Fast jeder dritte Schüler im Südharz ist auf den Schulbus angewiesen

Nordhausen  Kontrollaktion vor Schulen: Polizei mahnt Autofahrer in Nordhausen zur Rücksicht. Zwölf Schulwegunfälle seit dem Jahr 2014 im Landkreis Nordhausen.

Polizeiobermeister Olf Herschleb am Lasermessgerät vor der Albert-Kuntz-Schule.

Polizeiobermeister Olf Herschleb am Lasermessgerät vor der Albert-Kuntz-Schule.

Foto: Kristin Müller

Sichere Schulwege, das ist das Ziel. Die Polizei hat deshalb am Montagmorgen eine zweiwöchige Kontrollaktion vor Schulen im Landkreis Nordhausen gestartet. Auftakt war an der Albert-Kuntz-Schule in Nordhausen.

Zunächst kapituliert das Lasermessgerät der Polizeibeamten, zu hoch ist die Luftfeuchtigkeit. Doch auch nachdem sich der Nebel gelichtet hat, muss Polizeikommissar Alexander Mangold keinen einzigen Autofahrer wegen zu schneller Fahrt mit seiner Kelle herauswinken – wohl auch, weil die Straße neben Anliegern vor allem von Eltern genutzt wird, die ihre Kinder zur Schule bringen, meint Polizeiobermeisterin Ivette Meyer. Die würden wissen, wie wichtig es ist, rücksichtsvoll unterwegs zu sein.

Aus dem Verkehr gezogen würde, wer schneller als 38 km/h unterwegs ist. Ebenso schaut die Polizei, ob nötige Kindersitze auch genutzt werden, ob alle im Auto angeschnallt sind. Andernfalls drohen 60 Euro fällig zu werden, einen Punkt gibt‘s außerdem. „Häufiger Fehler von Eltern ist auch, dass sie einfach am Rand anhalten und die Kinder an der Straßenseite aussteigen lassen“, erklärt Polizeisprecherin Fränze Töpfer.

Das sieht sie an diesem Morgen vor der Salzaer Grundschule nicht – doch sind in der Viertelstunde vor Unterrichtsbeginn die Parkplätze heiß umkämpft. Findet sich keiner mehr, wird rangiert, um in Grundstückseinfahrten zu kommen, wird in der Buswendeschleife gestoppt. Wegen des vielen Gepäcks des Kindes am ersten Schultag, erklärt eine Mutter kurz. Zeit hat sie nicht, die Arbeit ruft.

Zurück bleibt an der nahen Bushaltestelle Verkehrshelferin Barbara Frank. „Dieses Chaos hier gibt es jeden Tag, weil die Kinder bis in die Schule reingebracht werden“, überspitzt sie die Tatsache, dass viele Kinder den Schulweg im Auto zurücklegen, nicht zu Fuß.

Der Autoclub Europa (ACE) kritisiert dies wieder und wieder: „Auf dem Autorücksitz haben Kinder keine Möglichkeit, lehrreiche Erfahrungen im Straßenverkehr zu sammeln“, sagt ACE-Kreischef Jörg Lorenz. Motorische Fähigkeiten blieben auf der Strecke, das sichere Verhalten im Straßenverkehr könne nicht erlernt werden. Dabei könne, wer ohne Auto nicht auskommt, dieses zumindest ein paar 100 Meter von der Schule entfernt geparkt werden.

Die Nordhäuser Polizei hat zwei Mitarbeiter, die in der Verkehrsprävention tätig sind: Sie erklären schon Kindergartenkindern und Erstklässlern das richtige Verhalten als Fußgänger, lehren auch die Viertklässler in Sachen Verkehrsregeln, üben deren Einhaltung praktisch. Alle Grund- und Förderschüler durchlaufen zudem eine Radfahrausbildung.

Wie wichtig dies ist, zeigt die Statistik: Seit Anfang 2014 registrierte die Polizei zwölf Schulwegunfälle im Landkreis, bei denen mit einer Ausnahme jeweils ein Kind leicht verletzt wurde. In acht Fällen überquerten die Kinder zu Fuß oder mit dem Rad eine Straße, wurden dabei vom Verkehr erfasst, bei den anderen vier Unfällen saßen die Kinder in einem Auto.

Mit dem Schulbus unterwegs sind 2800 der rund 9650 Schüler im Südharz. Der Landkreis lässt sich das im Jahr knapp zwei Millionen Euro kosten – die Eltern zahlen neuerdings nichts mehr.

Einen dafür nötigen Fahrausweis bekommt, wer als Grundschüler einen Schulweg von mindestens zwei Kilometern hat, bei den Älteren liegt die Mindestlänge bei drei Kilometern. Ausnahmen gibt es für Behinderte und dann, wenn der Schulweg eine „besondere Gefahr für die Sicherheit und Gesundheit der Schüler bedeutet“, so Marcel Hardrath, ÖPNV-Koordinator im Landratsamt.

Den Fahrschülern wird einiges zugemutet: Erst- bis Viertklässler dürfen bis zu 35 Minuten zwischen Zuhause und Schultür unterwegs sein, Regelschüler bis zu 45 Minuten, Gymnasiasten und Förderschüler gar bis zu einer Stunde. Von Klettenberg nach Nordhausen beispielsweise braucht der Schulbus schon 49 Minuten – bleiben also nur noch elf Minuten Fußweg, nennt Marcel Hardrath ein Beispiel.

Grundsätzlich würden die gesetzlichen Richtwerte eingehalten, Überschreitungen gebe es nur ausnahmsweise, etwa wegen Baustellen.

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