Buchholz: 225 Lastwagen in sieben Stunden

Buchholz.  Ein Dorf ächzt seit Monaten unter der hohen Belastung. Die Bewohner zählen jetzt den Verkehr an ihrer Durchgangsstraße, um konkrete Zahlen zu haben.

Vom Fenster des Bürgermeisterbüros aus zählen 21 Dorfbewohner 19 Stunden lang den Verkehr in der Buchholzer Landstraße. Gudrun Dietrich und Horst Wüstemann haben eine Schicht am späten Vormittag übernommen.

Vom Fenster des Bürgermeisterbüros aus zählen 21 Dorfbewohner 19 Stunden lang den Verkehr in der Buchholzer Landstraße. Gudrun Dietrich und Horst Wüstemann haben eine Schicht am späten Vormittag übernommen.

Foto: Jens Feuerriegel

Es sei nicht länger zumutbar. Thomas Gerlach blickt auf seine Buchholzer Landstraße: „Hier geht alles kaputt“, ärgert sich der parteilose Ortsteilbürgermeister. Vielen Anwohnern sei der Geduldsfaden schon gerissen.

Das Dorf ächzt seit Monaten unter der hohen Belastung. Nicht nur die Straße leidet. Auch die Gosse und die Bürgersteige. Schäden sind schon da. Und es werden immer mehr. Begegnen sich Lastwagen im Ort, ist es schnell sehr eng auf der Straße. Es sei beängstigend, sagen die Anwohner.

Nach einem Erdfall ist noch immer die Hauptstraße in Breitenstein für Schwerlasttransporte gesperrt. Die offizielle Umleitung führt über Harzgerode und Auerberg. Aber die Lastwagenfahrer wählen auf ihrem Weg zum Holzwerk in Rottleberode lieber kürzere Strecken. Eine Route führt durch Buchholz.

Es ist eine Durchgangsstraße. Damit müssen die Anwohner leben. Und das können sie normalerweise auch. „Aber so extrem wie dieses Jahr war es noch nie“, betont Gudrun Dietrich. Vor allem die Holztransporte haben mächtig zugenommen. Weil die Wälder im Harz von Dürre und Borkenkäferbefall betroffen sind, hat die Forstwirtschaft bei der Holzernte sowohl das Tempo als auch die Masse erhöht.

Donnern die Lastwagen durchs Dorf, beben die Häuser. „Bei uns wackelt alles“, berichtet Horst Wüstemann. Und der permanente Lärm zerre an den Nerven. Vom Hoftor zur Straße sei es nur ein Meter, schildert der 65-Jährige. Da müsse man stets höllisch aufpassen, dass man nicht umgefahren wird.

Die Dorfbewohner wollen nicht tatenlos zusehen. Sie organisieren eine eigene Verkehrszählung. „Wir wollen einfach mal belastbare Zahlen“, erklärt Thomas Gerlach. Deshalb nehmen 21 Buchholzer an diesem Mittwoch die Mühe auf sich. Sie wechseln sich ab. So können sie 19 Stunden lang von 4 bis 23 Uhr die Strichlisten führen. Die Freiwilligen sitzen am Fenster im Büro des Bürgermeisters und beobachten den rollenden Verkehr auf der Buchholzer Landstraße. Aus beiden Richtungen.

„Ja, das ist nur eine Stichprobe“, sagt Gerlach. „Aber wir haben dann endlich mal feste Zahlen. Mit denen will ich zur Polizei und zu den Straßenverkehrsbehörden gehen, um noch einmal auf unser Problem aufmerksam zu machen.“

Die ersten sieben Stunden sind vergangen. 721 Autos sind schon durch Buchholz gerollt. Und zudem 225 Lastkraftwagen, von denen 61 Holztransporte sind.

Gerlach weiß: Hinter verschlossenen Türen werde in den zuständigen Ämtern über die Probleme mit den vielen Holzlastern gesprochen. Aber es tut sich nichts.

„Wir wollen keine gesperrte Straße“, unterstreicht der Ortsbürgermeister. „Aber wenigstens eine Begrenzung auf Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen.“ Thomas Gerlach ahnt schon jetzt: „Der Tag wird kommen. Dann steht die Stadt Nordhausen da und weiß nicht, woher sie das Geld nehmen soll, um die Schäden zu reparieren.“ Aber sie sei in der Pflicht. Denn die Stadt ist hier der Straßenbaulastträger.

Die Buchholzer schauen nach Breitenstein. Aber dort bleibt die Hauptstraße für den Schwerlastverkehr weiterhin gesperrt. „Auf unbestimmte Zeit bis zum Ersatzneubau, voraussichtlich 2021“, verkündet die Kreisverwaltung von Mansfeld-Südharz auf ihrer Homepage.