Die Sachsen waren es nicht

Niedersachswerfen.  Es bestehen Zweifel: Soll es wirklich ein viel älteres Obersachswerfen ohne Niedersachswerfen gegeben haben?

Niedersachswerfen aus der Vogelperspektive.

Niedersachswerfen aus der Vogelperspektive.

Foto: Marco Kneise

Es war 2008. Da feierte Niedersachswerfen sein 800-jähriges Bestehen. Ein amtliches Exposé zum Wappen des Dorfes existiert seit 1996. Das sagt aus, dass der Ortsname auf die Sachsen zurückgeht, die einst hier gründeten. Oft wird das auch an anderen Stellen in der Literatur und in Chroniken behauptet.

Mit den Sachsen ist ein germanischer Stamm gemeint, der einst im Norden des heutigen Deutschlands ansässig war. Dieser germanische Sachsen-Stamm hat nicht viel mit den heutigen Sachsen zu tun. Und womöglich eben auch nichts mit der Gründung von Niedersachswerfen.

In der näheren Umgebung finden sich auch die Ortschaften Obersachwerfen und Bad Sachsa. Zudem gibt es den alten Sachsengraben. Alles mit einem „Sachs“ als zuordnender Bestandteil im Wortstamm.

Dabei verwundert doch ein historischer Umstand: Soll es wirklich ein viel älteres Obersachswerfen (seit 800) ohne Niedersachswerfen (1208) gegeben haben?

Der Verdacht liegt nahe, dass Niedersachswerfen 400 Jahre älter ist als bisher angenommen. Die These wird durch jüngste Erkenntnisse von Wissenschaftlern unterstützt.

Der bekannte Namenforscher Jürgen Udolph sagt klar, dass sich Niedersachswerfen nicht auf eine Niederlassung der Sachsen oder auf Niedersachsen begründet.

Obersachswerfen soll, man findet in den alten Quellen Bezeichnungen wie Saswerfe, Saswerpe, Saßwerfen, bereits um 800 benannt sein. Also in einer Zeitperiode, in der es verschiedene Umwälzungen und kriegerische Auseinandersetzungen gegeben hat.

Niedersachswerfen ist angeblich erst 1208 erstmals erwähnt, wobei ja das Riesenhaupt (noch heute mitten im Ort zu finden) schon 1187 den Herren von Sachswerfen zugeordnet wird. Ob es wirklich so gewesen ist, dass erst ein Ober- und dann 400 Jahre später ein Niedersachswerfen nach dem Vorläufer benannt wurde, kann man nicht genau sagen.

Sahsa aber, gesprochen mit hartem S, hatte im germanischen auch die Bedeutung des Steins (im Lateinischen Saxum „Fels“). Neben dem „Stein“ soll ein „-werf“ nach Meinung der Gelehrten auch so etwas wie einen Aufwurf bedeuten können. Und der existiert bei Niedersachswerfen. Eine Zuordnung könnte, da aufgeworfen von Menschenhand, zum Riesenhaupt (Bodendenkmal) oder auch zur Wallburg Faciusgraben gegeben sein. Wobei Letzterer diesen Namen sicherlich erst durch die Christianisierung erhalten hat.

Steine, Aufwerfungen und ein Bach mit Steinen – es gibt mehrere hier. Wieso aber Ober- und Niedersachswerfen sowie Bad Sachsa? Wiederum als These: Die Orte könnten zu dem Sahsa-Gebiet gehört haben. Vielleicht waren es die Grenzpunkte. Gesichert durch Aufwerfungen.

Auch Obersachswerfen hat solch eine Aufwerfung. Vielleicht war es ein temporärer Grenzverlauf vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung tatsächlich mit Verbündeten der Sachsenstämme.

Nun, welche Meinung sich auch als begründet herausstellt. In der Umgebung finden wir noch Relikte aus uralter Zeit, wie das Riesenhaupt oder den Faciusgraben, die einst eine wichtige Rolle für unsere Vorfahren gespielt haben. Einiges davon wird für immer im Dunkeln bleiben.