Bleicheröder erneut deutscher Mountainbike-Meister

Bleicherode.  Christopher Maletz entdeckte seinen Sport vor Jahrzehnten in der Kalistadt und fährt nun weltweit Rennen.

Christopher Maletz war bei der Deutschen Meisterschaft im Cross Country als Titelverteidiger unterwegs.

Christopher Maletz war bei der Deutschen Meisterschaft im Cross Country als Titelverteidiger unterwegs.

Foto: Armin M. Küstenbrück /EGO-Promotion

Es regnet unentwegt. Das Schmatzen unter den Schuhen lässt noch mehr Schlamm vermuten als beim Training auf dem Rad am Vortag. ‘Gute Bedingungen für mich’, denkt Christopher Maletz an diesem Samstagmorgen Ende Oktober vor dem anstehenden Rennen – und er wird Recht behalten: Wenige Stunden später fährt er als Erster über die Ziellinie: Zum zweiten Mal ist er Deutscher Meister in der Mountainbike-Disziplin Cross Country.

Diesen Sport für sich entdeckt hat Christopher Maletz – heute im bayerischen Deggendorf zuhause – in Bleicherode. Hier ist er aufgewachsen, hier hatte er als Neunjähriger sein erstes Rennen beim Vogelberglauf. Die Strecken wurden länger und anspruchsvoller, führten ihn auch bald in die Hainleite, den Harz und den Kyffhäuser. Er liebt die Bewegung in der Natur, mag ebenso das Laufen, Wandern und Skifahren. In den Wettstreit mit anderen aber tritt er im Sattel. „Mountainbiking ist ein komplexer Sport, erfordert Kraft, Ausdauer, eine gute Fahrtechnik“, beschreibt er den Reiz.

Gerade letztere Fähigkeit hilft ihm bei der jüngsten Deutschen Meisterschaft im schwäbischen Obergessertshausen angesichts der extrem schlammigen Verhältnisse. „Nur war ich selten so unschlüssig bei der Reifenwahl“, denkt er an die Stunden vor dem Rennen zurück. Wie beim Motorsport sind die Reifen in ihren verschiedenen Breiten, Profilen und Stabilitäten entscheidend. Mit schmalen Schlammreifen mit breiten Felgen liegt der Ur-Bleicheröder bei der Deutschen Meisterschaft richtig.

Mit seinem Konkurrenten Tobias Kurz kann sich Maletz – dank Meistertitel von 2019 mit Startnummer 1 – schnell vom Feld absetzen. Doch stürzt dieser in der steilsten Abfahrt vor ihm. „Ich prallte gegen sein Hinterrad, was dabei zu Bruch ging und überschlug mich ebenfalls.“ Glücklicherweise bleibt es bei Prellungen und Schrammen an Gesicht und Beinen, Maletz kann im Gegensatz zu Tobias Kurz das Rennen fortsetzen und schnell seinen Vorsprung vergrößern. Nach 60 Minuten hat er elf Kilometer bergauf, bergab hinter sich – und gewinnt.

„Solche Erfolgserlebnisse motivieren“, sagt er und denkt an seinen 4. Platz bei der deutschen U23-Meisterschaft 2005 zurück. Es folgten mehrere Landesmeistertitel, ebenso der des Mitteldeutschen Meisters. Auch an Europa- und Weltmeisterschaften sowie Weltcups nahm der inzwischen 36-Jährige teil. „In Island waren im Juli die Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, in Südafrika waren es im April weit über 30 Grad Celsius bei hoher Luftfeuchtigkeit.“

Die in diesem Jahr coronabedingt abgesagten Europa- und Weltmeisterschaften sind für 2021 sein nächstes Ziel. So diese denn stattfinden, würde er auch dort gern auf einem Medaillenplatz landen.

Bleicherode hat Christopher Maletz nach dem Abitur verlassen. Dem Grundwehrdienst folgte ein Maschinenbaustudium in Jena, anschließend fand er im Automobilsektor in Bayern eine Anstellung. Als Ingenieur hat er einen Bürojob – umso mehr weiß er den Sport als Ausgleich zum Beruf zu schätzen.