Fernsehstars moderieren erste Nordhäuser Miss-Tattoo-Wahl

Nordhausen.  80 renommierte Stechnadelkünstler locken über 1000 Südharzer in die Wiedigsburghalle. Daniel Krause und Denise Schwitalle gefragt für Autogramme.

Daniel Krause und Denise Schwitalle aus „Berlin – Tag und Nacht“ waren die VIP-Gäste der zweiten  Tattoo-Convention. 

Daniel Krause und Denise Schwitalle aus „Berlin – Tag und Nacht“ waren die VIP-Gäste der zweiten Tattoo-Convention. 

Foto: Christoph Keil

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Die erste „Miss Tattoo“ Nordhausens kommt aus Steinbach-Hallenberg: Mit nur wenig unbemalter Haut und gewinnendem Lächeln hat Stephanie Thieme bei der Tattoo-Convention am Wochenende die Gunst der vierköpfigen Jury ergattert. „Durch Charisma und die Qualität ihrer Tätowierungen“, benennt Organisator Daniel Huber die Kriterien dieser Wettbewerbs-Premiere für die Stadt.

Siegerin ist dreifache Mutter in Nordhausen

Für Thieme selbst ist es keine Premiere, schon mehrfach habe sie an solchen Turnieren teilgenommen. „Weil es Spaß macht“, erklärt die dreifache Mutter, die nur dank einer emsigen Oma genügend Zeit habe, um sich den Körperkünstlern ständig wieder unter die Nadeln zu legen. Die Möglichkeit, sich gleich von internationalen Tätowierern modifizieren zu lassen, nutzen am Wochenende viele der Besucher in der Wiedigsburghalle.

Gut 1000 Gäste beim Wanderzirkus von rund 80 Tattoo-Künstlern

Aut gut 1000 Gäste insgesamt schätzt Organisationschef Daniel Huber den Ansturm auf diesen farbenfrohen Wanderzirkus von rund 80 Künstlern. Einer unter ihnen – Dicky aus Münster – hat allein am Samstag acht Tattoos gestochen, erzählt er, während unter seinen Händen gerade eine Eule aus schwarzer Tinte entsteht. Die, die sie später auf der Brust tragen wird – Jule aus Minden –, ist eigens dafür nach Nordhausen angereist. Genauso spontan sei das gewesen wie die Idee zu dem Vogel mit den „schönen großen Augen“.

Und große Augen machen auch viele der Besucher: Weil sie plötzlich in zwei Gesichter blicken, die sie aus dem Fernsehen kennen: Daniel Krause und Denise Schwitalle stehen sonst für die Seifenoper „Berlin – Tag und Nacht“ vor der Kamera, doch heute stehen sie in Nordhausen und geben Autogramme. Wie viele es schon waren, darüber hat Denise Schwitalle genauso den Überblick verloren wie über die Zahl ihrer Tätowierungen am Körper, gesteht sie lächelnd.

Berlin - Tag und Nacht-Darsteller geben Autogramme

Was die Nordhäuser am meisten an ihr interessiert, weiß sie dagegen ganz genau: „Ob ich so bin wie meine Fernsehrolle.“ Und ist sie es? Schwitalle, die sonst Emmi, das brave Mädchen von nebenan, spielt, blickt an sich herunter über tätowierte Arme in ein tiefes Dekolletee und grinst verschmitzt. Das soll wohl Nein heißen. Tiefe Einblicke in sein Innenleben gewährt dagegen Krause, der in der Soap einen Berliner Tätowierer, also sich selbst spielt. Krause ist 18 Jahre alt und Punker, als für ihn eine Welt zusammenbricht: David Bowie spielt im Frühling 1987 vor dem Reichstag, und die Ostberliner wollen seine Musik über die Mauer schwappen hören. Doch Volkspolizei und Stasi fahren mit Knüppeln durch die Meute. „Spätestens da konnte mir diesen Staat nicht mehr schönreden. Das wich alles Fassungslosigkeit“, erinnert sich Krause.

Aus dieser Erfahrung, seiner Skepsis, wie die Wende verlaufen ist, und dem Leben als Punk in der DDR hat er ein Buch gemacht, das ihn selbst zu Talkshows mit Günther Jauch gebracht hat. Die Arbeiten an „Freiheit unterm Ladentisch“ und die Dreharbeiten für „Berlin – Tag und Nacht“ haben ihn aber auch drei Jahre nicht selbst zur Tätowiermaschine greifen lassen. Mit wehmütigem Blick schaut er daher durch die Wiedigsburghalle auf seine Branchenkollegen und sagt schließlich: „Tattoos sind Emotion auf Haut, das ist auch eine Art der Freiheit. Ich vermisse das sehr.“ Und dann grinst er wieder: Denn ab kommendem Jahr habe er wieder Zeit dafür.

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