Schüler in Molschleben haben Corona und Digitalpakt ein Schnippchen geschlagen

Molschleben.  Sechstklässler der Regelschule Molschleben beteiligen sich mit einer DVD am bundesweiten Vorlesetag.

Der Vorlesewettbewerb beschäftigt Schulleiterin und Deutschlehrerin Elke Hüls und aus der 6b Henry John, Max Sommerfeld, Corry Feistkron, Leoni Sternal, Samantha Grummt, Hanna Möncher (hintere Reihe von links) sowie Kimberly Ritter, Elly Hübner, Soey Gaudig, Noah Schulz, Bastian Urban und Justin Preußler (vorn von links).

Der Vorlesewettbewerb beschäftigt Schulleiterin und Deutschlehrerin Elke Hüls und aus der 6b Henry John, Max Sommerfeld, Corry Feistkron, Leoni Sternal, Samantha Grummt, Hanna Möncher (hintere Reihe von links) sowie Kimberly Ritter, Elly Hübner, Soey Gaudig, Noah Schulz, Bastian Urban und Justin Preußler (vorn von links).

Foto: Nancy Behrend

Diesen Freitag hätte sich Prominenz aus Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben in Schulen die Klinken in die Hand gegeben. Mit Büchern unterm Arm wären sie gekommen, um vorzulesen, ebenso Gymnasiasten und Regelschüler in Grundschulen oder Kindergärten. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Corona macht dem bundesweiten Vorlesetag in der bewährten Form einen Strich durch die Rechnung. Ganz fällt die Vorleseaktion aber nicht aus. Statt mit körperlicher Präsenz in Aula, Klassen- oder Gruppenraum findet sie digital statt. Das ist gar nicht so einfach, wenn die Digitalisierung in Schulen noch in den Kinderschuhen steckt.

Sechstklässler der Regelschule Molschleben haben mit ihrer Deutschlehrerin und Schulleiterin Elke Hüls dennoch einen Dreh gefunden, mit Abstand. Sie haben dazu eine DVD erstellt. Elke Hüls, bis zu Beginn des vergangenen Schuljahres Lehrerin der Michaelisschule Ohrdruf, beteiligt sich seit Jahren mit ihren Schützlingen am Vorlesetag. Auch in Molschleben ist der gelebte Tradition.

Selbst Leseschwache tragen Texte vor Publikum vor

Dieses Jahr hatte die Schule An der Nesse deswegen wieder Kontakt zum Kindergarten Molschleben und der Immertal-Grundschule Friemar aufgenommen. In zwei Gruppen wollte die Klasse 6B vorlesen. „Jim Knopf auf dem Dach der Welt“ von Michael Ende und Charlotte Lyne (Autoren) und Mathias Weber (Illustrator) hatten die Schüler dazu ausgewählt, inklusive Verfilmung, um die Geschichte und das Lesen jüngeren Kindern nahezubringen. Die Sechstklässler begannen das Vorlesen zu üben. Sogar eine Lokomotive sollte gebaut werden, Max Sommerfeld und Henry John wagten sich an „Emma“ heran. Dann kam Corona.

„Wir haben trotzdem weitergearbeitet“, sagt Elke Hüls. Der Vorlesetag eröffne den Schülern Kontakt zu anderen Kindern und Einrichtungen. Selbst Leseschwache seien motiviert, vor Publikum Texte vorzutragen. Das müsse kein Perfektionismus sein. Zudem werde das Vorlesen immer mit Liedern und Spielen umrahmt.

Aber was tun, wenn das alles im Präsenzauftritt nicht möglich ist? Zumal die Regelschule Molschleben nach wie vor digital eingeschränkt ist, die Webseite des bundesweiten Vorlesetags nicht nutzen kann. So haben Elke Hüls und ihre Schüler alles mit Kamera aufgenommen und auf DVD festgehalten. „Wenn wir schon vom digitalen Schulpaket reden“, so Schulleiterin Hüls, „würden wir uns wünschen, dass wir wirklich auch die Technik bekommen, um es zu öffnen und umzusetzen.“ Sie fügt hinzu: „Je eher, desto besser.“ Unabhängig von Corona sei es heute wichtig, Kinder damit auch arbeiten zu lassen.

Präsenzunterricht mit Hygieneauflagen

Momentan praktiziert die Regelschule Molschleben Präsenzunterricht mit Hygieneauflagen, Mund-Nasen-Bedeckung und häufiges Lüften. Die Schüler seien wärmer angezogen. Zum Glück halte sich noch alles in Grenzen. „Es herrschen keine Minusgrade“, sagt Elke Hüls. „Wir wären aber auch auf Homeoffice vorbereitet.“ Dann werde die Thüringer Schul-Cloud, zum Umsetzen digitaler Lernprozesse genutzt. Unterricht an Ort und Stelle sei aber allemal besser, findet sie.

Die Schulleiterin kommt ins Schwärmen, wenn sie an die Technik denkt, die es etwa in der Landesmedienanstalt gibt. Sie wünsche sich „eine gewisse Grundausstattung“ für Schulen. Sie freut sich dennoch, dass trotz aller Unzulänglichkeiten eine DVD entstanden ist, die es den Mädchen und Jungen des Kindergartens Molschleben und der Grundschülern in Friemar ermögliche, sich anzuhören, was die Sechstklässler vorlesen.

Wenn die Technik noch besser gewesen wäre, wären sie auch noch deutlicher zu verstehen gewesen, sagt Elke Hüls. Von Live-Auftritten ganz zu schweigen.