Seniorenheime im Unstrut-Hainich-Kreis im Spagat zwischen Schutz und Nähe

Unstrut-Hainich-Kreis.  In den Senioren- und Pflegeheimen gelten derzeit unterschiedliche Corona-Regelungen. Einige richten Besucherzimmer oder Zelte ein.

Auf liebevolle Berührungen von Angehörigen sollen Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen trotz Besuchseinschränkungen nicht verzichten müssen.

Auf liebevolle Berührungen von Angehörigen sollen Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen trotz Besuchseinschränkungen nicht verzichten müssen.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

In den Senioren- und Pflegeheimen im Landkreis gibt es mit den gestiegenen Corona-Infektionen wieder Besuchseinschränkungen. Die Regelungen werden jedoch derzeit unterschiedlich gehandhabt. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenfreien Corona-Liveblog

Extra Besucherräume eingerichtet wurden im Wohn- und Pflegezentrum Villa Weiß in Bad Langensalza. „So findet der Kontakt in einem geschützten Raum statt“, informiert Leiterin Kerstin Viller. Damit der Raum frei ist, müssen sich Besucher telefonisch anmelden. „So lassen sich mögliche Infektionsketten später auch gut verfolgen“, sagt sie. Pro Bewohner sind zwei Besucher zugelassen.

Kontakte zu Angehörigen sind für die Bewohner enorm wichtig

Die Villa Weiß gehört zum Wohn- und Pflegezentrum Unstrut-Hainich der WPZ. Während in der Bad Langensalzaer Einrichtung des Trägers jetzt Besuche auf den Bewohnerzimmern nicht möglich sind, sind sie in Mühlhausen am Lindenbühl erlaubt – jedoch mit eingeschränkten Besuchszeiten. Grund sind laut Geschäftsführerin Katja Hopf die baulichen Gegebenheiten. In der Villa Weiß müsse der Wohnbereich durchquert werden, um zu den Bewohnerzimmer zu gelangen. Auch in der Einrichtung am Lindenbühl lasse es die Gebäudestruktur nicht zu, Besucher zu jeder Zeit in die Zimmer zu lassen.

Diese Regelung stößt allerdings bei einigen Angehörigen auf Kritik. Betroffene, die anonym bleiben wollen, monieren vor allem die Besuchszeiten. So sind am Lindenbühl Besuche auf den Bewohnerzimmern von 12.30 bis 13.30 und von 19.30 bis 20.30 Uhr gestattet – genau dann, wenn Bewohner Mittagsschlaf halten und wenn sie sich abends bettfertig machen. „Wir sind zu Korrekturen bereit“, sagt Hopf. Die Angehörigen sollten sich an sie wenden. Denn dass es Änderungswünsche gebe, sei bisher noch nicht zur Geschäftsführung gedrungen.

„Wir haben eine Verantwortung und müssen unsere Bewohner schützen“, verweist Hopf auf den Spagat, den Senioren- und Pflegeheime derzeit meistern müssen, um die Balance zwischen Schutz und Nähe zu finden. „Wir haben aus der ersten Welle gelernt, wie wichtig Kontakte sind“, sagt Katja Hopf. In der Einrichtung am Mühlhäuser Lindenbühl könne daher bei der Besuchen etwa auch der Pavillon im Garten genutzt werden.

Heimleiter haben Verständnis für Kritik wegen Beschränkungen

Spezielle Zelte wurden für Besucher aufgestellt im Mühlhäuser Altenpflegeheim an der Unstrut, das die HBM Heimbetriebe Mühlhausen betreiben. Laut Geschäftsführerin Juliana Ledig sollen diese jetzt mit Heizstrahlern ausgestattet werden. Auch sie begrüßt das Signal der Politik mit den Freiheitsrechten der Heimbewohner sensibler umzugehen. „Die Senioren haben sich eingesperrt gefühlt“, sagt sie. Auch in diesem Heim gilt wie für alle anderen die allgemein vorgeschriebene Maskenpflicht. Pro Bewohner ist ein Besucher zugelassen – nach vorheriger Anmeldung.

Zwei weitere Corona-Infektionen in der Region Unstrut-Hainich

In der Alloheim Senioren-Residenz An der Therme in Mühlhausen werden die Hygienemaßnahmen besonders streng genommen. Besucher werden einem Kurzscreening unterzogen, und ihre Körpertemperatur wird kontaktlos gemessen. Besuche auf den Zimmern sind noch erlaubt. „Auf der einen Seite ist es wichtig, dass unsere Bewohner für ihr Wohlbefinden soziale Kontakte zu Angehörigen und Freunden pflegen können. Auf der anderen Seite steht der Schutz der Bewohner, die zur Hochrisikogruppe zählen“, verweist die Sprecherin auf die schwierige Situation der Heime.

Auch im Haus an der Salza in Bad Langensalza in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt sind noch Besuche auf den Zimmern gestattet – von 9 bis Uhr und 14 bis 17 Uhr. An den Wochenenden jedoch ist die Besuchszeit auf drei Stunden beschränkt. Leiterin Silke Hartmann versteht die Kritik, die manchmal wegen der Beschränkungen aufkommt. Aber sie habe nur begrenztes Personal und müsse die Bewohner schützen. „Bei der ersten Welle gab es Einschnitte, die möchte ich nicht noch einmal erleben.“