Musikalische Einblicke in die russische Seele in Gotha

Gotha.  Die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach spielt Werke von Rimski-Korsakow, Tschaikowski und Strawinski.

Konstantinos Destounis (vorne links) war der Solist des Sinfoniekonzerts A5 der Thüringen-Philharmonie. Er spielte Tschaikowskis Klavierkonzert Nr. 1 in b-Moll.

Konstantinos Destounis (vorne links) war der Solist des Sinfoniekonzerts A5 der Thüringen-Philharmonie. Er spielte Tschaikowskis Klavierkonzert Nr. 1 in b-Moll.

Foto: Dieter Albrecht

Ihr Konzert A5 hatte die Thüringen-Philharmonie der „Russischen Seele“ gewidmet. Unter der Leitung von Russell Harris erklang zu Beginn Nikolai Rimski-Korsakows Ouvertüre op. 28 über russische Themen: Ein sanfter, lichtvoller Beginn, später russische Volksweisen, unter anderem auch ein Thema, das mit seinem strengen Ernst an orthodoxe Gesänge erinnert, aber auch rustikale Tanzrhythmen – ein passender Einstieg ins Konzert.

Im Mittelpunkt des Abends stand Tschaikowskis beliebtes Klavierkonzert Nr. b-Moll op. 23: pathetische Gesten, anmutig perlende Akkordbrechungen, wehmütig-introvertiertes Innehalten, halsbrecherische Oktavläufe, aber eben auch unverkennbar russische Intonationen, besonders im Finalsatz. Man versteht, dass Solisten einst dieses Opus für unspielbar hielten.

Vermeintlich unspielbares Opus zu Gehör gebracht

Der Grieche Konstantinos Destounis (29) entpuppte sich als ein Virtuose, der seine überragenden spieltechnischen Fähigkeiten konsequent in den Dienst der emotionalen Aussage stellte. Die Zuhörer quittierten das mit Jubeln und Trampeln. Destounis ließ sich nicht lange bitten und gewährte dem Publikum zwei Zugaben. Zuerst das „Precipitato“ (übereilt, überstürzt) aus Prokofjews Klaviersonate Nr. 7 von 1942. Mit seinem unmenschlichen Rattern im widerspenstigen 7/8-Takt an der Grenze des Spielbaren ist dieser Satz ein typisches Beispiel für die damalige Mode der technikbegeisterten „Maschinenmusik“. Darauf folgte das berühmte „Feux d‘artifice“ (Feuerwerk) aus Debussys „Préludes“.

Nach der Pause verabschiedete das Orchester in bewegenden Worten Emil Dalateanu, den stellvertretenden Stimmführer der 2. Violinen, nach 35 Jahren Orchestermitgliedschaft.

Anschließend erklang Igors Strawinkis „Petruschka“ in der Fassung von 1947 für Orchester und Klavier. Präzise musiziert, klanglich herrlich durchsichtig, führt das farbenreiche, oft bitonal und polyrhythmisch strukturierte Meisterwerk in ausdrucksstarke, exotisch wirkende Klangwelten. Trotz mancher im Verständnis des „Normalhörers“ klanglichen Fremdartigkeit geriet die Interpretation zu einem berührenden emotionalen Erlebnis.