Ellricher Initiative erfährt große Resonanz

Ellrich.  Über 50 Bürger fanden sich am Montag zum Gründungsakt ein. Ziel ist würdige Gestaltung des ehemaligen KZ-Außenlagers Juliushütte.

Unter dem Motto "Wir zeigen Gesicht" hat sich am Montag eine Initiative gegen das Vergessen in Ellrich gegründet, die das frühere KZ-Außenlager Juliushütte als Gedenkort erhalten will. Neben Initiator Andreas Heise machen Cathrin Ruhland, Evelyn Schurzmann und Nancy Lüdecke (von links) mit.

Unter dem Motto "Wir zeigen Gesicht" hat sich am Montag eine Initiative gegen das Vergessen in Ellrich gegründet, die das frühere KZ-Außenlager Juliushütte als Gedenkort erhalten will. Neben Initiator Andreas Heise machen Cathrin Ruhland, Evelyn Schurzmann und Nancy Lüdecke (von links) mit.

Foto: Hans-Peter Blum

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Die Resonanz war überwältigend: Über 50 Bürger waren am Montag in den Ellricher Bahnhof gekommen, um den Gründungsakt der Initiative „Wir zeigen Gesicht“ mitzuerleben. 25 Südharzer trugen sich in die Liste derer ein, die aktiv mitarbeiten wollen.

„Die Initiative gegen das Vergessen möchte sich bürgerschaftlich einsetzen und einmischen, dass der KZ-Gedenkort Ellrich-Juliushütte ein angemessener Trauerort direkt vor unserer Südharzer Haustür wird. Wir wollen nicht gegen die Stiftungen und Eigentümer des Geländes arbeiten, sondern sie vor Ort unterstützen“, machte Initiator Andreas Heise zu Beginn deutlich.

Er habe das ursprüngliche Motto „Ellrich zeigt Gesicht“ umgewandelt in „Wir zeigen Gesicht“, weil sich auch die Gemeinde Walkenried bereit erklärt hat, bei der Initiative mitzumachen, so Heise. Dazu hat er viele Gespräche mit Bürgern aus Ellrich und Walkenried geführt. Zwei Drittel des ehemaligen Lagergeländes liegen auf niedersächsischer Seite und gehören zu Walkenried.

Nach einer Gedenkminute für die 4000 in den Jahren 1944/45 in Juliushütte ums Leben gekommenen Häftlinge signalisierten diverse Institutionen der Initiative ihre Unterstützung. „Über die Zukunft der Gedenkstätte gibt es weder in Ellrich noch in Walkenried einen Dissens“, machte Ellrichs Bürgermeister Henry Pasenow (CDU) deutlich. Er verwies auf die Gründung einer Arbeitsgruppe im Dezember mit allen Beteiligten. „Wir brauchen einen konzeptionellen Rahmen für die zukünftige Gestaltung des Geländes“, erklärte er. „Wir werden uns kümmern“, versprach er.

Verwahrlosung entgegentreten

„Wir haben in Juliushütte keine einfache Konstellation“, sagte Christopher Wagner, Stellvertreter des Bürgermeisters in Walkenried. Es gebe mehrere Besitzer und Rechtslagen aufgrund der Lage in zwei Bundesländern. „Ich weiß, dass es mit Verwaltungen oft etwas zäher ist. Trotzdem werden wir die Initiative und ihr bürgerschaftliches Engagement unterstützen“, machte er deutlich.

„Es ist großartig, dass hier heute so viele zusammengekommen sind“, sagte Jens-Christian Wagner, Leiter der niedersächsischen Gedenkstätten. „Wir dürfen als Stiftung keine Kommune finanziell unterstützen. Aber bei einem Verein oder einer Initiative ist das etwas anderes“, erklärte er. In der Vergangenheit sei schon einiges geschehen. „Die beiden Gemeinden und die Jugend für Dora haben sich auf dem Gelände sehr engagiert“, blickte er zurück. Es wurden Gedenktafeln aufgestellt, Wege angelegt und das Gelände hergerichtet. Das sei aber schon einige Jahre her. „Jetzt ist eine Verwahrlosung eingetreten, so dass dringend etwas passieren muss“, betonte er. Und da sei man mit der neuen Arbeitsgruppe auf einem guten Weg. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die beiden Aschegräber würdig zu gestalten, das Gelände wieder herzurichten und die Relikte lesbar zu machen“, zählte er auf.

Ellrichs Pfarrer Jochen Lenz verwies auf die Reise mit Ellricher Jugendlichen ins französische Angers, wo diese mit Angehörigen von Opfern von Juliushütte ins Gespräch gekommen sind. „Dort ist die Idee entstanden, ein Jugendcamp ins Leben zu rufen“, berichtete er. Dafür könne Juliushütte als Lernort dienen.

„Es wäre ein tolles Zeichen, wenn wir uns vor dem Gedenktermin im April in Juliushütte zum Aufräumen treffen könnten“, schlug Michael Reinboth vom Walkenrieder Geschichtsverein vor. Diese Idee unterstützte auch Ingrid Werres von der Stiftung Naturschutz. „Wir wollen noch im Februar einen Freiwilligeneinsatz vornehmen“, stellte sie in Aussicht.

Zu diesem Termin wird sich auch die Ellricher Initiative das nächste Mal treffen. „Wir wollen künftig einmal monatlich zusammenkommen, um Aktionen zu besprechen, Verunreinigungen auf dem Gelände beseitigen oder Vorträge über die Geschichte der Gedenkstätte hören“, sagte Andreas Heise, dem die Freude über den Erfolg der Initiative anzusehen war.

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