"Wir haben verhindert, dass Crawinkel braunen Stempel erhält"

Crawinkel (Gotha). Bürgerbündnis-Sprecher Onno Eckert sprach mit Axel Eger über die Auszeichnung mit dem Thüringer Demokratiepreis.

Im Februar 2012 folgten die Crawinkler dem Aufruf des neugegründeten Bürgerbündnisse zu einem Schweigemarsch, nachdem Angehörige der rechtsextremen Szene ein Gebäude im Ort gekauft hatten. Foto: Christoph Vogel

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Das Crawinkler Bürgerbündnis erhielt für die Organisation des Aktionstages den Thüringer Demokratiepreis. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Ich persönlich kann mit Auszeichnungen nur bedingt etwas anfangen. Die größte Auszeichnung ist eigentlich erfolgreiche Arbeit. Trotzdem freue ich mich natürlich, wenn Engagement und der große persönliche Einsatz manches Beteiligten wertgeschätzt werden. Veranstaltungen, wie der Aktionstag "Crawinkel zeigt Gesicht", wollen organisiert sein. Es war ja schon der fünfte seiner Art. Jede und jeder der Organisatoren und der Mitwirkenden der rund um den Aktionstag eigene Zeit, meist eigene Freizeit, eingebracht hat, hat mit seinem Anteil zum Gelingen der Aktionstage und damit auch zur Auszeichnung beigetragen.

Das Bürgerbündnis besteht seit rund zwei Jahren. Wie entstand die Idee dazu?

Wir sind nicht die ersten im Land, die auf die Idee gekommen sind, ein Bürgerbündnis zu gründen. Gerade in der Startphase war es sehr hilfreich, auf Erfahrungen anderer, beispielsweise auf die des Kirchheimer Bündnisses, zurückgreifen zu können. Trotzdem war es uns wichtig, für uns passende Ansätze und Wege zu finden. Das Bedürfnis, sich zu vernetzen, um Sorgen zu teilen und Informationen auszutauschen, entstand bei vielen Einwohnerinnen und Einwohnern Crawinkels spätestens, nachdem die Polizei Anfang Februar 2012 mit massivem Kräfteeinsatz ein Konzert der rechtsextremen Szene aufgelöst hatte. Das war in vielerlei Hinsicht für manchen ein Schlüsselerlebnis. Wer dann welchen Beitrag bei der Gründung des Bündnisses hatte? Ich kann es gar nicht mehr so genau sagen. Da kam eins zum anderen. Mir war es als damaligem Bürgermeister aber wichtig, einem solchen Bündnis einen geschützten Raum geben zu können. Seitdem trifft sich das Bündnis regelmäßig im Gemeindezentrum.

Was hat das Bündnis in dieser Zeit erreicht und bewirkt?

Für die Mitglieder hat es zunächst erst mal bewirkt, dass man sich austauschen konnte. Im Laufe der Zeit kamen unterschiedliche Sorgen rund um die rechtsextremen Machenschaften zur Sprache. In den Bündnissitzungen wurde dann oft deutlich, dass man mit seinen Befürchtungen nicht allein dasteht. Hier galt dann das Prinzip "geteiltes Leid ist halbes Leid". Aber auch für die Kommunikation im Ort war das Bündnis wichtig. Schon früh haben wir versucht, deutlich zu machen, dass die Käufer und deren Umfeld nicht bloß irgendwelche Nationalisten sind, sondern Rechtsextremisten mit einem massiven Kriminalitätspotenzial. Letztlich haben Razzien mit Waffenfunden und internationale Haftbefehle gezeigt, dass diese Einschätzung zutreffend war. Nach außen war es uns außerdem immer ein Anliegen, zu verhindern, dass Crawinkel einen braunen Stempel aufgedrückt bekommt. Ich glaube, dass das sowohl durch offensive Kommunikation als auch durch unsere vielfältigen Veranstaltungen gelungen ist.

Worin sieht das Bündnis seine Aufgabe in Zukunft?

Sollte sich das Problem des rechtsextremen Veranstaltungszentrums von Crawinkel weg verlagern, wird sich auch der Arbeitsschwerpunkt des Bündnisses verändern. Gerade die Beschäftigung mit dem Thema Rechtsextremismus hat manchem im Bündnis aber noch mal deutlich gemacht, dass es sich lohnt, für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft einzutreten. Ich kann mir vorstellen, dass sich der Schwerpunkt dorthin verlagern wird. In welcher Form sich das konkret darstellen wird, wird die Zeit zeigen. Einen Aktionstag für Vielfalt, Toleranz und Demokratie wird es aber auch im kommenden Jahr geben.

Wie stellt sich die Situation im Ort derzeit dar?

Momentan ist die Situation etwas unübersichtlich. Trotz des vermeintlichen Wegzugs wurde vor ein paar Wochen erneut eine Veranstaltung durch die Polizei aufgelöst.

In Ballstädt hat sich ein ähnliches Bündnis zusammengefunden. Gibt es da einen regelmäßigen Austausch?

Die Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus Ballstädt haben sehr schnell den Kontakt zu uns gesucht. Mitglieder des Crawinkler Bündnisses haben bei der Ballstädter Demonstration Mitte September unsere Solidarität zum Ausdruck gebracht, in der anschließenden Einwohnerversammlung habe ich von unseren Erfahrungen in Crawinkel berichtet. Trotzdem, Ballstädt ist nicht Crawinkel. Was bei uns funktioniert hat, muss dort nicht auch greifen. Man tut deshalb gut daran, nach jeweils passenden Ansätzen zu suchen.

Gibt es aus Ihrer Sicht eine Tendenz der Rechten, mit diesen Häuserkäufen auf dem Land Fuß zu fassen und zu versuchen, peu à peu in die Mitte der Gesellschaft zu rücken?

Auf dem Land, sicherlich. Möglicherweise gibt es die Hoffnung, auf verschlafene Nester zu treffen und ein unbeobachtetes Leben führen zu können. In Crawinkel hat das möglicherweise weniger funktioniert, als erhofft. Ob in die Mitte gestrebt wird, da bin ich skeptisch. Das Spektrum am rechten Rand ist vielfältig. Ob Leute, die sich Hakenkreuze tätowieren lassen und Hitler herbei singen wollen, in die Mitte der Gesellschaft drängen, wage ich zu bezweifeln. Trotzdem gibt es natürlich auch Bestrebungen in der Mitte Fuß zu fassen. Auch hierfür kann man nicht genug sensibilisiert sein.

Der Thüringer Demokratiepreis ist mit 1000 Euro dotiert. Wofür wollen Sie das Geld einsetzen?

Wir werden einen Teil des Preises für die Organisation des nächsten Aktionstages nutzen. Das soll aber zugleich im Zusammenhang mit Projekten an unserer Regelschule stattfinden, die mit Hilfe des Preisgeldes finanziert werden könnten. Weil unsere Schule immer auch sehr engagiert am Aktionstag beteiligt ist, können von dem Preis so alle einen Nutzen ziehen.

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