Bombenfund: 2500 Menschen am Dienstag in Nordhausen evakuiert

Nordhausen  Einem Bombenfund in Nordhausen folgt am Dienstag die Evakuierung von 2500 Menschen. Auch das Pflegeheim am Marienweg ist betroffen. Um 20.15 Uhr gibt der Sprengmeister Entwarnung.

Insgesamt 240 Kräfte von Johannitern, DRK, Feuerwehr und anderen halfen bei der Evakuierung.

Insgesamt 240 Kräfte von Johannitern, DRK, Feuerwehr und anderen halfen bei der Evakuierung.

Foto: Marco Kneise

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Die Menschenschlange will nicht abreißen am Eingang der Turnhalle auf dem Petersberg: Hierher kann kommen, wer anderswo nicht unterkommt. Und das sind viele Menschen, darunter zahlreiche Migranten wie Krishma Ahmad.

Vor vier Jahren flüchtete die heute 17-Jährige mit ihrer Familie aus Afghanistan, wegen des Krieges – an diesem Dienstag sucht sie Unterkunft in der Turnhalle, weil in Nordhausen ein Bombenblindgänger zu entschärfen ist: gefallen im Zweiten Weltkrieg, 227 Kilogramm schwer, gefunden am späten Vormittag bei Bauarbeiten am Zorgeufer in Höhe der Kyffhäuserstraße.

Es gab wenige Meter entfernt auch zwei weitere Punkte, an denen Blindgänger vermutet wurden. Doch bestätigte eine Untersuchung diesen Verdacht dort nicht.

Stadt schaltet in den Krisenmodus

Gegen 15 Uhr steht fest, dass die gefundene Bombe noch am Abend entschärft werden soll – die Stadt schaltet wieder einmal in den Krisenmodus: Ein Lagezentrum im Bürgerhaus und Evakuierungszentren werden eingerichtet, Straßensperrungen vorbereitet, ein Shuttlebusverkehr wird organisiert.

Während Bürgermeisterin Jutta Krauth (SPD) am Abend im Lagezentrum ihren Dienst tut, ist Oberbürgermeister Kai Buchmann (pl) gegen 19 Uhr bei den Menschen, sieht die Turnhalle auf dem Petersberg mit jeder Minute voller werden. Für 185 Menschen ist Platz hier. Gut möglich, dass auch der Speiseraum der Schule noch gebraucht wird.

Evakuierungsradius von 500 Metern

Wer ankommt, wird am Eingang mit Name und Adresse registriert – für den Fall, dass Angehörige oder Freunde denjenigen suchen. Ihre Häuser verlassen mussten rund 2500 Menschen. Andreas West, Sprengmeister beim Kampfmittelräumdienst Tauber Delaborierung, hatte einen Evakuierungsradius von 500 Metern festgelegt. Das heißt: Er reicht bis hinter die Bahnlinie im Süden, bis zur Straße Hinter dem Hammer im Osten, bis zum Ammerberg im Norden und bis zur Sundhäuser Straße im Westen. Viele Migranten wohnen hier, nicht nur im Heim in der Rathsfelder Straße.

Auch das erst im Juli eröffnete Pflegeheim am Marienweg ist betroffen. 84 Bewohner sind in Sicherheit zu bringen. Außerdem sind 32 Wohnungen zu räumen, wie Einrichtungsleiterin Doreen Apel sagt. Die Pflegeheimbewohner werden ab 17 Uhr in das Pflegeheim in Nordhausen-Nord gebracht, Bettlägerige vorübergehend ins Südharz-Klinikum.

„Hoffen wir, dass niemand zu Schaden kommt“, sagt Waldemar Büchner beim Warten im Heim in Nord. „Hoffentlich kommen wir heute Nacht noch nach Hause“, meint Gisela Apel (84). Sie erlebte den Krieg als Kind. „Aber das habe ich nie an mich herangelassen.“ Nun hört sie die Martinshörner der Rettungskräfte, die in der Stadt unterwegs sind. Zwischen 17 und 19 Uhr soll der Bereich um den Fundort geräumt sein. 240 Kräfte von Feuerwehr, DRK, Polizei, Technischem Hilfswerk und beispielsweise Johannitern sind im Einsatz.

Kurz vor 20 Uhr beginnt der Sprengmeister das Entschärfen

„Ich kam gerade von der Arbeit“, erinnert sich Toni Theuerkauf an jenen Moment, als er als Mitglied des DRK-Sanitätszugs gerufen wurde. Er hilft an diesem Abend dem Pflegeheim. „Alles läuft wie immer. Jeder weiß, was er zu tun hat.“

Ja, schon so oft habe sie in der Zeitung von Bombenentschärfungen und Evakuierungen gelesen – nun betreffe es sie selbst, meint Anni Dreise beim Warten nachdenklich.

Vorigen November war eine Bombe an der Zorge-Brücke in Bielen zu entschärfen, wenige Tage zuvor wurden zwei Blindgänger an der Windlücke gefunden. Mitte Oktober 2018 war es ein Feld im Gumpetal, wo eine Bombe nur 30 Zentimeter unter der Erde entdeckt wurde.

Am Dienstag soll Nordhausen erst am späten Abend zur Ruhe kommen: Ab 18.30 Uhr fliegt ein Helikopter der Polizei mit Infrarot-Kameras den Evakuierungsbereich ab. Kurz vor 20 Uhr beginnt der Sprengmeister das Entschärfen. Es glückt um 20.15 Uhr.

Bombenfund in Nordhausen: Blindgänger erfolgreich entschärft

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