Wenn kein Patient mehr in der Praxis klingelt

Gotha.  Drei Fragen an die Gothaer Physiotherapeutin Ines Heußmann.

Ines Heußmann (auf dem Foto rechts, links ihre Mitarbeiterin Anne Pehlert) wollte im Mai 25-jähriges Bestehen ihrer Physiotherapie-Praxis in Gotha feiern. Wegen der Corona-Krise ist sie von Patienten förmlich abgeschnitten.

Ines Heußmann (auf dem Foto rechts, links ihre Mitarbeiterin Anne Pehlert) wollte im Mai 25-jähriges Bestehen ihrer Physiotherapie-Praxis in Gotha feiern. Wegen der Corona-Krise ist sie von Patienten förmlich abgeschnitten.

Foto: Ines Heußmann

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Ursprünglich wollte Ines Heußmann (auf dem Foto rechts, links ihre Mitarbeiterin Anne Pehlert) im Mai 25-jähriges Bestehen ihrer Physiotherapie-Praxis feiern. Nun bangt und kämpft sie um ihre Existenz.

Frau Heußmann, wie gestaltet sich Ihre Arbeit unter den erschwerten Bedingungen?

Mit den staatlich verhängten Maßnahmen und der Schließung des Stadt-Bades sind die Patienten nicht mehr in der Praxis aufgetaucht, haben abgesagt oder sind gar nicht erschienen, oftmals ohne Absage. Die Angst vor dem Coronavirus ist durchaus verständlich. Unsere jetzige Situation erschwert, weil jeder denkt, das Stadt-Bad ist jetzt zu. Mit dessen Schließung ab 16. März ist fast niemand mehr gekommen. Die Praxis ist ans Stadt-Bad nicht unmittelbar angebunden. Wir sind mit dessen Eröffnung vor sechs Jahren nur eingezogen und arbeiten eigenständig. Jetzt haben wir so lange geöffnet, bis es einen Erlass zu einer Schließung geben sollte, allerdings zu veränderten, verkürzten Zeiten.

Meine Mitarbeiter, sechs sind fest angestellt und eine ist Honorarkraft, bezahle ich bis 31. März. Dann muss ich sie in Kurzarbeit schicken. Ich würde darauf liebend gerne verzichten. Doch die Behandlungen sind so zurückgegangen, dass es gerade einmal für einen Physiotherapeuten reicht. Den Betrieb halte ich aufrecht, soweit Patienten erscheinen. Sie müssen an der Eingangspforte des Stadt-Bades klingeln. Aber es kommt ja keiner vorbei.

Welche hygienischen Schutzmaßnahmen treffen Sie?

Nach jedem Patienten wird alles desinfiziert, werden die Liegen, Türklinken, Tresen abgerieben und abgewischt. Wir tragen Mundschutz und vermeiden Wartezeiten – wenn sich überhaupt noch jemand zu uns traut. Die Patienten gehen sofort in den Behandlungsraum und sind mit ihrem Therapeuten allein. Patienten, die in einem Krisengebiet Urlaub gemacht haben, schließen wir von Besuch aus.

Was wird aus Ihrem 25. Praxisgeburtstag?

Die Feier kann ich verschieben. Ich kann nur hoffen, dass ich gesund bleibe und das überstehe, bis das öffentliche Leben wieder in Gang kommt, damit die Praxis auch für meine Mitarbeiter erhalten kann.

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