Schweigender Belastungszeuge vor dem Amtsgericht Gotha

Gotha.  Gerichtsbericht: Ein Angeklagter bestreitet energisch, jemals in Gotha mit Drogen gehandelt zu haben.

Neben Haschisch spielte in einem Prozess am Amtsgericht Gotha auch Crystal Meth eine Rolle.

Neben Haschisch spielte in einem Prozess am Amtsgericht Gotha auch Crystal Meth eine Rolle.

Foto: Marco Schmidt / Symbolbild

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Die Anklage gegen den 34-jährigen Tunesier wiegt schwer. Er soll, so wirft ihm die Staatsanwältin vor, Haschisch in solchen Mengen gehandelt haben, dass er überwiegend seinen Lebensunterhalt davon bestreiten konnte.

Angeklagter und Belastungszeuge sind Freunde

Die Anklage stützt sich auf die Aussage eines Gleichaltrigen, der mittlerweile selbst zu einer Haftstrafe verurteilt und gegenwärtig wegen seiner Drogensucht per Gerichtsbeschluss in einer Entziehungsanstalt untergebracht ist. Der Angeklagte allerdings bestreitet die insgesamt fünf Taten. Er habe, sagt er, niemals mit Drogen gehandelt und selbst überhaupt kein Drogenproblem.

Weiterhin schildert er, dass ihn mit dem Belastungszeugen jahrelang eine enge Freundschaft verband, die auch dessen Eltern und den Bruder betraf. Das sei seine Familie gewesen und er war stets bei Feierlichkeiten eingeladen.

Eigenen Bruder des Drogenhandels bezichtigt

Richterin Ulrike Borowiak-Soika will vom 34-Jährigen wissen, weshalb der ehemalige Freund ihn beschuldigt hat. Darauf weiß der Mann keine Antwort. Das, so sagt er, bereite ihm Kopfzerbrechen, seit er davon weiß. Aus der Entziehungsanstalt vorgeführt, will der Zeuge keine Aussage machen, weil er sich damit selbst belasten würde. Stattdessen erzählt er, wie er mit seinen Angaben zur Sache seine Familie zerstört hat.

Neben dem Freund bezichtigte er auch den eigenen Bruder des Drogenhandels. Daraufhin hätten dieser und die Mutter den Kontakt zu ihm abgebrochen. Die Freundin habe mit ihm Schluss gemacht, das gemeinsame Kind bekomme er nicht zu sehen. All das, macht er deutlich, belaste ihn sehr. Auch deshalb wolle er keine Aussage machen, er müsse endlich zur Ruhe kommen.

Verhandlung wird wegen Ungereimtheiten fortgesetzt

Die Richterin will den Zeugen noch nicht entlassen, aber vor der weiteren Befragung den Bruder hören. Deshalb muss er den Verhandlungssaal erneut verlassen. Der Bruder ist schon einmal wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt worden. Damals hat ihn eine Polizeistreife mit zwei Kilogramm Haschisch erwischt. Doch es stellt sich heraus, dass diese Tat, für die er seine Strafe längst verbüßt hat, nichts mit der Aussage seines Bruders zu tun hat. Wegen dieser gab es eine Hausdurchsuchung, bei der allerdings keine Drogen gefunden wurden.

Auf Nachfrage der Richterin erklärt der Zeuge, dass die Anklage gegen ihn fallengelassen worden sei. Grund dafür war unter anderem die Menge an Crystal Meth, die er angeblich in seinem Besitz hatte. Die Rede war von rund zwei Kilogramm. Dies erschien der Ermittlungsbehörde unrealistisch. Die Staatsanwältin will wissen, ob er vom Angeklagten jemals Drogen gekauft hat. Das verneint der Zeuge. Auf Befragen der Richterin bestätigt er, diesen gut zu kennen. Sein Bruder habe ihn in die Familie eingeführt. Dass der Mann Probleme mit Drogen haben könnte, sei ihm nie aufgefallen.

Ein dritter Zeuge hätte vielleicht bei der Wahrheitsfindung helfen können, doch der war der Verhandlung am Amtsgericht Gotha fern geblieben. Nicht nur deshalb beraumt Richterin Ulrike Borowiak-Soika einen Fortsetzungstermin an. Das Schöffengericht will auch den Strafantrag unter die Lupe nehmen, der seinerzeit zur Anklage gegen den Bruder des Belastungszeugen geführt hat. Der Angeklagte, der mittlerweile in Berlin lebt, wird also erneut die Anreise nach Gotha auf sich nehmen müssen.

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