Fehlzündung bei Wacker Nordhausen

Nordhausen  Wacker Nordhausen kommt zum Saisonstart gegen Aufsteiger Chemie Leipzig nur zu einem 0:0 und enttäuscht fußballerisch.

Durch Provokationen nach Abpfiff verlor Oliver Genausch die Nerven und   sah nach einem Stoß die Rote Karte

Durch Provokationen nach Abpfiff verlor Oliver Genausch die Nerven und   sah nach einem Stoß die Rote Karte

Foto: Christoph Keil

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So richtig Aufregung gab es beim 0:0 zwischen Wacker Nordhausen und Chemie Leipzig erst nach Abpfiff. Beil hatte bei der letzten Aktion Leipzigs Torwart Bellot mit der Sohle getroffen. Der Keeper krümmte sich zunächst, sprang dann aber jubelnd auf. Zuviel für die frustrierten Nordhäuser an diesem Tag. Nach Rudelbildung und Gerangel hielt schließlich Chemiker Schmidt den Wacker-Stürmer Genausch „eng umschlungen“. Der Nordhäuser „befreite“ sich mit hochgezogenem Knie Richtung „Männlichkeit“. Das brachte dem sonst so ausgeglichenen Genausch die Rote Karte ein.

Anschließend versuchten ein paar Wacker-Ultras noch, den Zaun einzudrücken. Doch die Kraft des Sicherheitspersonals aus der Firma des Wacker-Präsidenten Kleofas hielt dem Angriff stand. Auf der gegenüberliegenden Seite feierten die Leipziger Spieler mit ihren rund 800 grün-weißen Fans den absolut verdienten Punktgewinn beim Regionaliga-Mitfavoriten. Bei den Nordhäusern herrschte nach 90 Minuten bei 30 Grad tiefe Enttäuschung. Mit erhitzten Köpfen diskutierten sie müde die Fehlzündung zum Saisonstart.

„Chemie war der erwartet ‚eklige‘ Gegner, der mit der Euphorie eines Aufsteiger hierher kam. Wir haben sie zu wenig ins Laufen gekriegt, weil wir einfach zu viele Ungenauigkeiten in unserem Spiel hatten. Die letzte Aktion hat noch nicht gepasst“, befand Kapitän Tobias Becker.

Im gesamten Spiel hatte Wacker – wie auch Chemie – keine einzige hundertprozentige Torchance. Nur Kopfbälle von Pichinot und Löhmannsröben kurz vor der Pause und ein Drehschuss von Kammlott (55.) sorgten für Gefahr. Doch da war der ehemalige RB-Leipzig-Torhüter Bellot jeweils auf dem Posten.

Wackers neuer Anführer Jan Löhmannsröben gab sich kritisch: „Wir haben Chemie in die Karten gespielt, zu viele lange Bälle geschlagen. Ich bin doch neu im Team. Das habe ich gemerkt. Ich kenne noch nicht alle Laufwege der Kollegen. Aber es sind noch 33 Spiele und wir werden es nächsten Sonntag gegen Bischofswerda besser machen.“

Dort wird Wacker vor der gleichen Aufgabe stehen. Ein dichter Deckungsverbund muss aufgebrochen werden. Nach der guten Vorbereitung scheiterten Wackers Profis zum Auftakt aber erst einmal an der Realität der Liga. „Wir haben gewarnt. Vielleicht ein bisschen viel. Wir fanden keine Mittel. Das ist fußballerisch zu wenig, wir haben da andere Ansprüche“, so Coach Heiko Scholz. „Wir haben sechs Wochen geil gearbeitet. Wenn es aber richtig los geht, ist es eben ein bisschen anders“, meinte Scholz. Die falsche Taktik habe er nicht gehabt. „Ich habe nicht gesagt, sie sollen immer lange Bälle spielen“, erklärte Wackers Trainer. Wie dünn das Nervenkostüm bei einigen Nordhäuser Zuschauern schon nach dem ersten Spiel gestrickt ist, musste Sebastian Heidinger erleben. Der Routinier machte wohl ein schwaches Spiel, aber sicher kein Grund, einen Fußballer so unflätig zu beschimpfen.

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