Mauern im Grund des Gothaer Hauptmarkts

Gotha.  Der Beginn der Sanierungs- und Neugestaltungsarbeiten brachte auf dem unteren Hauptmarkt in Gotha Zeugnisse früher Stadtgeschichte zu Tage.

Der Gothaer Jens Geutebrück mit einem historischen Plan am unteren Hauptmarkt. Im Hintergrund sind Teile des Leinakanals abgedeckt.

Der Gothaer Jens Geutebrück mit einem historischen Plan am unteren Hauptmarkt. Im Hintergrund sind Teile des Leinakanals abgedeckt.

Foto: Peter Riecke

Schon einmal wurde auf dem Gothaer unteren Hauptmarkt nach Zeugnissen aus der Entstehungsgeschichte der Stadt gegraben. Zwischen Marktstraße, Nordwestseite des historischen Rathauses und einer Krankenkasse suchten Archäologen 2018 nach Überresten der Jakobskapelle, die laut Überlieferung nahe dem Rathaus gestanden haben soll. Damit sollten noch vor Beginn der Bauarbeiten steinerne Zeitzeugen gesichert werden. Reste der Jakobskapelle fand man damals nicht, aber hölzerne Wasserleitungen, den Vorgängerverlauf des Leinakanals und anderes Material, das weiteren Forschungen nützlich sein kann, sagt Karin Sczech, die wissenschaftliche Grabungsleiterin vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, die auch diese Baustelle betreut. Es seien die ältesten Funde aus dem 12. und 13. Jahrhundert.

Doch nun, mit dem Beginn der eigentlichen Arbeiten zur Sanierung und Umgestaltung des Gothaer Hauptmarktes, sind die Archäologen fündig geworden. Der sehr an der Stadtgeschichte interessierte Gothaer Jens Geutebrück merkt an, er habe bereits vor zwei Jahren den möglichen Standort etwas weiter östlich angenommen. Er listet eine Vielzahl schriftlicher Quellen dazu auf und hat auch dem Landesamt und Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) davon in Kenntnis gesetzt. Alte Beschreibungen gehen davon aus, dass zunächst ein massiver Turm gebaut wurde, auf den sogar Kanonen gebracht wurden, um die Stadt gegebenenfalls zu verteidigen. Später bot die Stadtmauer Schutz. Die Jakobskapelle sei an den Turm angebaut worden. Geutebrück vermutet dessen Alter um tausend Jahre, da laut seinen Quellen überliefert ist, Turm und Jakobskapelle sind noch vor der Margarethenkirche entstanden.

Karin Sczech sieht die Grabung noch am Anfang. Es sei zur Zeit noch eine Hypothese, der komplette Grundriss fehle noch und es sei auch nicht sicher, ob es den Archäologen gelingt, ihn vollständig nachzuweisen. Die Ostwand sei durch die jüngere Führung des Leinakanals zerstört, die Südwand durchbrochen, die Nordseite fehle, der Abschluss der Westseite ebenfalls. Nach weiteren Freilegungen könnten die Archäologen mehr Sicherheit haben und würden in den nächsten Wochen an die Öffentlichkeit gehen, verspricht Sczech. Unter www.hauptmarkt-offen.de werde im Internet dann auch über die Grabungen informiert. Wichtig sei, dass niemand außer den Forschern das Grabungsareal betritt.

Knut Kreuch schließt nicht aus, die Gestaltung am unteren Hauptmarkt so zu verändern, dass an die älteste bürgerliche Geschichte der Stadt erinnert werden könnte.