Drei Mai-Demos unter Corona-Vorzeichen in Jena

Anlässlich des 1. Mai fanden in Jena drei Demos statt - wenn auch in anderer Form als in den vergangenen Jahren.

(von links) Anatole Braungart von der MLPD, Jürgen Schröder vom Internationalen Bündnis, Claudia Braungart von Verdi und Fabian Grötzsch vom Jugendverband Rebell.

(von links) Anatole Braungart von der MLPD, Jürgen Schröder vom Internationalen Bündnis, Claudia Braungart von Verdi und Fabian Grötzsch vom Jugendverband Rebell.

Foto: Jens Henning

Über eine Stunde lang wurde am Freitag auf dem Johannisplatz in Jena demonstriert. Zuerst war der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Kreisverband/Saale-Holzland-Kreis der Veranstalter, danach war die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) an der Reihe. „Solidarisch ist man nicht mehr allein“, lautete das Motto des Aktionstages des DGB und seiner Bündnispartner.

„Es war eine besondere Veranstaltung“, sagte Monika Sossna vom DGB, Büro in Gera. Sie hofft, dass vor allem die Familien und auch die Frauen, die „gerade jetzt so viel mehr leisten müssen“, nicht ihre Existenz verlieren. Sossna zitierte einen Satz des 2. Bevollmächtigten der IG Metall Jena-Saalfeld und Gera. „Herr Christoph Ellinghaus sagte, dass man gerade in Krisen noch enger zusammen rücken muss, um gegen Sozialabbau und gegen den Verlust von Arbeitnehmerrechten zu kämpfen.“

„Wir wollten zeigen, dass wir uns den 1. Mai von Corona nicht nehmen lassen“, sagte Anatole Braungart von der MLPD, Fräser von Beruf und seit 40 Jahren in der IG Metall organisiert. Eine Verlegung stand für ihn nie zur Diskussion. „Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit, den kann man nicht zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Deshalb waren wir auch froh, als die Erleichterungen in Sachen Demonstrationsrecht festgelegt wurden.“

Der 1. Mai 2020 werde dennoch für alle ein besonderer bleiben. „Heute waren wir eine kleine, eine überschaubare Gruppe. Es waren sicherlich etwas mehr als 50 Leute. Ohne Corona wären es bestimmt über 300 gewesen.“

Die Auswirkungen von Corona bestimmten beide Veranstaltungen. Die hohe Zahl der Menschen, in Kurzarbeit befinden, würde Braungart erschrecken. Dem stimmte die DGB-Frau zu. „In der System-Gastronomie, wie in den Schnellrestaurants, würde man sogar aufstocken. Das trifft auf den anderen Teil der Gastronomie nicht zu. Das sind fast 50 Prozent“, sagte Sossna.

Am Nachmittag hatte das Frauenstreikbündnis Jena, das es seit anderthalb Jahren gibt, auf den Holzmarkt aufgerufen. „Ich bin selbst Mutter. Ich betreue seit sechs Wochen daheim mein Kind. Langsam stoße auch ich an die Belastungsgrenze“, sagte Teresa Gärtner, eine aktive Mitstreiterin. Das Bündnis wollte sich mit der Nachmittags-Demonstration Gehör verschaffen in der Bevölkerung. „Wir waren auch am Vormittag beim DGB dabei. Ich denke, dass es wichtig ist, die Arbeit der Frau noch stärker in die Öffentlichkeit zu rücken. Deshalb hatten wir uns für die eigene Veranstaltung stark gemacht“, sagte Gärtner.