Doppelkapelle auf Burg Lohra weist erhebliche Risse auf

Großlohra (Kreis Nordhausen). Mit einem Brief hat sich der renommierte Historiker Peter Kuhlbrodt noch am Sonntag an die Denkmalbehörde gewandt. Für ein nationales Kulturgut, die romanische Doppelkapelle auf der Burg über Großlohra, sieht er Gefahr im Verzug.

An der romanischen Doppelkapelle der Burg Lohra – ein Denkmal von nationaler Bedeutung – werden die Risse immer breiter, etwa an der Ostseite der Kapelle. Foto: R. Obst

An der romanischen Doppelkapelle der Burg Lohra – ein Denkmal von nationaler Bedeutung – werden die Risse immer breiter, etwa an der Ostseite der Kapelle. Foto: R. Obst

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"Beim heutigen Besuch hat mich der Zustand der Doppelkapelle bestürzt. Der tiefe Riss an der Rückseite ist noch breiter geworden, ebenso ein Riss an der Schmalseite zum Hof hin. Auch am sogenannten Pferdestall links zum Torhaus hin sieht es sehr böse aus; eine Mauer steht kurz vor dem Einsturz", berichtet er. "Fensterscheiben der Doppelkapelle sind zerbrochen. Das Innere ist seit der Wendezeit unverändert, das heißt, es sieht jetzt viel schlechter aus: Risse in Decke und Wänden."

Kuhlbrodt hofft, dass sich das Amt möglichst schnell einschaltet. Doch die Zugriffsmöglichkeiten sind gering. Denn das gesamte Burggelände gehört dem Verein "Offene Häuser" (wir berichteten mehrfach). Auf Anfrage vertröstet uns Vereinschef Bert Ludwig auf Dienstag. Thomas Nitz von der Denkmalpflege wird den Brief wohl erst nach seinem Urlaub, also frühestens am 30. Oktober, lesen. "Stünde die Kirche in Nordhausen, wären bereits alle Hebel in Gang gesetzt", ist Kuhlbrodt überzeugt. Mit einigen anderen Enthusiasten, allen voran Clara Döring, die auf Lohra wohnte, hatte er in den 70er- und 80er- Jahren unter widrigsten Bedingungen die Burg erhalten. Umso mehr ärgert sich der langjährige Nordhäuser Stadtarchivar nun, dass dem Verein in seinem Info-Material diese Geschichte und die Ehrenbürgerin Döring so wenig wert sei und aus seiner Sicht sogar falsche Behauptungen aufgestellt würden. Es sei gelogen oder aus dem Zusammenhang gerissen, dass die Burgbrücke in Wendewirren abgerissen wurde, Dachstühle und Dächer zusammengebrochen waren, im Burghof landwirtschaftliche Maschinen und Fässer mit Pflanzenschutzmitteln vor sich hinsiechten. Clara Döring habe sich sogar um kulturelle Höhepunkte bemüht. Kuhlbrodt erinnert sich an Auftritte des Espach-Chores aus Erfurt auf dem Burghof.

In seiner Kritik geht er weiter: "Wir haben auf der Burg junge Leute angetroffen, die dort irgendwelche Seminare oder Praktika absolvieren. Sie mähen Gras und halten das Gelände sauber, sind aber meines Erachtens nicht in der Lage, wirkliche Denkmalpflege zu betreiben." Für ihn steht fest: "Die Doppelkapelle ist in ihrem Bestand gefährdet." In den zurückliegenden acht bis zehn Jahren sei "nichts wirklich Entscheidendes" geschehen. Auf seiner Internetseite führt der Verein allerdings zahlreiche Aktivitäten bis 2008 auf, darunter den Neubau der 1990 fast vollständig abgerissenen Brücke zur Kernburg. Kuhlbrodt meint, der Abriss sei als ganzes Konzept erfolgt. Nun möchte er gern wissen, wie es weitergehen soll. Vielleicht gibt es am Dienstag darauf eine Antwort.

Wenn Sie Erinnerungen an Clara Döring oder die Burg Lohra haben, schicken Sie uns diese bitte an nordhausen@ thueringer-allgemeine.de