Apoldaer Bratwurst am afrikanischen Atlantikstrand

Nouakchott/Herreden.  Durch Auszüge aus seinem Rallye-Tagebuch nimmt der Herreder Michael Samel mit auf Wüstenabenteuer.

Der Herreder Michael Samel macht mit bei einer Rallye durch die Wüste.

Der Herreder Michael Samel macht mit bei einer Rallye durch die Wüste.

Foto: Sandra Arm

„Allen geht es gut, und die Rallye-Teams sind auf dem Weg nach Nouakchott.“ Erleichternde Worte von Katrin Samel. Ihr Mann Michael war mit der Benefiz-Rallye „Dresden-Dakar-Banjul“ für einige Tage in der Sahara unterwegs. Ohne Funkverbindung. Eine beunruhigende Situation. Wieder in der Zivilisation meldete sich der Herreder.

Nur wenige Tage später folgte am Zielort in Banjul ein weiterer Moment der Erleichterung. Zunächst einiges an Geduld: Die mauretanischen Grenzformalitäten dauerten mehrere Stunden. Schließlich musste das Auto wüstentauglich gemacht werden. „Der Reifendruck wurde vermindert, der Unterfahrschutz musste fest sein. Er schützt Ölwanne, Kühler, Tank und andere Teile vor bösen Überraschungen.“

Und dann begann die Action. Die Autos brausten mit bis zu 100 Sachen über Wüstenboden. Am nächsten Tag wurde der Sand tiefer. Und auch das Nordhäuser Team erwischte es an einer eher unspektakulären Stelle. „Meine Mitfahrerin verzichtete auf Allrad. Die Geschwindigkeit war aber zu gering, um den Terracan durch den Sand zu schieben – dann war es das. Motor abgewürgt. Ich habe dann noch versucht, das Auto aus dem Sandloch zu steuern, aber nach einem Meter war Schluss“, berichtet Samel.

Was nun? Erst freibuddeln, dann ziehen. In Summe 20 Mann zogen das Auto mit einem Seil: Rallye-Teamgeist. Anderen zeigte sich die Wüste ebenfalls von der rauen Seite. „Ein Opel Astra fuhr über eine Steinklamotte und hob regelrecht ab. Das hätte böse enden können. Ein anderes Team wollte mit seinem Auto die Düne hoch. Also Anlauf und Vollgas. Der Wagen machte einen Satz und krachte in die Düne“, schreibt Samel ins Tagebuch.

Freude bereitete dagegen der vorletzte Tag in der Wüste: „Er war Entschädigung für alle Probleme.“ Der Tross rollte gen Atlantik. Beim ersten Fischerdorf wurden die Teilnehmer von Kindern umringt. „Ich habe ein paar Plüschtiere verschenkt.“ Zur Feier des Tages gab es ein Festmahl am Strand: Apoldaer Bratwürste, Bratkartoffeln, Whisky und spanisches Bier.

Die nächste Etappe nach der Wüste führte nach Saint Louis in den Senegal: 350 Kilometer, sehr heiß und staubig. Die Straßen teils extrem schlecht. „Man konnte sich aussuchen: durch ein großes Loch oder durch ein anderes großes Loch zu fahren. Die letzten 30 Kilometer waren der Härtetest für Mensch und Material.“

Nach zwei Drittel der Strecke vernahmen die Nordhäuser einen heftigen Knall auf der vorderen rechten Radseite. „Voll in ein Loch. Der Einschlag war so heftig, dass ein Stück von der inneren Kotflügelverkleidung wegflog. Das Vorderrad hatte aufgesessen und das Plasteteil rausgerissen. Der Blinker ist auch aus der Halterung geflogen“, zeigt sich Samel im ersten Moment bestürzt. Ein kurzer Rund-um-Check – und es ging weiter.

Die Schlussetappe nahte und sollte mit etwa 600 Kilometern richtig lang werden. Viel Zeit sparte der Konvoi durch die zu Jahresbeginn eröffnete Brücke nach Banjul. „Die Überfahrt war super“, zeigt sich Samel begeistert. Um 19.30 Uhr war Banjul erreicht. Und dort wartete schon Katrin, die ihren Mann endlich in die Arme schließen konnte. Sie war mit Christiane Winkler-Köhler zwei Tage zuvor per Flugzeug angereist, um das Team zu empfangen, sich über den Fortschritt der Hilfsprojekte ein Bild zu machen und die Spenden zu übergeben.

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