Trabis sind gefragt: Mehr Pappe auf Gothas Straßen

Kreis Gotha.  Nach Jahrzehnten noch gut in Schuss: Der Bestand an Oldtimern wächst im Landkreis. Besonders an Trabis ist das Interesse groß.

In seiner Garage verwahrt Michael Reinhardt einen Trabant 600.

In seiner Garage verwahrt Michael Reinhardt einen Trabant 600.

Foto: Victoria Augener

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„Kasperauto“ haben sie seine Caro genannt, doch darüber kann Michael Reinhardt aus Bad Tabarz nur müde lachen. Denn wenn sich Trabifreunde trafen und untereinander das schönste Auto kürten, hatte sein Trabant Caro Tramp fast eine Gewinngarantie, sagt er. In grellen Tönen war das Gefährt, das nur 60 mal produziert wurde, lackiert – „Farben, die überhaupt nicht zueinander gepasst haben“, sagt Reinhardts Frau Gabi, „doch es war cool“.

Der Trabi ist in – heute wohl noch mehr als in den vergangenen Jahren. Fast 30 Jahre, nachdem in Zwickau der letzte Trabant vom Band lief, steigt die Zahl der Zulassungen auf Thüringer Straßen. 434 Trabis sind laut Landratsamt im Kreis Gotha angemeldet, rund 5300 sind es in Thüringen, wie aus einer Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes hervorgeht. Seit 2014 ist die Zahl demnach um 13 Prozent gestiegen. Selbst in den alten Bundesländern sind rund 7600 Trabis unterwegs.

Fabrikat aus seiner Wehrdienstzeit an der Ostsee

Den Caro Tramp haben Michael und Gabi Reinhardt inzwischen verkauft. Auch ihr erstes Sammlerauto, einen Trabant Kübel, besitzen sie nicht mehr. Das Modell hatte vor etwa 20 Jahren ein Verkäufer aus Bremen im Internet angeboten. Michael Reinhardt erkannte das Fabrikat aus seiner Wehrdienstzeit an der Ostsee, denn die leichten Zweitürer wurden ab 1962 vornehmlich für das Militär produziert.

Das Auto neu aufzubauen fiel ihm nicht schwer, denn „zu DDR-Zeiten war es eine Notwendigkeit, dass jeder sein eigenes Autos reparieren konnte“. Im Jahr 2000 schloss sich um Michael Reinhardt auch das Trabant-Team Tabarz zusammen, aus dem sich der Trabant- und IFA-Club Gotha bildete.

In den Garagen der Reinhardts stehen nun zwei Trabanten der 500er- und 600er-Serie. Gibt es daran etwas auszutauschen, geht Michael Reinhardt im Internet auf die Suche. Die Trabifreunde sind gut vernetzt und helfen sich gegenseitig aus. So haben sich seine Regale mit Originalteilen gefüllt, von der Lichtmaschine bis zum Kotflügel. Auf die wachsende Begeisterung für Oldtimer reagieren auch Hersteller, besonders in Osteuropa, berichtet Reinhardt. Firmen wie der ungarische Produzent Danzer fertigen Trabant-Ersatzteile.

Zweitaktgemisch gibt es im Landkreis nicht mehr

Vorbei sind allerdings die Zeiten, als Trabifahrer überall tanken konnten. Das Zweitaktgemisch gab es zuletzt an der Tankstelle in Gräfentonna, die allerdings 2018 den Betrieb eingestellt hat. Offiziell sind im Kreis Gotha keine Tankstellen bekannt, die den Treibstoffmix noch vertreiben. Da bleibt Trabifreunden wie Michael Reinhardt nur, sich den Kraftstoff selbst zu mischen.

Neben Trabanten erfreuen sich die Menschen im Landkreis Gotha an allerhand betagter Technik. So waren laut Angaben des Landratsamts im vergangenen Jahr 660 Fahrzeuge mit einem H-Kennzeichen unterwegs, das sie als kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut ausweist. Darunter sind neben Pkw 59 Motorräder sowie 65 Lkw und 49 Traktoren. Seit 2011 hat sich der Bestand mehr als verdoppelt.

Das älteste Auto auf den Straßen in und um Gotha ist ein Ford T Touring aus dem Jahr 1923. Zwei Lanz Bulldog Traktoren sind immerhin 82 Jahre alt, und aus dem gleichen Jahr stammt ein Lkw des Modells Citroen 23U. Eine BMW R2 mit Erstzulassung 1932 hält den Altersrekord unter den Motorrädern. Darüber hinaus fahren 374 Autos im Landkreis mit einem roten Oldtimer-Nummernschild.

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