Vor Gericht: Apotheker-Ehepaar fälscht Rezepte in großem Stil - Polizei mit neuen Details

Nordhausen  Bei Prozessauftakt Ende Oktober legten die Beschuldigten ein Geständnis ab. Der zweite Verhandlungstag gibt Einblicke in die Polizeiermittlungen.

Vor dem Nordhäuser Amtsgericht muss sich derzeit ein Apotheker-Ehepaar aus Brandenburg verantworten. Es soll bundesweit gefälschte Rezepte eingelöst haben – auch in Thüringen.

Vor dem Nordhäuser Amtsgericht muss sich derzeit ein Apotheker-Ehepaar aus Brandenburg verantworten. Es soll bundesweit gefälschte Rezepte eingelöst haben – auch in Thüringen.

Foto: Martin Schutt / dpa

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Am Nordhäuser Amtsgericht ist am Montag der Prozess gegen ein Apotheker-Ehepaar wegen Rezeptfälschung fortgesetzt worden. Heike und Manfred K. aus Brandenburg sollen über mehrere Jahre Rezepte gefälscht haben und diese bundesweit in Apotheken eingelöst haben – davon auch in Thüringen. Laut Anklage geht es allein hier um 45 Betrugsfälle, die sich zwischen September 2015 und Mai 2019 zugetragen haben sollen. Betroffen waren unter anderem Apotheken in Nordhausen oder Waltershausen. Die Medikamente sollen anschließend illegal weiterverkauft worden sein. Hilfe bekamen sie dabei unter anderem von einer Angestellten ihrer Apotheke, die ebenfalls mit angeklagt ist. Jennifer R. soll zudem eine Affäre mit dem Angeklagten gehabt haben. Alle drei Beschuldigten sind geständig.

Am zweiten Verhandlungstag wurde eine Nordhäuser Polizistin Claudia G. als Zeugin vernommen. Sie gab dem Gericht einen chronologischen Überblick über die Ermittlungen, die belegen, wie der Betrug vonstatten ging.

Weil die Rezeptfälscher bundesweit agierten, wurde auch mit anderen Dienststellen zusammengearbeitet. Die Zeugin selbst übernahm den Fall im Februar 2016. Zu der Zeit seien durch diverse Kassen immer mehr Anzeigen eingegangen.

Bei einem Großteil der gefälschten Rezepte fiel auf, dass darauf zwar die Patientendaten fingiert waren, „aber die auf den Rezepten aufgedruckte Betriebsstättennummer, die für jeden Arzt zugeschnitten ist, stimmte“. Auf vielen von ihnen war der Paul-Albrechts-Verlag aus Hamburg aufgedruckt. Nachforschungen hätten aber ergeben, dass dieser gar keine Berechtigung dafür hat, in Thüringen solche Formulare zu drucken. „Die hat nur die Firma Swiss Solutions“, klärte Claudia G. auf. Zudem war bei dem Wort Impfstoff eine Lücke zu sehen. „Die gibt es bei den Originalen nicht“, so die Polizistin. Den Ermittlern fiel auf, dass damit normale Medikamente eingelöst wurden. Dazu zählten Insulin oder Asthmaspray. Aber: „Für einen alleine ist das zu viel“, so die Polizistin.

Der Prozess wird am 25. November um 9 Uhr fortgesetzt.

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