Ein über 60-jähriger Mann aus dem Kreis Nordhausen stirbt an Covid-19

Nordhausen.  Eine traurige Nachricht überschattet die ansonsten relativ entspannte Pandemie-Lage im Landkreis Nordhausen.

Vize-Landrat Stefan Nüßle (CDU) kennt die Sorgen der Eltern, die nicht wissen, wie sie Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut bringen sollen.

Vize-Landrat Stefan Nüßle (CDU) kennt die Sorgen der Eltern, die nicht wissen, wie sie Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut bringen sollen.

Foto: Marco Kneise

Der Landkreis hat sein drittes Todesopfer der Corona-Pandemie zu beklagen. Ein Mann (Mitte 60) aus einem Ort im Kreisgebiet ist nach längerem Krankenhaus-Aufenthalt an Covid-19 gestorben. Die traurige Nachricht erreicht das Landratsamt am Dienstagnachmittag. Kurz zuvor – in der Krisenstab-Pressekonferenz – spricht Landrat Matthias Jendricke (SPD) noch von der „erfreulichen und entspannten Situation“, die gegenwärtig im Kreis Nordhausen herrsche. In diesen Zeiten können Worte innerhalb von Minuten nur noch Makulatur sein. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Und dennoch: Obwohl der Gestorbene an diesem Dienstag alles überschattet, bleibt festzuhalten, dass Nordhausen weiterhin zu jenen Regionen zählt, in denen die Pandemie weniger spürbar ist. Hier bestehe zurzeit „ein ganz geringes Infektionsrisiko“, betont der Landrat.

60 Kreisbewohner haben sich bisher nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Zwölf von ihnen sind nach wie vor krank. 45 gelten als genesen. Drei Personen sind gestorben.

Der jungen Frau aus der Flüchtlingsunterkunft in Sülzhayn, die mit einer Lungenentzündung auf der Intensiv-Station des Südharz-Klinikums behandelt werden musste, soll es laut Gesundheitsamt wieder etwas besser gehen. Der Verdacht, dass sie an Covid-19 erkrankt sein könnte, habe sich in einem ersten Test nicht bestätigt. Das Amt will auf Nummer sicher gehen. Deshalb erfolgt ein zweiter Test. Sollte auch dieser negativ sein, dann will das Amt die Quarantäne der kompletten Flüchtlingsunterkunft beenden.

Großes Kopfzerbrechen bereitet der Kreisverwaltung die Situation junger Eltern. Aus den vom Land diktierten Regeln zur Betreuung in den Kindergärten ergeben sich große Probleme. Der eingeschränkte Regelbetrieb, von dem jetzt überall die Rede ist, richte sich nach der Größe der Räume und hänge auch von der Personalzahl in den Tagesstätten ab. Stefan Nüßle (CDU), Erster Beigeordneter des Landkreises, betont: „Wir können als Landratsamt keine Entscheidungen treffen. Das obliegt ausschließlich den Kommunen.“

Landrat Matthias Jendricke blickt zum Freistaat. Er wünscht sich mehr Regionalität. Thüringen sollte dem Beispiel Sachsens folgen. Zum Thema Kita-Betreuung findet der Nordhäuser deutliche Worte: Wenn das Land es ermöglichen würde, dass jeder Landrat selbst entscheiden darf, dann würde Jendricke sofort den üblichen Regelbetrieb in den Kindergärten ermöglichen. Denn: „Die Situation der Eltern muss sich unbedingt verbessern.“ Anderenfalls werden betroffene Mütter und Väter „das nicht lange durchhalten“.

Jendricke vermisst Signale vom Land. Um die Lage zu entkrampfen, „brauchen wir ein klares Konzept – zum Beispiel für Massentests“. Um die Situation in den Kindergärten und in den Schulen verbessern zu können, sei es notwendig, dass Erzieherinnen und Lehrer regelmäßig auf das Virus getestet werden, schlägt Jendricke vor. Das aber müsste der Freistaat entscheiden.

Vatertag steht vor der Tür. Jendricke appelliert: Wer wandert, sollte die Abstandsregeln beachten. Feiern im größeren Rahmen sind auch zu Himmelfahrt untersagt. Das Kontaktverbot gilt weiterhin. Nur Personen aus maximal zwei Haushalten dürfen sich treffen und den Feiertag gemeinsam verbringen.