbestand wieder entnommen werden. In der Lütsche sind das dann vorrangig die Bachforellen. Das passiert laut Graf dann durch das Elektrofischen. Das ist eine Methode, bei der elektrischer Strom zum Fang der Fische eingesetzt wird. Dabei wird mit Hilfe eines Elek-trofanggerätes ein Gleichstrom oder Impulsstrom durch das Wasser geleitet, bei sachgemäßer Anwendung schwimmen die im Stromkreis befindlichen Fische zur Anode, wo sie eingesammelt werden können.

Ist dann nur noch wenig Wasser im Stausee, versuchen die Frankenhainer die restlichen Tiere mit Netzen einzufangen. Während die Lütsche 2015 wegen der turnusmäßigen Reparaturen nur ein paar Wochen leer war, wird es diesmal – bedingt durch die Bauarbeiten – wohl wesentlich länger dauern, Graf rechnet mit mindestens sechs Monaten, also einer ganzen Angelsaison.

Während im „Langer Grund“ vor allem Gründlinge und Elritzen – beides bedrohte Fischarten – heimisch sind, kümmern sich die Frankenhainer in der Lütsche vor allem um die Bachforellen. Anfang des Jahres setze man da wieder hunderte bis zu 20 Zentimeter große Tiere aus. Wie viele Fische insgesamt im Stausee leben, „das können wir beim besten Willen nicht sagen, Fische lassen sich halt schlecht zählen“, so Graf. Aber es sind nicht nur das Aussetzen, die Pflege des Fischbestandes und das Angeln, um die sich die etwas über 50 Vereinsmitglieder kümmern.

Müll einsammeln, die Pflege der Uferbereiche, Bänke aufstellen und erhalten, Arbeiten an der Vereinshütte und natürlich auch kleine Feste mit dem mobilen Räucherofen – da kommen im Jahr locker Hunderte, wenn nicht Tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit zusammen.

Der Lange Grund könnte ein Jugendprojekt werden

Ganz wichtig ist den Frankenhainern auch die Jugendarbeit. Nachdem sie quasi am Boden lag, sind jetzt wieder etwa zehn Kinder und Jugendliche im Verein aktiv. In diesem Herbst – am 19. September – wird es einen gemeinsamen Jugendanglertag mit den Gerabergern an der Lütsche geben – mit Lagerfeuer, Übernachtung und allem, was dazugehört.

„Wir wollen die Jugendarbeit forcieren, das ist für uns – wie für jeden Verein – ganz wichtig, zumal es bei uns ja auch und vor allem um den Naturschutz geht“, so Volker Hoffmann. Da haben bereits etwa 20 Kinder und Jugendliche zugesagt. „Das ist eine tolle Sache“, freuen sich die drei. Und: Den Vorstau Langer Grund will man eventuell ganz in die Obhut der Jugend geben – mit allem Drum und Dran. „Da hätten sie eine richtige Aufgabe, die auch Spaß macht und wo sie sehen, was sie leisten“, so Hofmann.

Die Lütsche ist bei den Anglern derzeit noch eher ein Geheimtipp. Viele von ihnen würden denken, dass es nach dem Ablassen vor vier Jahren dort noch zu wenig Fische gibt. Dass dem nicht so ist liegt vor allem an den Mitgliedern des Frankenhainer Vereins.

Angelkarten für die Lütsche sind seit kurzem auch über www.angelsportverein-frankenhain . de erhältlich.

Eckdaten zur Lütsche-Talsperre:

Die Talsperre wurde in den Jahren zwischen 1935 und 1938 von der Reichsbahn für ungefähr vier Millionen Reichsmark erbaut.

Die Staumauer hat ein Bauwerksvolumen von 35.000 Kubikmeter, an der Krone ist sie 3,80 Meter breit.

Ist sie voller Wasser, sind etwa 14 Hektar Landfläche von Wasser bedeckt, derzeit sind es etwa zehn bis elf Hektar.

Der Speicherraum ist auf 1,07 Millionen Kubikmeter Wasser ausgelegt.

Bereits im Oktober 2015 wurde die Lütsche einmal abgelassen. Damals begann man nach den Reparaturen Mitte Dezember wieder mit dem Anstauen.

Die Lütsche liegt am Nordhang des Thüringer Waldes, etwa 20 Kilometer südwestlich von Arnstadt und 35 Kilometer südwestlich von Erfurt.

Zu den Kommentaren