Erste Kliniken planen Kurzarbeit wegen aufgeschobener Operationen

Erfurt.  Die staatlichen Ausgleichszahlungen für ausgesetzte Operationen decken nicht alle Ausfälle bei den Thüringer Krankenhäusern.

Eingang des Südharz Krankenhauses in Nordhausen.

Eingang des Südharz Krankenhauses in Nordhausen.

Foto: Roland Obst / TA

Kliniken stocken Intensivbetten und Personal für mehr Corona-Patienten auf – und müssen gleichzeitig ausgesetzte Operationen ausgleichen. Am Südharzklinikum Nordhausen bedeutet das für Teile der Belegschaft jetzt Kurzarbeit. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog.

Dazu sei am Donnerstag eine Betriebsvereinbarung unterzeichnet worden, sagte Geschäftsführer Guido Hage. Ausgleichszahlungen erhalte man für ungefähr 300 freie Betten, ambulante Leistungen würden nicht kompensiert. Die Kurzarbeit werde 15 Prozent der 2000 Beschäftigten betreffen, vorzugsweise aus Servicebereichen. Um soziale Härten zu vermeiden, stocke man das Kurzarbeitergeld auf 100 Prozent auf. Ärzte und Schwestern seien vorerst nicht betroffen. Nordhausen ist eine von neun Level-1-Kliniken in Thüringen für schwere Coronafälle.

Weniger Patienten in Rehakliniken

Bei den Nordthüringer KMG-Kliniken wurde teilweise Kurzarbeit in den Rehakliniken umgesetzt. Durch die Einstellung von Operationen sei die Patientenzahl dramatisch eingebrochen, erklärt ein Sprecher. Kein Thema ist Kurzarbeit am Katholischen Krankenhaus in Erfurt. Geschäftsführer Stefan Rösch verweist auf die hohe Belastung der Mediziner. „Wenn weniger Arbeit anfällt, nutzen wir dies zur Vorbereitung auf Covid-Patienten und für Freischichten“, sagt er.

Auch an den Helios-Kliniken sind Mitarbeiter angehalten, Überstunden und Urlaub abzubauen. Man stelle aber die Situation auch mit Blick auf mögliche Kurzarbeit ständig neu auf den Prüfstand, sagt Sprecher Johann Peter Prinz.

Nur 40 Prozent Bettenauslastung

Ähnlich halten es die Hufeland-Kliniken in Bad Langensalza und Mühlhausen. „Die Bettenauslastung liegt bei 40 Prozent. Es sind nicht mehr alle Ärzte, Pflegekräfte oder Funktionsmitarbeiter ausgelastet“, erklärt Geschäftsführerin Kerstin Haase. Laut Gesundheitsministerium wurden von Mitte März bis Anfang April von 41 Kliniken Ausgleichszahlungen von rund 48,3 Millionen Euro angemeldet.

Debatten über Lockerungen der Kontaktbeschränkungen hält DRK-Landesarzt Reinhard Fünfstück aus medizinischer Sicht für verfrüht. Die Kritik von Juristen, es handele sich um Rechtsbeugung, führe zu Verunsicherung. „Im Vordergrund muss der Schutz aller stehen“, sagte der Arzt.