Baby geschüttelt: Freispruch für überforderten Vater in Nordhausen

Südharz.  Nach Auffassung des Landgerichtes kann der 29-jährige Südharzer für sein Verhalten nicht bestraft werden.

Ein tragisches Familienunglück aus dem Landkreis Nordhausen war jetzt vor Gericht.

Ein tragisches Familienunglück aus dem Landkreis Nordhausen war jetzt vor Gericht.

Foto: Marco Kneise

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ein Novembertag im Jahr 2015 hat das Leben einer Familie im Landkreis Nordhausen so dramatisch verändert, dass diese schicksalhaften Stunden von vor vier Jahren nun vor dem Mühlhäuser Landgericht verhandelt wurden. Das Baby der jungen Eltern hatte an dem Tag eine sechsfache Impfung erhalten und soll danach heftig geschrien haben.

Der Vater und spätere Angeklagte sollte damals auf das Kind aufpassen. Ihm gelang es allerdings nicht, das Baby zu beruhigen. Irgendwann hat er es laut Auffassung der Staatsanwaltschaft an den Hüften gepackt und einmal „hochgerissen“. Das Kind änderte daraufhin sein Verhalten – es war ruhig und ganz anders.

Im Südharz-Klinikum wurden später allerdings Einblutungen unter der Hirnhaut und in der Netzhaut festgestellt. Das Kind war zunächst im Nordhäuser Krankenhaus untersucht worden und wurde dann in die Universitätsklinik nach Jena geflogen.

Kind wird für immer behindert bleiben

Vier Jahre später begann gegen den mittlerweile 29 Jahre alten Vater nun der Prozess wegen schwerer Körperverletzung. Das Kind ist seitdem schwer körperlich und geistig behindert. Laut Feststellungen im Strafverfahren bleibt es das auch für immer, so die medizinische Diagnose.

Das Landgericht Mühlhausen hat den Vater aus dem Landkreis Nordhausen vom Vorwurf der schweren Körperverletzung freigesprochen. Laut Urteil war der 29-Jährige überfordert, als er vor mehr als vier Jahren sein schreiendes Baby einmal „hochgerissen“ und dabei dessen Kopf nicht festgehalten hatte. Die Staatsanwältin war dagegen von der Schuld des Angeklagten überzeugt und forderte drei Jahre und drei Monate Haft.

Nach Auffassung der Richter war der Mann der Situation jedoch nicht gewachsen, als das Baby nach der Impfung schrie und sich trotz Streicheleinheiten nicht beruhigen ließ. „Ein mehrfaches, heftiges Schütteln“ ist ihm laut Urteil nicht nachzuweisen. Er habe in einer für ihn unbekannten Situation überreagiert, heißt es. Der Angeklagte sei ein überlegter Typ, ohne schnelle Entschlüsse, so die Wertung im Urteil. Er hatte vorher schon einige Male auf sein Kleinkind aufgepasst. Aber die Situation nach der Mehrfachimpfung habe er nicht gekannt und daraufhin versucht, was ihm möglich war. Deshalb habe er „überreagiert“. „Es war ein tragischer Unfall, für den der Angeklagte nicht zu verurteilen ist“, erklärte der Vorsitzende Richter.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren