Schnepfenthal feiert: Gedenken zum 260. Geburtstag von GutsMuths

Schnepfenthal  Schnepfenthal feiert den Begründer der Körpererziehung und das zehnjährige Bestehen der Gedächtnishalle.

Sportler aus dem Turn- und Gymnastikverein Waltershausen haben die originale Zöglingskleidung angelegt und führen von Johann Christoph Friedrich GutsMuths kreierte Übungen — hier den „Fußkuss“ — auf dem Schwebebalken aus. Matthias Cramer hat sich als GutsMuths gewandet und leitet die Vorführungen an.

Sportler aus dem Turn- und Gymnastikverein Waltershausen haben die originale Zöglingskleidung angelegt und führen von Johann Christoph Friedrich GutsMuths kreierte Übungen — hier den „Fußkuss“ — auf dem Schwebebalken aus. Matthias Cramer hat sich als GutsMuths gewandet und leitet die Vorführungen an.

Foto: Peter Riecke

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Ein doppeltes Jubiläum wurde am Freitagabend in und an der GutsMuths-Gedächtnisturnhalle am Leinaer Weg im Waltershäuser Ortsteil Schnepfenthal-Rödichen begangen. Der Begründer der Körpererziehung in Deutschland, eng verbunden mit der Salzmannschule, dem heutigen Sprachgymnasium, wäre am 9. August 260 Jahre alt geworden. Zugleich begeht die GutsMuths-Gedächtnisturnhalle das zehnjährige Jubiläum ihrer Reaktivierung als Ort für das Sporttreiben und als Ausstellungs- wie Versammlungsort.

Kamen Pawlow, seit Jahren engagierter Mitarbeiter der Stadtverwaltung Waltershausen für das kulturelle Angebot, freute sich zur Besichtigung von gleich zwei Ausstellung einladen zu können. Ihre Titel lauten „Schnepfenthals Persönlichkeiten“ und „Kunst — Schenkungen +Ankäufe, Sammlung Gegenwartskunst der GutsMuths-Gedächtnishalle“. Unter letzterem sind neben Gemälden und Fotografieren auch eine Anzahl von Modellen Schnepfenthaler Gebäude, die Dieter Heyn aus Schnepfen­thal aus naturbelassenem einheimischen Laubholz geschaffen hat und der Sammlung schenkt.

Doch zuvor suchten die Teilnehmer der Ehrung das Grab Johann Christoph Friedrich GutsMuths im nahen Waldfriedhof nordwestlich des Weges „Auf der Heide“ auf. An dieser Begräbnisstätte, in der auch Schulgründer und Lehrer der Salzmannschule ruht, wurden Kränze und Blumengebinde niedergelegt. Dazu kamen Vertreter der Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) GutsMuths 1860 Quedlinburg, dem Geburtsort Johann Christoph Friedrichs, als auch Bürgermeister und Ortsteilbürgermeister, Mitglieder weiterer Sportvereine und Einwohner der Region. Auch Innenminister Georg Maier (SPD) legte ein Blumengebinde nieder, in diesem Fall als Einwohner des nahen Friedrichroda, der er inzwischen ist. Die Hermannsteiner Musikanten spielten Stücke zu Ehren des Jubilars. Frank Lindner, GutsMuths-Kenner und Buchautor zum Thema, hielt einen kurzen Vortrag. Die schlichte Grabstätte, erst vor kurzem mit Mitteln der Thüringer Landesregierung restauriert, sei den Zeitverhältnissen geschuldet, erörterte er. Das neben Adligen auch bürgerliche Gelehrte Denkmäler erhielten, sei erst im Kommen gewesen.

Ein Denkmal entstand schließlich im Geburtsort Quedlinburg. Lindner würdigte GutsMuths unter anderem als Haupt des ersten Turn- und Sportplatzes in Deutschland, als Verfasser des ersten Turnbuches der modernen Welt, als Begründer neuer Sportgeräte- und Disziplinen, als Reformer des Geografieunterrichts sowie als Vordenker moderner olympischer Spiele .

Dem Gedenken am Grab folgte die Vorführung der Sportler aus dem Turn- und Gymnastikverein Waltershausen an den Geräten auf dem Zöglingsweg, später Vorträge von Klaus Anschütz zur Geschichte der Halle und Dieter Gutsmuths zur Ahnengeschichte und eine Filmvorführung.

In der Gedächtnishalle enthüllten Maier und die Kunst­historikerin Ute Däberitz ein Gemälde, ungefähr um 1835 datiert, das GutsMuths im Porträt zeigt. Mit Hilfe eines Eigenanteils von 200 Euro und Lottomitteln in Höhe von 900 Euro konnte es durch den Freundeskreis Salzmannschule ersteigert werden. Es soll später im kleinen Museum der Salzmannschule gezeigt werden. Doch zuvor will der Freundeskreis eine Restaurierung stemmen, denn das Gemälde ist verdunkelt und verschmutzt und wurde vor langer Zeit schon einmal unsachgemäß bearbeitet. Die Restaurierung wird mit 5000 bis 6000 Euro veranschlagt. Eine Spendenbox wurde aufgestellt und füllte sich mit Scheinen.

Informationen zum Gemälde unter freundeskreis-salzmannschule.de

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