AfD-Politiker im Visier der Behörde

Nordhausen.  Kontrolleure vom Landratsamt beanstanden Öffnung des „Promenadenecks“. Ein Gast dort war Andreas Leupold.

Das „Promenaden Eck“ in der Nordhäuser Käthe-Kollwitz-Straße ist beliebter Treffpunkt der AfD.

Das „Promenaden Eck“ in der Nordhäuser Käthe-Kollwitz-Straße ist beliebter Treffpunkt der AfD.

Foto: Marco Kneise

Gaststätten müssen seit 2. November geschlossen bleiben. So sieht es die aktuelle Corona-Verordnung vor. Das Landratsamt lässt einen Vollzugsdienst die Einhaltung kontrollieren – und hat nun einen Fall auf dem Tisch, der auch von politischer Brisanz sein dürfte. Denn beteiligt ist Andreas Leupold, der für die AfD in Stadtrat und Kreistag sitzt.

Vergangene Woche, am Freitagabend gegen 18.30 Uhr, bittet besagte Corona-Streife die Polizei um Amtshilfe. Einsatzort: die Gaststätte „Promenaden-Eck“, da diese „mehr oder weniger offen“ sei, schildert Polizeisprecherin Fränze Töpfer auf TA-Anfrage. „Gäste wurden nach Klopfzeichen eingelassen.“ Nach Aufforderung hätten diese freiwillig das Lokal verlassen.

Aus dem Landratsamt heißt es, die Gaststätte sei bereits etwa eine Woche vorher aufgesucht und mündlich ermahnt worden. „Bei einer wiederholten Vor-Ort-Kontrolle wurden im Vorbeifahren Personen beobachtet, wie sie die Gaststätte betreten haben“, erklärt Sprecherin Jessica Piper. Bei der Kontrolle habe man insgesamt fünf Personen ermitteln können.

Die Konsequenz: Gegen den Gaststättenbetreiber wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Nach dem Infektionsschutzgesetz sind Bußgelder bis zu 25.000 Euro möglich. Ob auch die anderen Personen belangt werden, werde derzeit geprüft, so Piper.

Eberhardt Seifert, ein altgedienter Gastwirt, weiß von dem Vorfall am Freitag vergangener Woche und sagt, selbst zu der Zeit nicht mehr dagewesen zu sein. „Es war eigentlich nicht offen. Nur drei Handwerker und ein, zwei andere Leute waren da.“ Der 70-Jährige verweist auf laufende Umbauarbeiten im Obergeschoss, im Wintergarten und im Keller. „Die Handwerker haben hinten geklopft und sind dort reingegangen.“

Aufhorchen allerdings lässt eine Beobachtung der Kontrolleure vom Vollzugsdienst: Das unter den ermittelten Personen bekannte Mitglied des Nordhäuser Stadtrates und Kreistages habe sich „sogar im Keller zu verstecken versucht“, teilt das Landratsamt mit.

Damit konfrontiert, erklärt Leupold: „Ich wollte den Wirt vor dem Vorwurf schützen, dass sich da mehr als zwei Haushalte treffen.“

Die AfD nutzt das Promenaden-Eck regelmäßig für Veranstaltungen, hält hier ihre Mitglieder- und Bürgerstammtische ab. Auch die Weihnachtsfeier plane man dort. „Und in diesem Rahmen war ich im Promenaden-Eck anwesend. Es ging um die Veranstaltungsplanung.“ Darauf angesprochen, dass der Wirt nach eigenem Bekunden zum Zeitpunkt der behördlichen Kontrolle gar nicht mehr da war, meint Leupold: „Ich muss nicht auf die Uhr schauen, wenn ich jemanden kenne. Ein Angestellter ist ein guter Bekannter von mir.“

Von einer Gastronomie ist aus seiner Sicht nur auszugehen, wenn es einen „vollen Ausschank“ gebe, die Küche Mahlzeiten zubereite. Beides sei nicht der Fall gewesen. „Da sind Leute zufällig zusammengekommen.“ Ob er ein Bier bekommen habe? „Es kann auch ein Leitungswasser gewesen sein. Es ist mir entfallen“, antwortet Leupold.