Bürgermeisterwahl in neun Ortschaften: In der Landgemeinde Bleicherode bewerben sich zehn Kandidaten

Bleicherode  In der Landgemeinde Bleicherode bewerben sich zehn Kandidaten. Ein Duell gibt es nur in Obergebra. Fünf Amtsinhaber treten wieder an.

Symbolbild.

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Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

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Am 26. Mai steht den Bürgern der Landgemeinde Bleicherode ein Wahlmarathon bevor. Zu wählen sind nicht nur Europaparlament und Kreistag. Vielmehr ist auch der Landgemeinde-Bürgermeister zu wählen – einziger Kandidat ist Frank Rostek (CDU).

Außerdem muss sich der neue 34-köpfige Landgemeinderat konstituieren. Alle 14 Ortschaften bekommen einen neuen Ortschaftsrat. Die bisherigen Bürgermeister bleiben grundsätzlich in ihrem Amt, bis ihre reguläre Amtszeit abgelaufen ist.

Doch gibt es Ausnahmen, und zwar immer dann, wenn es Änderungen in der Gebietsstruktur gab: In Bleicherode ist dies der Fall, wo die früheren Ortsteile Elende und Obergebra nun den Charakter einer Ortschaft haben, mit der etwas mehr Rechte einhergehen. Aus der früheren Gemeinde Nohra gingen die Ortschaften Nohra, Mörbach und Wollersleben hervor, aus der Gemeinde Wolkramshausen die Ortschaften Wernrode und Wolkramshausen.

Auszählung der Stimmen um 18 Uhr

Initiiert hatte diese Änderung der Mörbacher Gemeinderat Kay Wagner (pl). „Wir Mörbacher wollten auf Augenhöhe mit den anderen Orten in die Landgemeinde eintreten“, blickt er zurück.

In Etzelsrode schließlich braucht es einen neuen Ortschef, da Sandra Echtermeier mit Aufnahme einer Tätigkeit in der Bleicheröder Stadtverwaltung ihr Amt als Bürgermeisterin vorfristig aufgab.

Noch bis Juni 2021 geht die Amtszeit der Ortschafts-Bürgermeister von Wipperdorf, Kleinbodungen, Hainrode, Kraja, ebenso die der Bürgermeister der selbstständigen und von der Landgemeinde nur erfüllten Gemeinden Niedergebra, Kehmstedt, Lipprechterode, Großlohra und Kleinfurra. In Friedrichsthal wird erst 2023 neu gewählt.

Gewählt ist derjenige, der die meisten Stimmen bekommt. Wo es nur einen Kandidaten gibt, kann ein weiterer Name auf den Stimmzettel geschrieben werden – man muss sich also nicht mit dem einen Kandidaten auf der Liste zufriedengeben.

Am Wahltag selbst beginnt die Auszählung der Stimmen um 18 Uhr. Laut Vorschriften werden die Wahlzettel zu den Ortschaftsbürgermeisterwahlen nach Europa- und Landgemeinde-Bürgermeisterwahl ausgezählt, sagt Bleicherodes Wahlleiter Roy Becker.

Wernrode

Heiko Karthäuser (pl ): Der Vermessungstechniker, derzeit angestellt beim Abwasserzweckverband Goldene Aue, war schon drei Wahlperioden Mitglied des Wolkramshäuser Gemeinderats. „Als östlichster Zipfel der neuen Landgemeinde wollen wir nicht ganz und gar in Vergessenheit geraten“, beschreibt der 48-Jährige seinen Anspruch, als Stimme von Wernrode Gehör finden zu wollen.

Nach Plänen für seinen 223-Einwohner-Ort gefragt, berichtet Heiko Karthäuser vom geplanten Spielplatz, Baubeginn soll eventuell schon in diesem Jahr sein. Der Kanalbau stehe auch noch in einigen Straßen an, deshalb müsse man in Sachen Straßenbau etwas Geduld haben. Der Erhalt der dörflichen Strukturen sowie der Sitten und Bräuche liegt dem Wernröder nicht zuletzt am Herzen.

Mörbach

Kay Wagner (pl ): Der selbstständige Landwirt wäre seit Jahrzehnten der erste Bürgermeister von Mörbach überhaupt, kommunalpolitisch ist er seit zwei Jahrzehnten aktiv, und zwar im Gemeinderat von Nohra, zu dem Mörbach bis zur Landgemeinde gehörte.

