Marianne Brandt hat in Gotha auch unter Tage Spuren hinterlassen

Gotha  100 Jahre Bauhaus: Der verfallene Kinosaal im Keller des einstigen THELG-Gebäudes entpuppt sich als Schatzkammer der Klassischen Moderne.

Im Keller des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der THELG in Gotha schlummern Schätze aus Zeiten des Bauhauses. Mit dem Kinosaal im heutigen Zustand befasst sich ein Jugendprojekt, um ihm vielleicht eines Tages die Eleganz von einst wiedergeben zu können. ­

Im Keller des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der THELG in Gotha schlummern Schätze aus Zeiten des Bauhauses. Mit dem Kinosaal im heutigen Zustand befasst sich ein Jugendprojekt, um ihm vielleicht eines Tages die Eleganz von einst wiedergeben zu können. ­

Foto: Franziska Gräfenhan

Kabel hängen lose von der Decke, die Tapete bröckelt, der rote Fußboden ist von Feuchtigkeit zerfressen. Der Raum im Keller des Gebäudes des GFU-Instituts für Berufliche Bildung in Gotha ist in miserablem Zustand. Dennoch geht ein gewisser Glanz von den abgerundeten Wänden, den Stahltüren und dem Fries aus, das immer noch den oberen Rand des Raumes ziert. Dieser Eindruck trügt nicht, denn es handelt sich bei dem einstigen Kino um ein architektonisches Kleinod, das älteren Gothaern noch als „der rote Saal“ bekannt sein dürfte.

Seit Jahren verfällt der Raum jedoch, der einst zum Verwaltungsgebäude der Thüringer Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft AG (THELG) gehörte und in dem sich bis heute originale Zeugnisse des Bauhauses finden. Im Rahmen eines Jugendprojektes soll die Ruine nun zu neuem Leben erweckt werden.

„Das Kino gehörte von Beginn an zu dem Gebäude. Es ist Teil des Fundamentes, das um 1934/35 gebaut wurde“, berichtet Klaus Blechschmidt. Der Industrieformgestalter befasst sich im Rahmen einer geplanten Ausstellung mit den Spuren der Klassischen Moderne in Gotha. Auf den „roten Saal“ stieß er dabei fast zufällig beim Tag der offenen Tür der GFU im Frühjahr dieses Jahres.

Vergessene Preziosen des Industriedesigns

„Man hat sich im gesamten Gebäude vielen Elementen dieser Stilepoche bedient. Auch einige originalen Produkte des Bauhauses wurden hier gefunden“, zeigt sich der Design-Liebhaber begeistert. Neben Türgriffen, die im Design von Architekt und Bauhaus-Gründer Walter Gropius gehalten sind, tauchten so auch überraschend Lampen der Firma Kandem aus Leipzig auf. Die wurden die unter anderem von der Künstlerin Marianne Brandt während ihrer Zeit am Bauhaus in Dessau gestaltet. „Die kostbaren Lampen haben wir in den Vitrinen im Kinosaal gefunden. Sie sind nun sicher verwahrt“, schildert Blechschmidt den überraschenden Fund.

Dass nicht nur die Architektur, sondern auch die Ausstattung des Kinosaals viele originale Elemente der Klassischen Moderne aufweist, sei dabei nicht verwunderlich, meint der Gestalter. „Das Kino diente ursprünglich als Vorführungsraum für moderne Haustechnik, von der Beleuchtung bis zum Küchengerät“, weiß Blechschmidt und holt ein paar alte Fotografien hervor, die den „roten Saal“ in seinem ursprünglichen Zustand zeigen. Leider sei der einstige Glanz über die Jahre verloren gegangen, auch weil der Kinosaal lange Zeit nicht mehr genutzt wurde.

„Mit der Sanierung des Bahnhofvorplatzes wurde die Isolierung im Keller beschädigt, und Wasser ist in das Gebäude eingedrungen“, erinnert sich Jens Kutzner, Projektmitarbeiter der GFU. Seit das Institut für berufliche Bildung das Gebäude 2006 bezogen habe, hätte der Kinosaal unter Wasser gestanden. „Erst nach 2016 hat die GFU das Gebäude gekauft und trockengelegt“, sagt Kutzner. Seit Herbst vergangenen Jahres sucht er mit Jugendlichen aus Gotha in der Jugendwerkstatt „Macht stark!“ Möglichkeiten, den Raum zu nutzen und zu gestalten. „Momentan überlegen wir zum Beispiel, was wir mit der Decke machen könnten“, verrät der Projektmitarbeiter.

Immer wieder stünden die Jugendlichen vor der Herausforderung, Sponsoren zu finden, die sie bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützen. „Wir haben auch schon Kontakt zu vielen anderen Vereinen aufgenommen und werden demnächst einen Graffiti-Workshop machen“, meint Kutzner. Oberstes Ziel all dieser Aktivitäten sei es, in dem „roten Saal“ eine Bühne entstehen zu lassen, auf der in Zukunft Theater und Kleinkunst gezeigt werden kann.

„Ob der Raum aber jemals komplett wiederhergestellt wird, ist fraglich“, sagt Kutzner mit Blick auf die einstige Gestaltung, die durch die Fotografien gut dokumentiert ist. Es werde jedoch angestrebt, den Raum auf lange Sicht wieder einem breiteren Publikum zu öffnen.

Die Spuren des Verfalls in dem ehemaligen Kino können bisher nicht vor Ort betrachtet werden, denn der „rote Saal“ ist nicht öffentlich zugänglich. Gelegenheit zur Spurensuche ergibt sich für Freunde des Bauhauses und der Klassischen Moderne bisher nur zum Tag der offenen Tür der GFU.

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