Feuer Powertrain in Nordhausen glaubt an deutliche Umsatzsteigerung in 2021

Nordhausen.  Der Kurbelwellenhersteller aus Nordhausen geht mit einem Olympiasieger als Marken-botschafter und einer guten Perspektive ins neue Jahr. Im Werk im Eichsfeld beginnt die Serienproduktion.

Das neue Design der Lobby bei Feuer Powertrain, das die Werbeagentur um Steffen Mund (rechts) kreiert hat, ist für Geschäftsführer Dominic Deig auch Bekenntnis zur Zukunft des Standortes Nordhausen.

Das neue Design der Lobby bei Feuer Powertrain, das die Werbeagentur um Steffen Mund (rechts) kreiert hat, ist für Geschäftsführer Dominic Deig auch Bekenntnis zur Zukunft des Standortes Nordhausen.

Foto: Peter Cott

Wenn Rennrodler Johannes Ludwig das nächste Mal die Bobbahn runterbraust, sollten nicht nur Sport-Fans genau hinsehen. Auch Lokalpatrioten bekommen dann etwas zu staunen: Denn der Schlitten des Suhler Olympioniken ist veredelt mit Nordhäuser Design, dem der Werbeagentur Plusgrad. Der Grund: Gesponsert wird Ludwig vom hiesigen Kurbelwellenhersteller Feuer Powertrain. Und der hatte jüngst sein gesamtes Firmenerscheinungsbild im Netz, auf Broschüren und einem neuen Bewerberportal mit Ideen aus der Barfüßerstraße grunderneuern lassen.

Mit dem eigens kreierten Foyer des Automobilzulieferers will die Agentur weitere Duftmarken im Bereich der Innenarchitektur hinterlassen, erzählt Steffen Mund von Plusgrad.

Für Feuer Powertrain indes ist das neue Design auch Signal an Mitarbeiter, Bewerber und Region, fügt Geschäftsführer Dominic Deig hinzu. Allen Unkenrufen über den Siegeszug der E-Mobilität und die Folgen von Corona zum Trotz glaubt das Unternehmen an gute Zukunftsperspektiven und bekennt sich zum Norden Thüringens. „Uneingeschränkt“, betont Deig.

„Wir sind gut durch den ersten Lockdown gekommen“, bilanziert er das besondere Jahr 2020, das im März mit Kurzarbeit begann. Diese Phase habe man im September hinter sich gelassen, habe die Corona-Hilfe schnell zurückgezahlt. Auch Umsatzeinbrüche hätten sich nicht in der befürchteten Dimension bestätigt. „Viele Kundenwünsche konnten aus Lagerbeständen befriedigt werden“, erinnert sich Deig an das zweite Quartal.

Unternehmen sucht Lehrlinge und neue Mitarbeiter

Dem schloss sich ein hoffnungsvolles drittes Quartal an, das nun auf gut 120 Millionen Euro Umsatz am Jahresende spekulieren lässt. Beim Blick auf 2021 stellt Deig gar eine „deutliche Steigerung“ in Aussicht. Mehr noch: Während andere Zulieferer wie Eaton die Reißleine ziehen, sucht Feuer Powertrain Lehrlinge und neue Mitarbeiter. „50 Leute an der Zahl“, sagt er über die erhofften SPS-Programmierer, Elektroniker und Zerspanungsmechaniker. Manchem ehemaligen Eaton-Mitarbeiter habe man so bereits eine Stelle bieten können.

Den guten Nachrichten aus Nordhausen gesellen sich positive aus dem eichsfeldischen Beuren hinzu. Wo voriges Jahr durch die Erko-Insolvenz 180 Menschen arbeitslos wurden, hat Powertrain eine Halle gemietet, in der fortan Kurbelwellen für Kompressoren entstehen sollen. „Mit den Teilen für Kühl- und Bremskompressoren wollen wir unser Portfolio erweitern“, sagt Deig, dessen mehr als 600-köpfige Belegschaft bereits Wellen für namhafte Pkw-, Lkw- und Nutzmaschinenhersteller produziert, hier Marktführer ist.

In Beuren sei nun die Serienproduktion angelaufen. 100.000 Wellen sollen 2021 Beurens Werk verlassen. „Zudem konnten wir das vollautomatische Hochregallager in Betrieb nehmen.“ Läuft alles nach Plan, werde man gar eine weitere Produktionslinie erwägen.

Wachstum bei einem Zulieferer für Verbrennermotoren bei zeitgleichen Abgesängen auf derartige Antriebe und steigenden Lohnkosten hierzulande – wie passt das zusammen? Für Deig hat diese Frage gleich zwei Antworten. Aktuell, so der Geschäftsführer, würden noch 90 Prozent aller Kurbelwellen durch große Automobilfirmen selbst hergestellt. Doch die konzentrieren ihre Entwicklung zunehmend auf andere Bereiche wie Akkutechnik, lagern also die Wellenproduktion aus. Doch die werden auch weiterhin gebraucht. Dadurch komme Feuer Powertrain mehr zum Zuge. „Uns gibt das weitere zehn bis fünfzehn Jahre, in denen wir uns zukunftsfähig aufstellen können“, freut sich Deig.

Profitieren von Auslagerungund Automatisierung

Der zweite Teil der Antwort liegt in der Automatisierung der hiesigen Produktion. Wer durch die fünf Nordhäuser Werkshallen schreitet, muss staunen ob der selbst fahrenden Transportfahrzeuge. Brücken verbinden seit diesem Jahr alle Hallen, um ihnen den Weg zu erleichtern. Zudem sei in eine automatisierte Endkontrolle und ein automatisches Rohteilauflagesystem investiert worden. „Bisher ist das händisch geschehen. Das war Schlusspunkt der Vollautomatisierung“, sagt Deig, dem zufolge von 8 Millionen Euro an Investitionen dieses Jahr rund 3 Millionen in derartige Automatisierungen geflossen sind. „Das ist unsere Chance, am Markt zu bestehen.“