Dürre lässt Rotbuchen in Ilfeld sterben

Ilfeld.  Der Burgberg in Ilfeld ist als einziges Waldgebiet im Südharz seit Monaten gesperrt.

Der Blick aus der Vogelperspektive auf den Burgberg mitten in Ilfeld.

Der Blick aus der Vogelperspektive auf den Burgberg mitten in Ilfeld.

Foto: Marco Kneise / Archiv

Die Buche stirbt. Ihr Tod bereitet in Ilfeld Probleme. Deshalb ist der Burgberg für Spaziergänger gesperrt. Dieses Harztor-Areal ist das einzige Waldgebiet im Südharz, das seit Monaten nicht betreten werden darf.

Schuld ist die Dürre der vergangenen Jahre. Die Trockenheit setzt den Bäumen zu. „Geschwächt sind alle“, sagt Gerd Thomsen, Leiter des Südharzer Forstamtes, beim Blick auf den Ilfelder Burgberg. Als die Fachleute vergangenes Jahr den dortigen Baumbestand kontrollierten, zählten sie 110 hölzerne Gefährder. Es waren vertrocknete Bäume, die bei jedem Windstoß mit herabstürzenden Ästen drohten. Die Gemeinde reagierte sofort. Sie untersagte das Betreten des Waldes und stellte entsprechende Warnhinweise auf. Bedauerlich, aber alternativlos.

Das Verbot wirkt sich aus. Für Ilfelder Naturfreunde ist der Aktionsradius fortan eingeschränkt. Der Waldkindergarten muss ausweichen. Und der zwei Kilometer lange Harzer Sagenpfad ist nach acht Jahren notgedrungen wieder abgebaut worden. Seitdem ruhen all die Zwerge, Riesen und das Gänseliesel in großen Pappkartons.

Die meisten Dorfbewohner haben Verständnis für die bewaldete Sperrzone. Mit dem Ilfelder Mühlberg und der Langen Wand gibt es zum Glück andere Möglichkeiten, Aufenthalte im Wald zu genießen. Doch das weitere Schicksal des Burgberges ist vielen Ilfeldern nicht gleichgültig, weil sie ihn als den Hausberg ihres Heimatdorfes betrachten. Er ist schon sehr markant – inmitten der Ortslage.

Und das Terrain ist historisch wertvoll. Auf dem Gipfel des Berges stand im Mittelalter die Burg des Grafen Elger – die Ilburg. Noch heute bezeugen einige Mauerreste, Gräben und Wälle deren Existenz.

Eine Eiche kann kaum etwas erschüttern. Die hält viel aus. Doch erkrankt die Buche, dann stirbt sie auch relativ schnell ab. „In kurzer Zeit kann der Baum gefährlich werden. Er fault sehr schnell“, erklärt Gerd Thomsen. Dem Prozess müssen die Forstarbeiter flott begegnen. Der Einschlag dient dann keiner Holzernte. Hier geht es nur noch um die reine Gefahrenbeseitigung.

Die jüngste Baumschau auf dem Burgberg war Mitte Juni. Die Forstleute trafen ihre Auswahl. 53 Rotbuchen sind so weit schon abgestorben, dass von ihnen eine akute Gefahr ausgeht. Sie sind markiert worden. Das Zeichen bedeutet: Sie sollen gefällt werden. „Den Rest muss man beobachten“, betont Gerd Thomsen.

Gegenwärtig ist der Wald voll belaubt. Da wäre es extrem gefährlich, die Rotbuchen zu fällen. Die Forstarbeiter warten auf den Herbst. Und auf grünes Licht aus der Harztor-Gemeinde.

Die Lokalpolitiker müssen entscheiden. Einen Beschluss gibt es noch nicht. Der Schritt fällt schwer. Harztor-Bürgermeister Stephan Klante (CDU) sieht zwei Wege. Zum einen könnte der Burgberg für mehrere Jahre gesperrt bleiben. Dann wird der Wald sich selbst überlassen. Die Natur bestimmt, welche Bäume mit höheren Temperaturen und trockeneren Sommern zurechtkommen. Den Burgberg zeichnet auch sein hoher Bestand an nachwachsendem Unterholz aus. Die Alternative wäre: Der Mensch greift ein. Die Gemeinde nimmt viel Geld in die Hand und investiert in den Wald. Dann gehen die Forstarbeiter rein und holen die sterbenden Rotbuchen raus.

Das Südharzer Forstamt favorisiert die Gefahrenbeseitigung. „Wir wollen den Burgberg nicht dauerhaft sperren“, sagt Amtschef Gerd Thomsen. Aber die Forstbehörde zeigt auch Verständnis für die finanziellen Nöte einer Kommune. Vielleicht können Fördermittel einen Ausweg ermöglichen.