Platz für Uni-Campus: Soziokultur im „Carl August“ statt am Inselplatz

Jena.  Mit dem Gasthaus „Carl August“ ist eine neue Heimstatt für das Soziokultur-Projekt Inselplatz 9a in Jena gefunden. Jetzt kann der Campus-Neubau starten.

Die Bewohner des Inselplatzes 9a freuen sich, dass es eine Lösung für den Fortbestand des Soziokultur-Zentrums gibt. Von links gestern vorm Haus: Melina Wurth, Maria Bürger, Paula Biesenthal und Clemens Leder.

Die Bewohner des Inselplatzes 9a freuen sich, dass es eine Lösung für den Fortbestand des Soziokultur-Zentrums gibt. Von links gestern vorm Haus: Melina Wurth, Maria Bürger, Paula Biesenthal und Clemens Leder.

Foto: Thomas Stridde

Das Wohn- und Soziokultur-Projekt Inselplatz 9a zieht Anfang 2020 um in das alte Gasthaus „Carl August“ im Mühltal. Das haben am Dienstag die jungen Leute aus der „Insel 9a“ und Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) gemeinsam verkündet. Damit ist nach Gerlitz’ Beschreibung der Weg frei für den Abriss des Hauses im Januar. Von Februar oder März an könne die Baugrube ausgehoben werden, statt das eine Rohrpfahlwand rund um das Haus gebaut würde und der Begriff „Insel“ dem Haus zur zweifelhaften Ehre gereicht hätte. – An diesem Fleck wird die Hochhaus-Heimstatt für die Psychologen der Universität als ein Segment des Uni-Campus errichtet.

Lösung in Lichtgeschwindigkeit durch LEG

Damit nehme der langjährige Kampf um eine alternative Immobilie ein gutes Ende, sagte Clemens Leder als Sprecher der „Insel 9a“. Die „garstige Zähigkeit“ der „Insulaner“ und die Fügung des gewachsenen Zeitdrucks hätten Wirkung gezeigt. So sei auch der Gerichtsprozess rund um die vom Freistaat als Eigentümer der „Insel 9a“ angestrengte Räumung beigelegt. Per 1. Januar habe er einen Räumungsvergleich mitunterzeichnet, sagte Leder – „die wichtigste Unterschrift meines Lebens bislang“.

Neuer Uni-Campus in Jena kann gebaut werden

„Das ist die Lösung der Vernunft“, stellte Christian Gerlitz fest. Er erinnerte daran, dass der Stadtrat sich vor Jahren gegen die Eingliederung der „Insel 9a“ in den Campus entschieden hatte. Damit sei nie gemeint gewesen, dass man jenes Projekt nicht haben wolle. Soziokultur gehöre „zur Qualität der Stadt“. Nur habe der Einfluss der Stadt auf eine immobile Alternativ-Lösung Grenzen gehabt. Gerlitz war indessen eifrig als Vermittler unterwegs. Er deutete an, dass die beteiligten Ministerien sich bei der Suche nach einem Ausweg mitunter etwas verkeilt hatten und für den Campus-Bau die unerfreuliche und teure Alternative der Rohrpfahlwand-Umbauung im Raume stand. Den rettenden Impuls habe jüngst Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) gesetzt, indem er die Landesentwicklungsgesellschaft LEG mit dem Problem betraute. Die LEG habe die Angelegenheit „in Lichtgeschwindigkeit“ erledigt.

Seit Freitag liege ein Mietvertrag vor, der in einen 50-jährigen Erbbaupachtvertrag übergehe, sobald die „Insulaner“ wie geplant einen Trägerverein gegründet haben. Es sei „wundervoll, wie unverhofft schnell“ die LEG mit Geschäftsführerin Sabine Wosche agierte; das gelte auch für Jenas Zentrales Projektmanagement und die Ministerien, sagte Clemens Leder.

Flächentausch mit Weimarer Land geplant

Die LEG hat den ewig leerstehenden „Carl August“ von einem Zwischenerwerber gekauft zu einem von Gerlitz nur angedeuteten Preis, der wohl auch für eine 80-Quadratmeter-Wohnung in der Innenstadt berappt werden müsse. Und nein, die Stadt entziehe sich nicht der Verantwortung, steht der „Carl August“ doch in der Tat auf einer Grenzgemarkung von Großschwabhausen und somit des Landkreises Weimarer Land. Eine Umflurung sei beantragt, sagte Gerlitz; so habe er es auch dem Großschwabhäuser Gemeinderat dargelegt.

Nach Clemens Leders Darstellung bezahlen die Hauptmieter der „Insel 9a“ bislang 2300 Euro Miete pro Monat und ließen sich von den 15 bis 20 Mitbewohnern einen Kostenanteil zuschießen. Mit diesen „Mieten“ Veranstaltungen zu finanzieren und keinen Eintritt zu nehmen, sei die Philosophie, die auch im „Carl August“ gelten soll. Der „Carl August“ sei noch ein „Rohdiamant“, was die Möglichkeiten angeht, sagte Mitstreiterin Melina Wurth. Clemens Leder ist sich sicher, dass das Haus mehr als die „Insel“ vom „Event-Charakter“ geprägt sein werde. Jedoch sei Alt-OB Albrecht Schröter (SPD) Lügen gestraft. Der habe der Soziokultur stets eine „Dynamik des Vorläufigen“ bescheinigt.