Nachdem es bereits gelang, in einigen tausend Stunden Eigenleistung eine neue Feuerwehr-Fahrzeughalle zu bauen, soll es nun gelingen, die ehemalige Gaststätte zu sanieren, kündigt Kay Wagner als wichtigstes Vorhaben im Falle seiner Wahl an. Das Backsteingebäude – vor Jahrzehnten auch als Schule genutzt – hatte die Kommune in der vergangenen Woche erst gekauft. Untergebracht werden könnten darin ein Ortschaftsraum, Zimmer für die Feuerwehr sowie ein Jugendklub. „Zehn Kinder im Dorf sind in dem Alter“, so Wagner.

Etzelsrode

Nicole Lütge (pl ): Die zahnmedizinische Fachassistentin führt den Ort schon seit Oktober vorigen Jahres, nachdem Sandra Echtermeier Angestellte der Bleicheröder Stadtverwaltung wurde. Zuvor war Lütge seit Anfang 2011 die erste ehrenamtliche Beigeordnete. 2009 war sie über die Wählergruppe Brandschutz in den Gemeinderat gewählt worden.

Die 41-Jährige will sich dafür einsetzen, dass der Zusammenhalt im Ort weiter so stark ist, das Vereinsleben so gut weiterläuft. Ein großer Wunsch von ihr ist, dass die Feuerwehr wieder einsatzfähig wird, also deren Einsatzkräftezahl wieder steigt. „Dann würde die Wehr vielleicht auch mit neuer Ausrüstung ausgestattet werden.“ Das vorhandene Feuerwehrfahrzeug stammt aus dem Jahr 1959, ist als nicht einsatzfähiger Oldtimer beim Heimatverein in guten Händen.

Obergebra

Michael Stoff (pl ): Der Requisiteur am Nordhäuser Theater hat sich zur Kandidatur gegen Frank Saalbach entschlossen, nachdem Obergebraer wie auch Mitglieder der Linken ihm dies ans Herz gelegt hatten. Für die Linke sitzt Michael Stoff seit 2007 im Bleicheröder Stadtrat, im Gemeinderat beziehungsweise Ortsteilrat von Obergebra ist der 49-Jährige seit 1999 aktiv.

Die Leistung Saalbachs schätzt Stoff, will entsprechend auf das Bestehende aufbauen und einige Akzente setzen: „Es fehlt irgendwie Wirtschaft im Ort“, sagt er mit Blick auf das Gewerbegebiet mit „der am Boden liegenden Solaranlage“. Er verspricht ein „hohes Maß an Transparenz gegenüber dem Bürger“, versteht das Amt weniger als Chef denn als „Diener“. In der Landgemeinde will er als „starke Stimme für den kleinen Ort Obergebra“ auftreten.

Wollersleben

Mechthild Stüwe (pl ): Die in einem Ingenieurbüro tätige Stadtplanerin ist „erblich vorbelastet“: Ihr Vater Wolfgang Stüwe war bis 2010 Bürgermeister von Nohra, also der Vorgänger von Uwe Wenkel. Im Gemeinderat von Nohra, zu dem Wollersleben bis Ende 2018 gehörte, wirkte Mechthild Stüwe eine Legislaturperiode lang.

Die 47-Jährige hat sich vorgenommen, das Dorfgemeinschaftshaus zu erhalten und es noch attraktiver zu machen. „Wichtig ist auch, den Zusammenhalt im Dorf zu erhalten und die Dorfgemeinschaft zu stärken.“ Mechthild Stüwe ist selbst aktives Mitglied der örtlichen Feuerwehr, hilft darüber hinaus auch gern allen anderen Vereinen, so beispielsweise dem Sportverein Blau-Weiß oder jüngst den Karnevalisten bei der Feier des 50-jährigen Vereins­bestehens.

Wolkramshausen

Daniel Braun (pl): Mit nur 29 Jahren wurde der Polizist und damalige Jugendfeuerwehrchef 2016 Bürgermeister, ohne dass er zuvor kommunalpolitisch aktiv war. Das will er auch bleiben. In der Liste seiner Ziele ganz oben steht, die Verwaltung am Standort Wolkramshausen zu halten. Gleiches gilt für den Bauhof: Sowohl in Wolkramhausen als auch in den umliegenden Ortschaften müsse dieser erhalten werden. Überhaupt will er die Umsetzung des Landgemeindevertrages einfordern.

