Ein Mann, eine Gitarre und große Kunst

Nordhausen.  Mit Buck Wolters steht beim 37. Nordhäuser Jazzfest einer auf der Bühne, der schier eine ganze Band ersetzt.

Buck Wolters gastierte in der Nordhäuser Cyriaci-Kapelle mit seinem Solo-Programm „Still my Guitar“.

Buck Wolters gastierte in der Nordhäuser Cyriaci-Kapelle mit seinem Solo-Programm „Still my Guitar“.

Foto: Kristin Müller

Unter den Zuhörern kein Gitarrist, nur ein Trommler – Buck Wolters hätte anderes verdient an diesem Samstagabend in der Cyriacikapelle. Laien schließlich können nur erahnen, was er aus seiner Gitarre hervorzubringen vermag: den Sound eines bisweilen ganzen Orchesters.

Schwarze Jeans, schwarzes Hemd, graue Turnschuhe, das Haar zusammengebunden: Unprätentiöser ist ein Auftritt kaum möglich. Da setzt sich dieser Mann aus dem Ruhrpott einfach auf den einen Stuhl auf der Bühne und schafft es binnen Minuten, seine Zuhörer in eine Welt der ganz Großen der 60er und 70er eintauchen zu lassen: George Harrisons „Here Comes The Sun“, „California Dreaming“ der Mamas & Papas, „Sittin’ On The Dock of the Bay“ eines Otis Redding nimmt er sich vor und liefert so viel mehr als bloße Covers. Seine Arrangements verblüffen wie seiner Finger Wanderungen und Sprünge auf den sechs Saiten, und zwischendurch plaudert er so locker, als sei das alles gar keine große Kunst.

Dieser Ausnahmekünstler hat es nicht verdient, dass von seiner fünftägigen Tournee nur Nordhausen übrig blieb – nach Absagen aus Dresden, Northeim, Helmstedt, Volkenroda. Umso dankbarer ist er dem Jazzklub, an dem Konzerttermin festgehalten zu haben. Und das, obwohl maximal 40 Karten verkauft werden dürfen für die Cyriaci-Kapelle, obwohl die Corona-Abstandsregeln eine intime Konzertatmosphäre nahezu unmöglich machen.

Holger Gonska und seine Mitstreiter im Jazzclub wollen sich die Kultur nicht nehmen lassen. So haben sie ein Jazzfest konzipiert, das kleiner ausfällt als in den Vorjahren, an anderen Orten stattfindet. Nach der Eröffnung in St. Blasii Ende September und dem samstäglichen Auftritt folgen bis Jahresende noch drei Konzerte in der Cyriaki-Kapelle, eines mit dem Freejazzer Günter Heinz und den „Twirls“. Denn den Jazz-Rabazz selbst darf dieses Jahr nur eine Band bestreiten. Statt des Theaters ist das Skoda-Autohaus Veranstaltungsort. Und noch eine Neuerung gibt es: Jazzmusiker gestalten gemeinsam mit einer Videokünstlerin am 2. November im Ratssaal ein multimediales Projekt zum Thema „Die Schöpfung in Zeiten des Klimawandels“.