Blei in den Füßen: Wacker Nordhausen verliert Top-Spiel gegen Cottbus

Nordhausen  Wacker Nordhausen verliert nach einer desolaten halben Stunde und späterer Überzahl mit 1:2 gegen Energie Cottbus das zweite Top-Spiel in Folge.

Gleich landet Tobias Hasses Ellenbogen im Gesicht von Christoph Göbel (rechts). Der Cottbuser sieht Gelb-Rot (52.). Doch Wacker konnte die Überzahl nicht nutzen.

Gleich landet Tobias Hasses Ellenbogen im Gesicht von Christoph Göbel (rechts). Der Cottbuser sieht Gelb-Rot (52.). Doch Wacker konnte die Überzahl nicht nutzen.

Foto: Christoph Keil

Zum zweiten Mal in Folge steht Wacker verdient mit leeren Händen da. Gegen Energie Cottbus gab es zuhause ein 1:2 (1:2), das sich die Nordhäuser dank eines desolaten Starts schon in der ersten halben Stunde eingefangen hatten. Felix Müller guckte einigermaßen deprimiert ins Rund, analysierte kurz mit dem Bruder Frank, Sportlicher Leiter bei Konkurrent Meuselwitz, die Pleite. Auch sein drittes Liga-Tor im fünften Spiel hatte nicht gereicht, um wenigstens einen Punkt an diesem gebrauchten Nachmittag mitzunehmen. „Die erste Hälfte waren wir schlecht, hatten noch Glück, nicht höher in Rückstand zu geraten. Nach meinem Tor war nach der Pause wieder alles drin. Doch es fehlte uns dann sogar in Überzahl einfach die Konsequenz vor dem Cottbuser Tor“, so der 22 Jahre alte Innenverteidiger.

Das Spiel begann mit einem veritablen Schockmoment für Wacker und die Mehrheit der 1520 Fans. Borgmann kam völlig unbedrängt aus 25 Metern zum Torschuss. Der Ball, den Glinker wohl spät sah, wurde immer länger und schlug im linken Eck ein. Kurz darauf haute der Ex-Jenaer Felix Brügmann das ­Leder aus drei Metern noch über den Kasten (11.). Als die Cottbuser nach Löhmannsröbens Fehlpass im Mittelfeld Wacker klassisch auskonterten und der Brügmann entspannt abschloss (14.), musste man sich Sorgen um die Wacker-Elf machen. „Das war top, top, top“, feierte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz in der Pressekonferenz die wilde erste halbe Stunde seiner Truppe. Sein Kollege Heiko Scholz hatte seinerseits nur die Worte „absolute Katastrophe“ und „mannschaftliches Total-Versagen“ parat.

Schnellcheck: Wacker schafft trotz Überzahl den Ausgleich gegen Cottbus nicht

Doch die Cottbuser, die erst 45 Minuten vor Spielbeginn im Bus angekommen waren, schalteten einen Gang zurück. ­Wacker erlangte über Standards die Hoheit und hatte Glück, dass der Ball nach Kores-Freistoßflanke zu Müller flipperte. Dieser traf mit dem Halbzeitpfiff. Der richtige Rückenwind für eine erfolgreiche Aufholjagd, mochte man meinen. Als dann noch der Ex-Erfurter Tobias Hasse mit Gelb-Rot vom Platz musste, weil sein Ellenbogen beim Laufduell im Gesicht von Christoph Göbel landete, schien der Ausgleich nur eine Frage der Zeit. Wacker drehte auch auf. Zweimal Kores, der unermüdliche Pichinot und Becker scheiterten aber. Zum Schluss ging den Nordhäusern, bei denen ­Kores nach einem Stoßen gegen den am Boden liegenden ­Brügmann noch die rote Karte sah (88.), die Luft aus.

Scholz kündigt Training und Aussprache an

„Nach der Pause betteln wir um irgendwas“, beschrieb Energies Wollitz die kurze Cottbuser Schwächephase. Doch sein Kollege Scholz blieb bei klaren Worten. „Wir hätten heute noch eine Stunde spielen können und hätten nicht mehr getroffen. Wir hatten Bleifüße . Wenn du so die erste Hälfte verschläfst, kannst du nicht gewinnen“, so Scholz.

Die Formschwäche von Leistungsträgern wie Löhmannsröben, der zur Pause ausgewechselt wurde, oder die Ladehemmung des fleißigen Kammlotts sorgen für Probleme gegen die Topteams der Liga. „Am meisten ärgert mich aber, dass zu Beginn keiner im Team auf der Höhe war. Wir müssen da schnellstens ein anderes Gesicht zeigen. Du darfst jetzt nicht mehr viele Punkte verlieren, sonst landest du schnell im Niemandsland der Tabelle“, sagte Scholz mit ernster Miene.

Zur Sache:

„Wie nach zwei Stunden im Bus“

Nils Pichinot (30), mit acht Toren Wackers bester Torschütze, konnte trotz unermüdlicher Laufleistung dem Spiel gegen Cottbus am Sonntag nicht die entscheidende Wende geben.

War die Hypothek aus der verschlafenen ersten halben Stunde am Ende zu groß?

Das war wie eine schlechte Fortsetzung des Lok-Leipzig-Spiels. Es war, als ob wir zuvor zwei Stunden im Bus gesessen hätten und erst 45 Minuten vor Spielbeginn wie die Cottbuser im Stadion eingetroffen wären. Die Gäste haben das sehr gut gemacht, wir hingegen kamen immer zu spät und hätten da höher zurückliegen können.

Dann aber fiel das Tor. Glücklich, doch zum richtigen Zeitpunkt, oder?

Durch Standards hatten wir Druck in der Box aufgebaut. Der Treffer so kurz vor der Pause kam noch genau richtig. Doch in unserer starken Viertelstunde nach der Pause haben wir den Ausgleich nicht gemacht. Wir haben wieder Moral gezeigt, doch das reicht nicht.

Wie fällt die Bilanz nach einem Saisondrittel aus?

Mit Erfurt waren das zuletzt drei wichtige Spiele. Ein Sieg ist da für ein Team wie unseres klar zu wenig. Wir sollten schleunigst anfangen, wieder Dreier zu holen. Unbedingt jetzt in zwei Wochen in Auerbach. Der Rückstand zur Spitze beträgt schon wieder fünf Punkte und darf nicht weiter anwachsen.

Kommentar: Die Tabelle lügt nicht

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