Die Feuerwehr soll ein neues Gerätehaus gebaut bekommen. Mit den Kulturmitteln der Landgemeinde sollen die Vereine unterstützt werden. Auch strebt Braun an, gemeinsam mit anderen Orten als Planungsgemeinschaft vom Topf der Dorferneuerung profitieren zu können. Und das Nohraer Freibad gelte es zu unterstützen.

Obergebra

Frank Saalbach (CDU): Der selbstständige Kaufmann ist schon seit 1994 Mitglied bei den Christdemokraten, zog 1999 für sie in den Obergebraer Gemeinderat, 2011 in den Bleicheröder Stadtrat, wo er dem Bauausschuss vorsitzt. Seit 15 Jahren leitet er als Bürgermeister die Geschicke Obergebras.

Seine Arbeit will er fortsetzen, aufbauen will er auf Erfolgen, zu denen er den Anschluss ans schnelle Internet und den Bau des Dorfgemeinschaftshauses zählt. Um jungen Familien gerecht zu werden, will er weitere neue Bauplätze schaffen. Die beiden bestehenden Spielplätze sollen durch Investitionen aufgewertet werden. „Als Ortsteil von Bleicherode war uns das nur schwer möglich“, so Saalbach mit Blick auf die Haushaltslage der Stadt. Pflegen wolle er das Prinzip der Bürgernähe, kurze Wege seien ihm wichtig.

Elende

Magnus Englert (pl): Sein Geld verdient er als Lehrer am Bleicheröder Gymnasium, seine Freizeit verbringt er zu nicht unwesentlichen Teilen in der Rosenkirche von Elende: Hier zieht er täglich die 2004 wiederentdeckte und restaurierte Turmuhr von Hand auf. Trotzdem: Zeit für das Ehrenamt des Bürgermeisters hat er seit 2014 auch noch. Im selben Jahr wurde der gebürtige Hamburger zudem Stadtratsmitglied in Bleicherode. „Nach der Wahl halte ich mit den vier gewählten Ortschaftsräten Rat.

Zum jetzigen Zeitpunkt stehen bei mir infrastrukturelle Maßnahmen wie die Erneuerung von Gehwegen und Laternen sowie die Erweiterung des Spielplatzes ganz oben auf der Agenda. Aber auch eine Verschönerung der Bushaltestelle und das Aufstellen von Sitzbänken sollen ins Auge gefasst werden“, so Englert.

Nohra

Uwe Wenkel (pl): Der gelernte Heizungsinstallateur und als Zeltverleiher selbstständige Unternehmer ist eine kommunalpolitisch wichtige Stimme der Hainleite: Über die FDP-Liste will er es wieder in den Kreistag schaffen, er kandidiert ebenfalls auf der Liste der Liberalen für den Bleicheröder Landgemeinderat, will Bürgermeister von Nohra bleiben, wenngleich Mörbach und Wollersleben nun eigene Ortschaften sind.

Bürgermeister ist Wenkel seit 2010, das will er bleiben. Denn das Erreichte solle nicht „den Bach runtergehen“, sagt er etwa mit Blick auf den Erhalt des Freibads oder auf das Dorf- und Vereinsleben. Wichtig ist Uwe Wenkel, dass der positive Trend bei der Feuerwehr anhält. „Wir haben wieder viele Jugendfeuerwehrleute und viele um die 20, die bereit sind, die nötige Ausbildung zu machen.“

Bleicherode

Frank Rostek (CDU): Der Rechtsanwalt wurde 2006 Bürgermeister der Kalistadt, will dies bleiben, ist Bleicherode nun auch eine von 14 Ortschaften der neuen Landgemeinde. Als Landrat zu kandidieren, lehnte er stets ab, das Kreistagsmandat genügt ihm. Seine Ziele: eine positive Entwicklung der Landgemeinde, die Entwicklung der neu strukturierten Verwaltung in­ Wolkramshausen und Bleicherode als „qualifizierter Ansprechpartner“, der Kampf um eine „auskömmliche finanzielle Ausstattung“ der Landgemeinde, die Vermarktung der Vorzüge der Region in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Natur und Landwirtschaft.

Die Landgemeinde solle eine Region sein, die sich den Herausforderungen wie der Digitalisierung und der modernen kommunalen Infrastruktur (Schulen, Bäder, Straßen, Grundversorgung) stellt.

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