Tierpark-Serie: Als ein Wolf nach Gotha spazierte

Gotha.  Was tun, wenn ein Leopard ausbricht? Das weiß Roland Walther, der den Tierpark Gotha 40 Jahre lang geleitet hat.

Roland Walther war bis 2017 fast 40 Jahre lang Leiter des Tierpark Gotha (Archiv-Bild).

Roland Walther war bis 2017 fast 40 Jahre lang Leiter des Tierpark Gotha (Archiv-Bild).

Foto: Lutz Ebhardt

Roland Walther war bis 2017 Leiter des Tierpark Gotha – 40 Jahre Arbeit, die sein ganzes Leben beeinflusst haben, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Dass die Besucherzahlen unter seiner Leitung stiegen, führt er auf die verbesserte Haltung zurück.

Sie sind vor drei Jahren in den Ruhestand gegangen. Vermissen Sie die Arbeit im Tierpark?

So direkt gefragt, nicht. Für mich ist das Kapitel abgeschlossen, jetzt sind andere an der Reihe. Ich gehe trotzdem noch gern hin wenn ich gebraucht werde.

In welchem Zustand war der Tierpark, als Sie nach Gotha kamen?

Der damalige Zustand des Tierparks war nicht sehr befriedigend, doch es hat mich gereizt, die Sache in die Hand zu nehmen. Tierhaltung ist immer abhängig von der jeweiligen Zeit. In den Sechzigerjahren hat man zum Beispiel geglaubt, dass ein Affenkäfig gefliest sein muss, wie unsere gute Küche. Die Vorstellungen von Tierhaltung ändert sich mit den Erkenntnissen, die man über die Jahre dazugewinnt. Nach und nach wurden im Tierpark Gotha Aspekte verbessert. Und die über die Jahre steigenden Besucherzahlen haben mir damit Recht gegeben.

Gibt es Tiere, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

Ich hatte nie ein Lieblingstier. Das wollte ich mir gar nicht erst angewöhnen, weil ich für alle gleichermaßen verantwortlich war. Doch man behält Vorkommnisse im Gedächtnis, wie der Ausbruch eines Leoparden. Auch die Wölfe sind mal entwischt.

Was macht man, wenn ein Raubtier ausbricht?

Für solche Fälle gibt es einen Alarmplan. In diesem Moment sollte jeder genau wissen, was er zu tun hat. Doch „ausbrechen“ ist dabei nicht das richtige Wort. Es kann passieren, dass ein Tier nach draußen gelangt, etwa weil ein Baumstamm auf das Gehege fällt. Dann gilt es, Ruhe zu bewahren. Meistens bewegen sie sich nicht weit weg von ihrer gewohnten Umgebung. Handelt man ruhig und besonnen, gelingt es meistens schnell, sie wieder zurück zu bringen. Gefährlich wird es, wenn das Tier schon weit außerhalb des Parks ist. Dann arbeiten wir mit Polizei und Feuerwehr zusammen.

Ist es in Gotha schon einmal soweit gekommen?

Ja, ein Wolf ist damals bis in die Stadt hinein gelaufen. Der Leopard war einige Tage draußen und wurde schließlich am Seeberg mit dem Betäubungsgewehr eingefangen.

Zuletzt gab es Kritik vom Bärenpark in Worbis, dass die Bärenhaltung in Gotha nicht artgerecht ist. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Grundsätzlich habe ich ein Problem mit dem Begriff „artgerecht“. Das kann man nicht klar definieren. Eigentlich gehört kein Tier in den Zoo. Wesentlich schöner wäre es natürlich, wenn man alle Arten in freier Natur erhalten könnte. Doch dort sterben sie aus. Zoos sollen das Interesse an diesen Tieren wecken. Das ist die eigentliche Berechtigung, die ein Zoo hat. Der Aspekt Freizeitgestaltung sollte hintanstehen. Welche Tiere in Zoos leben sollen, muss jeder Zoodirektor mit sich selbst ausmachen. Tierhaltung in Zoos völlig zu verbieten, halte ich für falsch.

Sie haben den Tierpark im Ruhestand gegen einen Bauernhof in Tröchtelborn getauscht. Ganz haben Sie die Tierpflege also nicht aufgegeben?

Nein, das konnte ich auch nicht. Ich brauchte eine Übergangsbeschäftigung mit praktischem Nutzen. Ich habe unter anderem Pommernenten und -gänse, Rhönschafe, Harzer Rotvieh, Cröllwitzer Puten – Arten, die auch bedroht sind.

Wenn Sie gefragt würden, ob es sich als Gothaer mehr lohnt, in den Tierpark zu gehen oder nach Erfurt in den Zoo zu fahren, was würden Sie antworten?

Das ist eine schwierige Frage, doch da bin ich Lokalpatriot. Der Tierpark Gotha ist flächenmäßig klein, aber dafür sehr auf Familien ausgerichtet. Man kann zu jeder Jahreszeit auch mit kleinen Kindern hingehen. Der Park ist für sie einfach zu erfassen.

Der Tierpark Gotha hat täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Letzter Einlass ist um 17.15 Uhr.