Bundesministerin besucht Bleicherode

Bleicherode  Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) reagiert in Bleicherode sehr vehement auf die Klagen von Landwirten.

Carolin Gerbothe (CDU), Landtags-Direktkandidatin im Kreisgebiet, bekam am Dienstag in der Alten Kanzlei von Bleicherode Wahlkampfunterstützung von Bundesministerin Julia Klöckner (CDU).

Carolin Gerbothe (CDU), Landtags-Direktkandidatin im Kreisgebiet, bekam am Dienstag in der Alten Kanzlei von Bleicherode Wahlkampfunterstützung von Bundesministerin Julia Klöckner (CDU).

Foto: Kristin Müller

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Beide kommen aus Familien mit einem Landwirtschaftsbetrieb. Die eine war Deutsche Weinkönigin, die andere Thüringer Milchkönigin. Beide trieb es in die Politik: Julia Klöckner stieg zur CDU-Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucheschutz auf, Carolin Gerbo­the will es mit gleichem Parteibuch in den Thüringer Landtag schaffen.

Listenplatz 10 dürfte ihr Sicherheit geben – und doch: Die 27-Jährige kämpft um das Direktmandat. Schützenhilfe gibt ihr Klöckner gern als Gast bei einer Diskussion gestern in der Alten Kanzlei von Bleicherode. Gerbothe hat sich den „ländlichen Raum“ zum Thema gemacht, will diskutieren, welche Weichen die Politik für eine positive Zukunft des Fleischer- und Bäckerhandwerks stellen müsste. Ausgerechnet in jener Stadt, in der eine Großbäckerei jährlich Millionen Brote und Brötchen produziert.

Nun, das Bäckerhandwerk thematisiert ein Gast in der letzten Frage der Debatte. Es dominiert die Landwirtschaft in der einen Stunde.

Die Berliner Ministerin findet markige Worte gegen jene, die zugunsten der Bienen Pflanzenschutzmittel komplett verbieten wollen: „Diese Leute gehen dann nicht in den Supermarkt und hätten gern Salat mit Schädlingen drin.“ Ebenso gegen jene, die die Massentierhaltung brandmarken und dann „Fleisch von Tieren wollen, die nie geschlachtet wurden“.

Vereinnahmen aber lässt sich Klöckner nicht von der konventionellen Landwirtschaft. Im Gegenteil: Leidenschaftlich reagiert sie auf deren Klagen, zeigt klare Kante: „Die Branche schadet sich mit ihrem Protest selbst.“ Lothar Wagner, Mörbacher Landwirt in Ruhestand, hatte gefragt, wie lange die Politik die Landwirtschaft noch „mit Gesetzen und Verboten gängelt“. Es folgten die Stich-Worte Gewässerrandstreifen, Insektenschutz, verschärfte Dünge-Verordnung. Letztere, meinte ein Eichsfelder Landwirt, sei „wie eine stille Enteignung durch die Hintertür“. Die Landwirtschaft „als größter Flächeninanspruchnehmer habe Auswirkungen auf die Umwelt“, kontert Julia Klöckner. Die Nitratbelastung des Grundwassers müsse sinken. „Wir Deutsche sind die allerletzten in Europa, die die europäische Nitrat-Richtlinie umsetzen.“ Geschehe das nicht, würden Strafzahlungen von täglich 800.000 Euro drohen. „Und die ziehe ich dann ab von den jährlichen 4,1 Milliarden Euro, die zurzeit für die soziale Sicherung der Landwirte bereitstehen.“ Das vom Lohnunternehmer Tobias Becker angesprochene Glyphosat-Verbot ab 2023 erklärt Klöckner kurz: Zwar gebe es keine valide Studie, die dessen Krebserregung eindeutig nachweise. Doch sei Glyphosat „ein totes Pferd, die Akzeptanz ist nicht da“.

Die Landwirtschaft werde beim Umwelt- und auch speziell beim Insektenschutz gefragt sein. Dass die Bauern demon­strieren, sei schon zu ihres Opas Zeit so gewesen: „Das Ende der Landwirtschaft war immer. Aber wir müssen die Kirche im Dorf lassen, sonst müssen Sie sich nicht wundern, wenn Ihre eigenen Kinder keine Lust mehr auf Landwirtschaft haben.“ Mit ihrem Protest schade sich die Landwirtschaft letztlich selbst. Die Branche müsse „aus der Opferrolle herauskommen“ und einsehen, dass keine Generation auf ewig den „Endstand der Kompetenz und Einsicht“ habe.

Julia Klöckner plädiert für einen „Gesellschaftsvertrag zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern“. Wertschätzung für erstere wachse mit dem Wissen.

Schließlich kommt der Frömmstedter Bäcker Matthias Bergmann zu Wort. Er spricht sich für mehr Kooperationen von Landwirten als Erzeugern und Bäckern und anderen Handwerkern als Verarbeitern aus. Klöckner pflichtet ihm bei: Für regionale Produkte seien die Leute bereit, etwas auszugeben.

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