Ellrichs Bürgermeister spricht über Waldverlust von historischem Ausmaß

Ellrich  Im Ellricher Stadtwald muss Schadholz rasch entfernt werden. Trockenheit und Borkenkäfer setzen Bäumen zu.

Auch die Buche ist mittlerweile vom Borkenkäfer befallen und leidet unter der Trockenheit. Der Stadtwald in Ellrich ist nur ein Beispiel von vielen.

Auch die Buche ist mittlerweile vom Borkenkäfer befallen und leidet unter der Trockenheit. Der Stadtwald in Ellrich ist nur ein Beispiel von vielen.

Foto: Kristin Müller

Die Situation im Ellricher Stadtwald ist besorgniserregend. Nach dem Sturm Friederike folgte im vergangenen Jahr eine langanhaltende Dürreperiode, welche die außergewöhnlich rasante und enorme Entwicklung des Borkenkäfers begünstigte. „Die Folgen sind deutlich sichtbar und es herrscht dringender Handlungsbedarf“, sagte Ellrichs Bürgermeister Henry Pasenow (CDU) auf der jüngsten Sitzung des Stadtrats.

Es drohe ein Waldverlust von historischem Ausmaß. Nicht nur die Fichte sei betroffen, auch die Buche rücke in den Fokus. Parallel zu der rasant ansteigenden Menge an anfallendem Schadholz falle der Holzerlös der Fichte pro Festmeter in Bereiche, die die Einschlagskosten teilweise nicht mehr decken, erläuterte er. „Der Holzmarkt ist zusammengebrochen, die alten Preise längst nicht mehr haltbar“, so der Bürgermeister. Der Preissturz betreffe aber nicht nur die Fichte, auch die Buche und Lärche würden jetzt folgen.

„Die Möglichkeiten zur Aufbereitung von Schadholz durch den Freistaat sind durch die Stadt Ellrich beantragt, können jedoch momentan die wirtschaftlichen Einbußen nicht kompensieren“, beklagte Pasenow. Des Weiteren fehlten zunehmend forstwirtschaftliche Unternehmen, die in der Lage sind, die anfallenden Mengen in der nötigen Geschwindigkeit aufarbeiten zu können. Die Preisentwicklung in diesem Sektor sei entsprechend der Nachfrage steigend. Die auf zehn Jahre ausgerichtete Forsteinrichtung für den Stadtwald Ellrich sieht im Jahresdurchschnitt Hiebsmengen von maximal 2000 bis 3000 Festmeter vor.

„Aus Gründen des Forstschutzes wurden die geplanten Hiebmaßnahmen für das Jahr 2019 ausschließlich auf die erforderliche Schadholzaufarbeitung beschränkt, es wurde kein Frischholz eingeschlagen“, berichtete der Bürgermeister. Zu Beginn dieses Jahres wurde mit anfallenden Schadholzmengen von 1500 Festmetern gerechnet. Entsprechend dieser Menge wurden für den Winter- und Frühjahrshieb im beschränkten Vergabeverfahren Angebote eingeholt und der Auftrag vergeben.

Im April und Mai dieses Jahres zeichnete sich erneut eine Verschärfung der Situation ab, so dass wiederum im beschränkten Verfahren 1550 Festmeter Schadholzaufarbeitung ausgeschrieben wurden. „Schnellstmögliches Handeln ist notwendig, um die wirtschaftlichen Verluste, aber auch die Ausbreitung des Borkenkäfers zu minimieren“, betonte Pasenow. Eine zeitliche Verzögerung könne bei fortschreitender Trockenheit eine weitere Verschärfung der Situation bedeuten. Deshalb sei schnelles Handeln gefragt.

Die im Haushalt geplanten Ausgaben betragen 80.000 Euro. Die bereits überdurchschnittlich hohe Hiebsmenge sowie notwendige Behandlung des Holzes mit Insektiziden im Frühjahr führten jedoch zu einer überplanmäßigen Erhöhung der Ausgaben in Höhe von 24.417 Euro. Diese wurde vom Stadtrat beschlossen. Die überplanmäßige Ausgabe sei aber durch außerplanmäßige Einnahmen im Rahmen der Gewässerunterhaltung gedeckt.

Aufgrund der aktuellen Not­situation werden seitens der Landesregierung, dem Waldbesitzerverband und dem Gemeinde- und Städtebund nach Möglichkeiten gesucht, der Waldschadenskatastrophe zu begegnen. „Ein Ausgleich der Mindereinnahmen durch Erhöhung der Fördermittel ist zum momentanen Zeitpunkt nicht vorhersehbar“, gab Pasenow zu bedenken. Er rechne jedoch mit weiterer finanzieller Unterstützung durch das Land.

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