Ambitioniertes Projekt: Das alte Nordhausen kommt 2027 zurück

Nordhausen.  Hobbyhistoriker und 3D-Enthusiast wollen die historische Stadt Nordhausen digital nachbauen und über Virtual-Reality-Brillen dreidimensional erlebbar machen.

Christian Witt (links) und der Fotograf Markus Veit wollen mit einem Grafik-Programm und Virtual-Reality-Brillen das alte Nordhausen wieder begehbar machen.

Christian Witt (links) und der Fotograf Markus Veit wollen mit einem Grafik-Programm und Virtual-Reality-Brillen das alte Nordhausen wieder begehbar machen.

Foto: Peter Cott

Was wäre das schön: Einmal durch das historische Nordhausen flanieren. Die stolze Stadt am Harz erkunden, noch bevor sie von Bomben gezeichnet war. Vorbei am Neptunbrunnen, der damals noch am Kornmarkt stand und an dem Kinder vor Martini Karpfen angelten. Und von dort aus – schnell hinüber zum Rathaus, in jenen Jahren ja noch mit einer Treppe über das Westportal zugänglich und mit prächtigen Laubengängen verziert. Das wäre sehenswert.

All das hört sich an wie Spinnerei. Oder Szenen aus einer regionalen Neuverfilmung von „Zurück in die Zukunft“. Ja, und irgendwie ist Christian Witts Leidenschaft ja auch ein wenig wie aus dem Science-Fiction-Film. Denn bald jede Minute seiner Freizeit widmet der 39-jährige Kraftfahrer am Computer dem Nachbau eines dreidimensionalen und digitalen Nordhausens von einst. Mithilfe einer Virtual-Reality-Brille soll das Ergebnis später – vielleicht im Museum – auch für andere erlebbar werden, soll die historische Stadt virtuell zu durchschreiten sein. Doch zuvor ist viel zu tun.

Voller Begeisterung deutet Witt auf einen Laptop. Er gibt die Draufsicht des Tonnengewölbes im Rathauskeller preis. „Wenn das Bauwerk im Computer fertig ist, wird texturiert, folgen also Mauerwerk, Schiefer oder Balken. Und Hintergrundgeräusche wie Kutschen auf Pflaster sind auch denkbar“, erläutert er seine nächsten Arbeitsschritte.

Ausgangspunkt seines ambitionierten Projekts sind Bilder und Pläne des Rathauses von 1874. Die werden dann über das 3D-Grafik-Programm „Blender“ nachgebaut. Die Quelle seiner Inspiration stammt aber aus der analogen Welt. Nämlich aus dem Archiv des hiesigen Fotografen und Hobbyhistorikers Markus Veit. Beide, Witt und Veit, scheinen sich gesucht und gefunden. „Als mir Christian von der Idee und den technischen Möglichkeiten erzählt hat, war ich Feuer und Flamme“, sagt der Fotograf, der Witt nun unterstützt.

So habe er neulich das Gemälde des ehemaligen Barfüßerturms bei einer Auktion in England ersteigert, erzählt Veit. Sein Kauf offenbart einen bislang unbekannten Blickwinkel des 1874 abgerissenen Bauwerks. „Durch diese neue Ansicht kennen wir das Gebäude nun aus allen Richtungen und können es nachbauen“, sagt Witt.

Ihr Ziel steht fest: Die historische Altstadt soll digital wieder auferstehen und mithilfe der Spezialbrillen zum Rundgang einladen. „Manche Häuser oder Zimmer könnten sogar begehbar sein“, verrät Witt. Obendrein seien Informationspunkte geplant. Und weil beide sich für ihre virtuelle Realität nicht zwangsweise am Jahr 1874 klammern, sei selbst eine Fahrt in einer Straßenbahn – etwa um 1920 – durch die gut dokumentierte Rautenstraße vorstellbar.

All das braucht viele Arbeitsstunden. Allein für das Äußere des Rathauses habe er sechs Wochen am Computer gebaut, sagt Witt. Er und Veit rechnen daher für ihr Projekt in längeren Zeiträumen, haben aber auch schon eine genaue Vorstellung, wann der optimale Termin für eine Fertigstellung wäre: „Das Stadtjubiläum 2027 wäre cool“, sagen beide und hoffen nun auf Fördergelder oder Sponsoren, um mehr Kraft in das Vorhaben zu bringen. „Schulklassen könnten sich so von Geschichte begeistern lassen. Und das alte Nordhausen bliebe der Nachwelt erhalten.“