Jenaer Stoyschule geehrt für innovative Demokratie-Erziehung

Jena.  Das Berufsschulzentrum „Karl Volkmar Stoy“ ist dafür ausgezeichnet worden, wie junge Leute für Demokratie begeistert werden.

Tilman Cypionka, Uta Seibold-Pfeiffer und Schulleiter Richard Brömel (von links) mit einer Schautafel zur Ausstellung über Menschenwürde. 

Tilman Cypionka, Uta Seibold-Pfeiffer und Schulleiter Richard Brömel (von links) mit einer Schautafel zur Ausstellung über Menschenwürde. 

Foto: Thomas Stridde

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So viel der Ehre! Schulleiter Richard Brömel ist noch immer eine Spur freudig-fassungslos. Dieser „Deutsche Arbeitgeberpreis für Bildung“ der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), den Brömels Karl-Volkmar-Stoy-Schule zuerkannt bekommen hat, der sei so etwas wie der Oscar. Der Preis stand in diesem Jahr unter dem Motto „Persönlichkeit gefragt! Bildung, die Werte vermittelt und für Demokratie begeistert“. Die Jenaer sind in der Kategorie „Berufliche Bildung“ ausgezeichnet worden und erhielten 10.000 Euro Preisgeld. Von der Jury ist ihnen „innovative Demokratie-Erziehung“ bescheinigt worden.

Berufsschulen bekämen mitunter das Etikett angeheftet, es werde sich nur um das Berufliche gekümmert – und um die menschlichen Belange weniger. „Das ist natürlich ganz und gar nicht so“, sagt Richard Brömel. Im Gegenteil. Wiederum sei klar, dass andere Schulen ebenfalls beim Thema „Werte und Demokratie“ sehr viel zu bieten hätten. – „Viele machen viel; wir versuchen darüber hinaus, mit unseren Angeboten konstant zu sein.“ Ein Beispiel dafür sei das von der Volkshochschule unterstützte „Speed-Dating“ mit Kandidaten zu Kommunal-, Land- und Bundestags- und Europawahlen, das im Herbst zum fünften Male veranstaltet wurde. „Wir sehen das als ein gutes Mittel, die jungen Leute mit Parteiprogrammen und Kandidaten vertraut zu machen“, sagt Uta Seibold-Pfeiffer, Lehrerin für Sozialkunde und Mathematik. Das sei mittlerweile der Schlusspunkt der Unterrichtseinheit „Wie funktioniert Wahl?“ in Sozialkunde.

Ergebnis fast wie bei der realen Wahl

Oder: Seit 20 Jahren wird in der Stoyschule anhand echter Wahlzettel eine „Junior-Wahl“ vor dem jeweiligen „richtigen großen“ Urnengang veranstaltet. Vor der jüngsten Landtagswahl hatten sich knapp 80 Prozent der 400 Stoyschüler beteiligt. Das Ergebnis hat nach Uta Seibold-Pfeiffers Einschätzung im Durchschnitt in etwa dem späteren Jenaer Gesamtergebnis entsprochen. Die AfD erhielt zuletzt bei „Stoy“ sogar 16 Prozent – gegenüber den 12,7 Prozent der Zweitstimmen in der Stadt Jena. „Wir machen ständig etwas in dieser Richtung“, sagt Richard Brömel. Dazu zählen etwa auch Besuche des Bundestags und des Landtags – „gern, wenn dort richtig was los ist“, wie Uta Seibold-Pfeiffer anmerkt. Konstanten der Werte- und Demokratie-Schulung sind aber auch die jährliche „Woche gegen Rassismus“ und der zum fünften Male organisierte Theater-Workshop.

Der „Hit des Jahres“, wie der Schulleiter sagt, ist die Ausstellung „Die Würde des Menschen …“, die von Gymnasiasten der Stoyschule entwickelt wurde. Eine der Schautafeln weist zum Beispiel auf die „Stolpersteine“ in Jena – die Messingplatten, die an die in der NS-Zeit ermordeten jüdischen Mitbürger erinnern. Nächstes Jahr soll die Ausstellung in der Stadtkirche zu sehen sein.

Die „Junge Liste“ von Neustadt

Aber: Ist bei aller schulischen Werte-Weitergabe heutzutage das aktive politische Mittun unter Jugendlichen noch sonderlich gefragt? Tilman Cypionka (22) kann das aus seiner Sicht bejahen. Er hat gerade die vorgezogene Abschlussprüfung zum Kaufmann für Büromanagement an der Stoyschule hinter sich und wohnte der Übergabe des BDA-Preises bei. Tilman war jüngst in seinem Heimatort Neustadt auf der „Jungen Liste“ zur Stadtratswahl angetreten, die immerhin drei von 24 Sitzen eroberte. „Unter den anderen Mitgliedern des Stadtrats ist der Jüngste um die 40“, sagt Tilman. Interessant: Das Wahlrecht „ab 16“ betrachtet der junge Mann aber wegen des gebotenen Mindestmaßes von Erfahrung kritisch. Das könnte mit den Werte-Wegweisungen bei „Stoy“ zu tun haben.

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