Das Kirchenjahr wechselt

Der Christusdorn von Edmund Döring, Diakon i.R. und Hospizbegleiter

Edmund Döring ist Hospizbegleiter.

Edmund Döring ist Hospizbegleiter.

Foto: Hans-Peter Blum

Das Kirchenjahr geht mit dem Ewigkeitssonntag – beziehungsweise dem Christkönigssonntag in der katholischen Kirche – zu Ende.

Mit wie vielen Erwartungen sind wir im Advent 2019 in das neue Kirchenjahr eingetreten? Vielleicht mit dem Liedvers von Dietrich Bonhoeffer auf den Lippen: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Mit wie vielen Enttäuschungen beenden wir nun das Kirchenjahr? Die große Frage steht, ob Gott wirklich mit seinen guten Mächten bei uns war oder uns verlassen hat! Wie ein Stachel hat sich ein Virus in unser aller Lebensgefühl eingenistet und unser Zusammenleben schmerzhaft verändert. Worauf sollen wir nun hoffen und bauen? In ganz neuer Weise sind wir herausgefordert, Wege für unsere zwischenmenschlichen Begegnungen zu suchen und der Frage nachzugehen, wer dieser geheimnisvolle Gott ist und wie wir Menschen zu ihm stehen.

Dabei ist die Gemeinschaft der Christen und aller Suchenden, egal welcher Religion, Konfession oder Lebenssicht sie angehören, unendlich wichtig.

Wir brauchen Mitmenschen, mit denen wir unsere Fragen und Sorgen, unseren Glauben und unsere Zweifel in guter Weise besprechen können. Vielleicht finden wir einen Verbündeten in dem, der mit einer Dornenkrone auf dem Haupt genau auch diese Frage Gott entgegengeschrien hat: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ So wird der Kirchenjahresswechsel diesmal ein ganz anderer sein. Seien wir einander Wegbegleiter, damit wir Wege finden, die durch die Dunkelheiten des Lebens in eine lichtvollere Zukunft führen.

In diesem Sinne: Ein gesegnetes neues Kirchenjahr.