Massive Sturmschäden im Ohrdrufer Stadtwald

Ohrdruf.  Die Forstmitarbeiter müssen zügig viele umgestürzte Bäume beseitigen, um dem Borkenkäfer vorzubeugen.

Nils Ortlepp, ein Forstarbeiter der Stadt Ohrdruf, entastet und zerteilt am Dienstag einen vom Sturm entwurzelten Baum im Wald oberhalb von Luisenthal im Stadtwaldrevier von Ohrdruf.

Nils Ortlepp, ein Forstarbeiter der Stadt Ohrdruf, entastet und zerteilt am Dienstag einen vom Sturm entwurzelten Baum im Wald oberhalb von Luisenthal im Stadtwaldrevier von Ohrdruf.

Foto: Claudia Klinger

Sven Bock macht sich Sorgen um sein Revier, den Stadtwald Ohrdruf. Denn das Sturmtief „Sabine“ hat mit orkanartigen Böen tüchtig gewütet in den Wäldern rund um Ohrdruf, Luisenthal, Gräfenhain, Crawinkel und Wölfis, die alle zum Gebiet des Revierförsters gehören. „Die Schäden werden erst jetzt so richtig deutlich und sie sind massiv“, sagt Sven Bock am Dienstag.

Fichten aus dem aufgeweichten Boden gerissen

Er geht im etwa 1500 Hektar umfassenden Stadtwald nach ersten Schätzungen von 2500 bis 3000 Festmetern betroffenem Holz aus. „Das ist nur etwas weniger als beim Orkan Kyrill“, macht er deutlich. „Damals hatten wir allerdings mehr Brüche und die kompakt auf größeren Flächen.“ Sabine habe für mehr Würfe gesorgt, das heißt, die Fichten als Flachwurzler sind vom Sturm samt des Wurzeltellers aus dem aufgeweichten Boden gerissen worden – und das quer durch den Stadtwald.

„Pro Gebiet sind es zwischen zehn und 30 Bäume“, so Bock. „Und das bedeutet, dass die Beseitigung sehr aufwändig und teuer wird.“ Aber er müsse mit seinen beiden städtischen Mitarbeitern Nils Ortlepp und Tobias Weißensee diese Bäume schnell aus dem Wald holen. „Sonst bieten wir dem Borkenkäfer beste Bedingungen und das bereitet mir Bauchschmerzen.“

Wege für Rettungsfahrzeuge frei räumen

Montagfrüh um 4 Uhr hatte sich der Revierförster das erste Mal in den Wald gewagt, um die Lage zu erkunden. „Zuerst ging es darum, Wege freizuräumen, die zu bewohnten Häusern und dem Hotel Berghof führen. Denn wir müssen dafür sorgen, dass im Notfall Rettungsfahrzeuge durchkommen“, so Bock. Zweite Priorität hätten die Trinkwasseranlagen und -quellen im Wald. Auch diese Zufahrten wurden noch am Montag von umgestürzten Bäumen befreit.

Inzwischen haben Sven Bock und seine Mitarbeiter begonnen, erste Bäume für den Abtransport vorzubereiten, allerdings nur in den unteren Lagen. Oben ist es noch zu stürmisch. „Zunächst trenne ich mit der Motorsäge den Stamm vom Wurzelteller. Dann entaste ich den Baum und schneide ihn gleich in Stücke nach einem Standardmaß oder ich zeichne es an, falls der Stamm erst gerückt werden muss“, schildert Nils Ortlepp aus Luisenthal den Arbeitsablauf.

Stämme liegen kreuz und quer – wie beim Mikadospiel

Gerade, weil die umgestürzten Bäume jetzt so vereinzelt liegen, bedeutet das viel Handarbeit. „Nils Ortlepp und Tobias Weißensee machen das gut. Das ist schwere Arbeit den ganzen Tag bei Wind und Wetter, trotz aller Technik – und auch nicht ungefährlich“, betont Sven Bock, der seit 1994 Revierförster in Ohrdruf ist. Mit weiteren Helfern, die nötig sind, hofft er, die von Sabine verursachten Schäden bis April beseitigen zu können. „Das müssen wir schaffen, ehe es warm wird und der Borkenkäfer zu brüten beginnt.“ Denn durch die letzten beiden trockenen Jahre habe der Wald ohnehin schon gelitten.

Sorgen bereiten ihm dabei auch die Schäden an den oft sehr steilen Hanglagen. Er zeigt auf Stämme, die wie beim Mikado kreuz und quer in Luisenthal oberhalb der B 247 liegen, an der auch Häuser stehen. „Da gibt es keinen Weg, um mit großer Technik ranzufahren. Das wird eine Herausforderung“, weiß der Förster.

Er warnt zudem ausdrücklich davor, in den nächsten Tagen den Wald zu betreten, ehe sich der Sturm endgültig beruhigt hat. „Viele Bäume sind zwar nicht umgestürzt, aber einige stehen bereits schief. Auch Äste können sich noch lösen. Diese Gefahr darf nicht unterschätzt werden.“