Erste Freiluft-Kirmes in Uthleben mit bildhübschen Hühnern

Uthleben.  Ein Dorf trotzt dem Coronavirus und ermöglicht ein traditionelles Volksfest mit Infektionsschutzkonzept.

Der Geflügelhof ist nur 200 Meter entfernt. Aber in der Mönchstraße sind Ute Appenrodt und die anderen Hühner der örtlichen Frauensportgruppe noch sicher. Erstmals nimmt die Truppe so zahlreich am Kirmes-Umzug teil.

Der Geflügelhof ist nur 200 Meter entfernt. Aber in der Mönchstraße sind Ute Appenrodt und die anderen Hühner der örtlichen Frauensportgruppe noch sicher. Erstmals nimmt die Truppe so zahlreich am Kirmes-Umzug teil.

Foto: Jens Feuerriegel

Die Hühner sind los. Und sie stehlen den Kirmesburschen die Schau. Zumindest beim Umzug an diesem Sonntagmorgen. Erstmals beteiligen sich die Mädels so zahlreich am traditionellen Fußmarsch durchs Dorf. In den Kostümen stecken die feschen Damen der örtlichen Frauensportgruppe. Der Atemschutz ist Pflicht. So bleiben bei Ute Appenrodt und den anderen nur noch die Augen sichtbar. Aber die genügen schon, um die These zu wagen: Dieser Umzug ist Uthlebens attraktivster aller Zeiten. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Nicht nur deshalb ist diese Kirmes besonders. Corona drückt ihr den Stempel auf. Aber das Virus zwingt die Uthleber nicht in die Knie. Der Ausweg ist simpel: Alle Feiern sind an der frischen Luft.

„Unser Konzept hat funktioniert“, freut sich Klaus Körber. „Ja, unsere erste Freiluft-Kirmes ist gelungen“, bestätigt Tim Rosenstock. Auf ihren Freitagabend haben die Uthleber diesmal verzichtet. Für den Samstagabend nutzen sie das Gelände auf dem Sportplatz. Gesellig ist es trotz Abstand. Der Infektionsschutz ist allgegenwärtig. Die Uthleber lassen sich davon aber ihre Feierlaune nicht vermiesen.

Das schützende Dach der früheren Schenke oder des Bürgertreffs der vergangenen Jahre fehlt an diesem Sonnabend. Ende Oktober ist das nicht ohne Risiko. Aber das Wetter ist zum Glück kein Spaßverderber. Und Manfred Handke vom Dorfkrug in Werther sorgt dafür, dass kein Besucher hungrig oder durstig bleiben muss.

„Wir haben uns an alle Auflagen gehalten“, versichert Tim Rosenstock. Und punkt Mitternacht sei die letzte Klappe gefallen. Einen Vorteil hat der frühere Schankschluss: Sonntagfrüh sind alle fit und pünktlich zum Umzug durchs Dorf. Jeder trägt seinen Mund-Nase-Schutz. „Darauf haben wir Wert gelegt“, betont Klaus Körber.

Ein Jubilar ist als Erbesbär verkleidet. Hans-Joachim Reichelt schlüpft zum zehnten Mal in die Strohbär-Figur. Franziska Reinhardt führt ihn an der kurzen Leine durch die Straßen. Brav folgt Reichelt dem hübschen Mädel. Er hat sicherlich schon unangenehmere Vormittage verbracht.

Etliche Dorfbewohner treten vor ihre Häuser, um die Kirmesburschen und -mädchen zu empfangen. „Ich finde es toll“, freut sich Gisela Grams an der Baumschule. „Auch mit Corona muss das Leben weitergehen. Und wenn sich alle an die Regeln halten, kann auch nichts passieren.“

Der Marsch endet wieder am Sportplatz. Der Frühschoppen steht dort auf dem Programm. Er ist zugleich schon das Finale. Für Abstand ist auch hier gesorgt. Die Stehtische sind weit genug auseinandergerückt worden. Die Kirmesgesellschaft zieht noch einmal feierlich ein. Und der Kirmespastor Christoph Steiner verliest die Kirmespredigt. Es ist Tradition, dass dabei einige lustige Dorf-Momente der vergangenen zwölf Monate zum Besten gegeben werden.

Das Ende ist nicht althergebracht. Coronabedingt. „Begrabigt wird unsere Kirmes diesmal nicht wie sonst“, erklärt Tim Rosenstock. Denn das gehe wirklich nur im Saal. Unter freiem Himmel am helllichten Tag fehle die Atmosphäre. Klaus Körber nickt: „Das gibt kein schönes Bild ab, wenn wir das draußen zur Mittagszeit machen.“