Baustelle auf Magnetkreuzung bringt Nordhausen lange Staus

Nordhausen  Autofahrer nervt vor allem das zeitgleiche Bauen an neuralgischen Stellen im Stadtzentrum von Nordhausen. Die Polizei hält das für zumutbar.

Bauarbeiter reparieren seit gestern an der Kreuzung von Bahnhof- und Arnoldstraße in Nordhausen die Straße zwischen den Gleisen. Die Folge sind Staus bis in die Hallesche Straße.

Bauarbeiter reparieren seit gestern an der Kreuzung von Bahnhof- und Arnoldstraße in Nordhausen die Straße zwischen den Gleisen. Die Folge sind Staus bis in die Hallesche Straße.

Foto: Marco Kneise

Kopfschütteln, Hupen, erregte Ausrufe, was das denn nun alles solle: Was die vier Männer auf der Magnetkreuzung erleben, ist der pure Zorn des Autofahrers: der Zorn über die schier zahllosen Baustellen in Nordhausen. „Ist ja auch alles gesperrt“, kommentiert der Bauarbeiter Jens Wartewig die Wut derer, die an ihm an diesem Tag vorbeirollen.

Auf der Magnetkreuzung ist seit dem Morgen eine Fahrspur der Bahnhofstraße gesperrt, auch die Bahnhofsbrücke ist dicht. Die Folge sind Staus, im Berufsverkehr von Osten her zum Beispiel weit über die Taschenbergkreuzung hinaus. Manch einer klagte gestern Morgen über 20 Minuten Wartezeit.

Die Stadtwerke reparieren auf der Kreuzung eine Stelle zwischen den Gleisen, die seit vielen Wochen schon mit Leuchtfarbe markiert war. Ein Kabelschacht habe sich hier abgesenkt, auch sei der Schie- nenverguss dort mangelhaft, erklärt Stadtwerke-Sprecherin Franziska Bernsdorf.

Warum aber muss diese Baustelle gerade jetzt sein? Mit Grimmelallee, Rautenstraße, Sangerhäuser Straße und der Helmebrücke an der westlichen Stadtausfahrt hat die Stadt schließlich bereits Baustellen, die dem Autofahrer viel Geduld abverlangen.

Die Stadtwerke-Sprecherin verweist auf die Rautenstraße: Diese Straße könne die Straßenbahnen der Linien 1, 2 und 10 ohnehin bis 24. August nicht befahren, so bieten sich die Bauarbeiten jetzt an. In der Rautenstraße wird allerdings schon seit Juni gebaut – hätte man auf der Magnetkreuzung nicht auch in den deutlich verkehrsärmeren Ferien bauen können? „Die Sperrgenehmigung haben wir erst jetzt von der Verkehrsbehörde erhalten.“ Wann sie beantragt worden sei, dürfe sie nicht mitteilen, das seien Interna.

Die Untere Verkehrsbehörde ist Teil der Stadtverwaltung. Deren Sprecher wiederum ist wichtig zu betonen, dass nicht allein im Rathaus entschieden wird, wo wann gebaut wird, welche Straßen deshalb gesperrt werden. Vielmehr finde sich ein Gremium – auch „Sperrkommission“ genannt – hierfür immer mittwochs im Landratsamt ein, zu dem neben der Unteren Verkehrsbehörde auch die Obere Verkehrsbehörde gehöre, ebenso die Polizei, die Verkehrsbetriebe und etwa der Stadtentwässerungsbetrieb. Das Gremium versuche, die Verkehrsströme zu koordinieren, auf dass es nicht zu „übermäßigen Staus“ kommt. So sei schon jetzt klar, dass während der Sperrung beider Fahrspuren in der Grimmel-allee keine anderen Baustellen möglich sind.

Ob das Koordinieren im aktuellen Fall gelungen sei, vermag der Rathaus-Sprecher nicht zu beantworten. Von der Polizei heißt es hierzu, die derzeitige Konzentration von Baustellen gefalle auch den Behörden nicht, nur habe es „wenig Spielraum“ gegeben. Vor diesem Hintergrund liege ein „machbares Konzept“ vor. Jeder kenne die Baustellen und könne sich zeitlich darauf einstellen. „In anderen Städten gehören derartige Staus zum immer wiederkehrenden Alltag.“

Schon im Juni hatte die Stadtverwaltung das Nebeneinander der Baustellen in Sangerhäuser und Rautenstraße versucht zu erklären: Tiefbaumaßnahmen seien eben nur im Sommer möglich, nicht im Winter. Als geförderte Maßnahme müsse die Rautenstraße noch dieses Jahr gemacht werden. In der Sangerhäuser Straße laufe ein Gemeinschaftsprojekt mit Ver- und Entsorgern, was zu „engeren Zeitfenstern für die Terminierung der Baumaßnahme“ führe.

Dies gelte nach wie vor, so Rathaus-Sprecher Lutz Fischer. Nicht zuletzt seien Ausschreibe- und Vergabeprozeduren und die Haushaltsfreigabe der Stadt zu beachten. Die Magnetkreuzung soll ab Freitag wieder voll befahrbar sein.

Die Bauarbeiten in der Rautenstraße ziehen sich bis Ende Oktober hin, die in der Sangerhäuser Straße dauern bis Ende 2020. Die Grimmelallee wird gar drei Jahre lang eine Baustelle sein. Und solange die Brücke zwischen Nordhausen und Werther noch saniert wird, steht auch Jens Wartewig, der Bauarbeiter von der Magnetkreuzung, nach Feierabend stadtauswärts im Stau.

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