Test in Nordhausen: Filter gegen Gestank in Biotonnen

Nordhausen  Das Landratsamt in Nordhausen erwägt die flächendeckende Einführung eines Filters für die Biotonne. Dieser soll unangenehmen Gerüchen entgegenwirken.

Ein neuartiger Biofilter auf Kokosfaserbasis (rechts) für die Biotonne soll die Entwicklung von Maden in der Tonne verhindern und die Geruchsbelästigung mindern. Kathrin Materlik vom Fachgebiet Abfallwirtschaft des Landratsamts initiierte den derzeit laufenden Test. Foto: Kristin Müller

Ein neuartiger Biofilter auf Kokosfaserbasis (rechts) für die Biotonne soll die Entwicklung von Maden in der Tonne verhindern und die Geruchsbelästigung mindern. Kathrin Materlik vom Fachgebiet Abfallwirtschaft des Landratsamts initiierte den derzeit laufenden Test. Foto: Kristin Müller

Foto: Kristin Müller

Man spricht nicht gern darüber. Dabei haben das Problem viele: Die Biotonne stinkt. Vor allem an heißen Sommertagen wie derzeit.

„Der Kompostierungsprozess beginnt in der Tonne“, erklärt Kathrin Materlik, Leiterin vom Fachgebiet Abfallwirtschaft im Landratsamt. Salatblätter, Bananen- oder Kartoffelschalen also beginnen sich zu zersetzen. Schwefelverbindungen und Säuren entstehen, die wiederum ziehen Fliegen an. Schaffen sie es in die Tonne, legen sie dort Eier ab, aus denen sich Maden entwickeln. Der Ekelfaktor steigt.

Das könnte ein Ende haben. Im Landratsamt jedenfalls erwägen die Abfallexperten derzeit, jede Biotonne im Südharz mit einem speziellen Biofilterdeckel auszustatten. Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen. Zuvor allerdings läuft eine Testphase. 150 Freiwillige suchte das Landratsamt dafür im Frühjahr – und wurde vom großen Interesse überrascht: Letztlich wurden 373 Biotonnenbesitzer, darunter auch Kindergärten, mit dem Deckel bedacht (Infokasten).

Bewähren soll sich ein System aus Münster, das auf Mikroorganismen und Enzyme setzt. Vier mit diesen angereicherten Filtern aus Kokosfasern werden in den Tonnendeckel gelegt. Etwas Wasser aktiviert die Mikroorganismen und Enzyme. Ihre Aufgabe ist sodann, die Biogase in der Tonne zu neutralisieren. Und stinkt es weniger, fühlen sich weniger Fliegen angezogen. Nicht zuletzt hat der Spezialdeckel einen luftdichten Gummiverschluss – die übelriechenden Gase können also gar nicht erst nach außen entweichen.

In Magdeburg wurde der Deckel schon 2015 und 2016 getestet. 78 Prozent der Tester erklärten, gar keine oder nur eine geringe Geruchsbelästigung zu empfinden, gar 85 Prozent zeigten sich in punkto Schädlingsbelastung zufrieden. Auch andere Kommunen wie Fürth oder Neu-Ulm setzen auf das System.

Die Biotonne an sich gibt es im Landkreis schon seit 1998. Gezwungen ist niemand, diese zu nutzen. Vorgeschrieben ist lediglich eine Abfalltrennung. Etwa 9500 der 23.300 an die Abfallentsorgung angeschlossenen Grundstücke im Landkreis würden ihre Bioabfälle selbst kompostieren, heißt es vom Fachgebiet für Abfallwirtschaft. Nur etwa 60 Prozent der Grundstücksbesitzer haben also eine Biotonne.

Möglicherweise erhöht sich deren Akzeptanz durch den Biofilterdeckel. Zumal die Entsorgung des Bioabfalls unterm Strich für den Einzelnen sogar günstiger werden könnte. Denn neben der jährlichen Behältergebühr von 5,28 Euro für die 120-Liter-Tonne beziehungsweise 5,40 Euro für die 60-Liter-Tonne muss für jedes Entleeren durch die Müllabfuhr gezahlt werden: Bei der kleinen Tonne werden 1,80 Euro fällig, bei der großen ist es doppelt so viel.

Stinkt es aus der Tonne, hat man gar mit Schädlingen zu kämpfen, ist man zu einer wöchentlichen Leerung geneigt, selbst wenn die Tonne noch halb leer ist – ohne solche Probleme wäre auch ein 14-tägiger Rhythmus denkbar.

Trotz Biotonne oder privaten Komposts: Noch immer landen längst nicht alle Bioabfälle dort. Das zeigt die 2016 durchgeführte Hausmüllanalyse. „Der Anteil an kompostierbaren Abfällen machte einen Anteil von 14,2 Prozent aus, wobei die Küchenabfälle mit 10,6 Prozent die bedeutendste Fraktion darstellten“, erklärt Kathrin Materlik.

Bei einer Gesamtmenge an Restmüll von 145 Kilo pro Einwohner im Jahr entfallen also knapp 20 Kilo auf kompostierbare Abfälle.

Während der Restmüll in Staßfurt verbrannt wird, wird der getrennt gesammelte Bioabfall energetisch verwertet: Im Abfallwirtschaftszentrum Nentzelsrode gärt er, aus dem dabei entstehenden Biogas wird Strom produziert. Binnen sechs bis acht Wochen entsteht aus dem Bioabfall Kompost.

Allerdings enthält auch der Bioabfall noch zu viele Störstoffe, weist Kathrin Materlik beispielsweise auf Plastetüten hin, mit denen viele Leute offenbar Gerüchen und Schädlingen in der Tonne vorbeugen wollen. Die kompostierbaren Tüten würden sich zwar zersetzen, doch dauere das länger als der Gärprozess in der Biogasanlage.

Der Biofilterdeckel könnte eine umweltfreundlichere Alternative sein.

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